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Zu besonderen Veranstaltungen wird das Schloss Schleißheim festlich beleuchtet. Ansonsten sorgen kleine Lampen für die nötige Verkehrssicherheit.

An öffentlichen Gebäuden

Licht aus um 23 Uhr? Das hält der Landkreis vom neuen Gesetzesentwurf

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Ein Gesetzesentwurf der Staatsregierung sieht vor, die Beleuchtung an öffentlichen Gebäuden um 23 Uhr auszuschalten. Das hält man in Schlössern, Burgen und Kirchen im Landkreis davon 

Landkreis – Am Abend leuchtet sie über der Isar, die Burg Grünwald. In Aschheim sind die Segenskirche und die Kirche St. Peter und Paul schon von Weitem zu sehen. Auch das Neue Schloss Schleißheim ist ein echter Blickfang. Wird es dunkel, werden diese Gebäude mit Licht in Szene gesetzt. Doch damit könnte bald Schluss sein – zumindest mitten in der Nacht.

Die Bayerische Staatsregierung will die Beleuchtung von öffentlichen Gebäuden und Denkmälern regulieren. Spätestens um 23 Uhr soll das Licht bis zur Morgendämmerung abgeschaltet werden, so steht es im Gesetzesentwurf zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Mit der Maßnahme soll die Lichtverschmutzung reduziert werden, die den Biorhythmus von Menschen durcheinander bringen kann. Außerdem diene die Regelung dem Schutz von nachtaktiven Insekten.

Ein herber Schlag für den Verein „Freunde Grünwalds“ mag man meinen. Schließlich hat der Verein jahrelang darum gekämpft, die Burg beleuchten zu dürfen. Da die Burg in einem Naturschutzgebiet steht, in dem unter anderem Fledermäuse leben, müssen allerhand Auflagen und Bedingungen erfüllt werden. Seit 2013 leuchtet die Burg, und „wir sind da ganz vorne dabei“, sagt Thomas Lindbüchl, Vorsitzender der Freunde Grünwalds, angesprochen auf den Gesetzesentwurf. „Wir schalten die Lichter in der Nacht ab.“

An der Burg Grünwald geht die Beleuchtung um Mitternacht aus.

Im Sommer schalten sich die Lampen durch einen Tageslichtfühler erst nach 20 Uhr ein, im Winter etwa um 17 Uhr. Um Mitternacht endet das Lichtspiel. Das war eine der Auflagen. Eine weitere: Dass der Verein spezielle LEDs verwendet, deren Wärmestrahlen Insekten weder schädigen noch ihre Population beeinträchtigen. Doch nun soll die Burg bereits eine Stunde früher in die Nachtruhe versetzt werden. Für Lindbüchl kein Problem. „Ich kann dem Gesetzesentwurf nur zustimmen“, sagt er. „Es gibt Zeiten, in denen es schön ist, wenn die Burg beleuchtet ist, aber das muss ja nicht die ganze Nacht sein.“

Rund um die Uhr wird die Kirche St. Peter und Paul in Aschheim angestrahlt.

Die ganze Nacht angestrahlt werden dagegen die Segenskirche, die Kirche St. Peter und Paul und der Wasserturm in Aschheim. Die drei Gebäude seien mit der Straßenbeleuchtung gekoppelt, teilte die Gemeindeverwaltung mit. Bevor das Licht künftig früher ausgeschalten wird, will die Gemeinde abwarten, wie das Gesetz ausgestaltet wird.

Verzwickter ist die Situation am Schloss Schleißheim. Dort wird zwar nur das Neue Schloss beleuchtet, dafür teilweise länger, als es der Gesetzesentwurf vorsieht: morgens ganzjährlich von 5 bis 8.30 Uhr, abends im Sommer von 19 bis 1 Uhr, im Winter von 17 bis 23 Uhr.

Im Sommer schon um 23 Uhr das Licht ab- und morgens später einschalten, das sieht Paula Kleeberger, Vorsitzende der Schloss- und Gartenverwaltung Schleißheim, kritisch. „Das Licht ist wichtig, weil viele Menschen über den Schlossplatz mit dem Fahrrad nach München fahren. Abends sind vor allem im Sommer viele Leute noch spät unterwegs, etwa in der Schlosswirtschaft.“ Deshalb habe die Schlossverwaltung die Auflage, das Neue Schloss zu beleuchten. „Sonst haben wir hier eine Unfallgefahr, die wir nicht in den Griff bekommen können“, sagt Kleeberger.

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Sie hofft, dass die Zeiten nicht zu stark reglementiert werden. Außerdem bestehe durch die verwendeten Energiesparlampen keine Gefahr für Insekten. „Die sind von außen im einem Glasbehälter ummantelt. Der wird nicht heiß“, erklärt Kleeberger.

Die Meinung zum Gesetzesentwurf gehen im Landkreis auseinander. Thomas Lindbüchl von den Freunden Grünwalds wünscht sich sogar strengere Regeln: Auch Privatpersonen sollen auf die Lichtverschmutzung achten. „Viele lassen nachts die Lichter im Vorgarten brennen, um so Einbrecher abzuschrecken“, befindet er. Darauf ließe sich verzichten. Die privaten Haushalte sollten daher ebenfalls in die Pflicht genommen werden.

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ses

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