Neben den zahlreichen Chören trat auch die Jugendblaskapelle Grünwald in der Alten Turnhalle auf. foto: robert brouczek

Lieder gegen den Wetter-Frust

Grünwald - Sich auf den Flügeln des Gesangs davon tragen lassen: Was Heinrich Heine als Rezept gegen Griesgrämigkeit beschworen hatte, durften sich jetzt die Isartaler "verabreichen" lassen.

Wen immer Sorgen gelagt haben mögen oder der Frust über das schlechte Wetter mitten im Frühling nicht los ließ: Nach dem zweistündigen Abend waren sie wie weggewischt. Mit einem schönen, vielschichtigen und spritzigen Liederabend wartete der Isartaler Sängerkreis im Rahmen des traditionellen Kreis-Chorkonzert auf.

Wie die Bienen um die Blütenkelche summen, um sich am Nektar zu laben, so schwärmten die Sängergruppen aus der Region in der Alten Turnhalle zusammen, um an den Waben des bayerischen und internationalen Liedguts zu schlürfen. Gekommen waren der "Liederkranz Pullach", das Straßlacher Ensemble "Isarlust", die "Sangesfreunde Dingharting", die "Sängerzunft Wolfratshausen" und ihre Kollegen aus Deisenhofen, der "Schäftlarner Liederkranz", die "Sängerrunde Grünwald", der "Männerchor Arget Sauerlach" und der "Liederkranz" aus Unterhaching - alles zusammen eine geballte Hundertschaft an Sängerinnen und Sängern.

Wenn die Sonne draußen nicht scheint, muss man sie in die Herzen holen, sagt ein Sprichwort. Eben das tat der Männerchor aus Pullach, der mit sonoren Bassstimmen Einlass in das "Gärtelein" des Mädchens erbat, wo Blumen sprießen, die Insekten surren, und überhaupt die Unschuld wie im Paradies zu Hause ist. Es hatte etwas unfreiwillig Komisches, wie die stattliche, in Tracht gekleidete Mannschaft diesen zarten und glockhellen Hymnus anstimmte und dabei selbst so tief und bebend sang, als gelte es, im Hades sämtliche verlorene Seelen zusammenzutrommeln.

Es kann eben niemand so recht aus seiner Haut, was wohl auch die Dinghartinger wissen, die offensichtlich ein lustiges und äußerst experimentierfreudiges Völkchen sind. "Zuerst haben wir uns überlegt, ob wir das Stück überhaupt singen sollen, da es nichts hat, was ein Lied kennzeichnet", räumte Chorleiter Frieder Mößner freimütig ein. Doch da er mit dieser Ankündigung im voll besetzten Saal den Mund nun einmal wässrig gemacht hatte, musste auf das Wort die Tat folgen. Mit säuselnden, lispelnden und zischenden Lauten, eingespannt in ein Uhrwerk gnadenloser rhythmischer Präzision, ließ die Truppe sogleich den "Zug der Zeit" davonfahren - eine herrliche Persiflage des Komponisten Siegfried Rath, die in dadaistischer Manier das "Money-Money"-Gehabe aufs Korn nimmt und mehr Langsamkeit einfordert, wo die Welt im Turbogang des Kapitalismus zu versinken droht. Gibt es in Zeiten der Wirtschaftskrise etwas Aktuelleres? Das Publikum belohnte diese stürmische Zeitreise mit begeistertem Applaus.

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