Leuchtreklame

Angst vor Amerikanisierung

Eine 4,80 auf 1,10 Meter großen Werbeanlage im dörflichen Aying? Mit rotem Leuchtschriftzug? Der Gemeinerat sagt: nein!

Aying - Deutlich unauffälliger wünscht sich der Ayinger Gemeinderat eine Lichtwerbeanlage für ein im Michael-Kometer-Ring befindliches Unternehmen. Beantragt wurde die Montage des selbstleuchtenden, roten Schriftzuges auf dem Dach, sodass die Werbung auch von der Ferne zu erkennen sei. Der Bebauungsplan sagt hingegen laut Bauamtsmitarbeiter Maximilian Pölsterl deutlich aus, dass Werbeanlagen „dezent und maßvoll zu halten“ seien. Die Verwaltung schlug vor, den Antrag abzulehnen, was durchaus unterschiedliche Stimmen im Gemeinderat hervorrief. Bert Nauschütz (SPD) konnte dem Ansinnen des Unternehmens viel Positives abgewinnen. Die Werbung sei lebhaft und nicht überzogen. Seiner Meinung nach sei der Bebauungsplan sowieso veraltet: „Die Zeiten haben sich geändert. Ich bin dafür, das Gewerbegebiet etwas farbiger zu machen.“ Auch Christine Squarra (Grüne) zeigte Verständnis für den Antrag. Als internationales Unternehmen sei es vielleicht notwendig, gerade für Zulieferer hinsichtlich der Auffindbarkeit auf sich aufmerksam zu machen. Max Demmel (PWH) erklärte, dass alle viel Wert darauf legen würden, Dorf zu sein. Mit der 4,80 auf 1,10 Meter großen Werbeanlage sei der Dorfcharakter aber dahin. Andreas Wolf (Grüne) fürchtete sogar: „Unser dörflicher Charakter wird amerikanisiert.“ Bürgermeister Hans Eichler (PWH) wies darauf hin, dass sich der Gemeinderat stets viel Mühe gegeben habe, Gewerbe zu ermöglichen und ins Bild der Ortes zu integrieren. Gewerbe müsse in die Gemeinde passen, „es darf uns nicht erschlagen“. Eine andere Werbemöglichkeit sei im konkreten Fall denkbar, wurde aber nicht beantragt. Der Antrag wurde vom Gemeinderat einstimmig abgelehnt.

Wolfgang J. Rotzsche

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