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Jeden Morgen dasselbe: Gedränge am Bus der Linie 242 in Haar.

In Haar

Im Schulbus wiedie Ölsardinen

Schulbusfahren ist in Haar kein Vergnügen. Vor allem der 242er-Bus zur Konrad-Grundschule und zum Gymnasium ist morgens übervoll. Eine Gefahr für die Kinder, auf die eine Mutter aufmerksam gemacht hat bei der Bürgerversammlung. Jetzt soll ganz schnell alles anders werden.

Haar – Warten, drängeln, quetschen: Das ist für viele Buben und Mädchen aus den Haarer Ortsteilen Gronsdorf, Ottendichl und Salmdorf seit einiger Zeit Alltag am frühen Morgen. Auf dem Weg zur Grundschule und zum Gymnasium rangeln sie um Platz im Bus der Linie 242. Und wenn es ganz schlecht läuft, nimmt sie der Busfahrer gar nicht erst mit. Er schließt einfach die Tür. Er muss es tun, weil sich drinnen die Kinder kaum noch rühren können. Eine gefährliche Situation. Wie gefährlich, das weiß Claudia Herz. Sie lebt mit ihrer Familie in Ottendichl. Ihr achtjähriger Sohn besucht die zweite Klasse der Konrad-Schule. Er fährt nicht mehr mit dem 242er, der ist ihm zu voll, sondern steigt lieber in den Bus 285. „Es ist wirklich schlimm, die Kinder stehen sogar ganz vorne beim Busfahrer an der Frontscheibe“, sagt Herz. Sie hatte bei der Bürgerversammlung am Mittwoch auf das Problem hingewiesen. Und auch moniert, dass sie seit einer Woche auf Antwort aus dem Rathaus warte, wohin sie sich schriftlich gewandt habe, sowohl an Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) als auch an deren Stellvertreterin, die Zweite Bürgermeisterin Katharina Dworzak (SPD). Nun muss man wissen, dass zwar die Kommunen ihren Bedarf an Buslinien mitteilen, letztlich aber das Landratsamt, nach einer EU-weiten Ausschreibung durch den MVV für alle acht Verbundlandkreise, das Busnetz knüpft – und auch finanziert. Und so war es der stellvertretende Landrat Ernst Weidenbusch (CSU), selbst Haarer und in Vertretung für Landrat Christoph Göbel (CSU) Gast bei der Bürgerversammlung, der sich gleich der Sache annahm. Gestern Morgen schon stieg er an der Haltestelle Andreas-Kasperbauer-Straße in Ottendichl ein, drängte sich zu den Schulkindern – und war entsetzt. „Der Bus war schon an der ersten Haltestelle knallvoll und an der zweiten ging dann gar nichts mehr“, sagte er hinterher. Deshalb sei der Busfahrer durchgefahren, ohne noch einmal anzuhalten. Ähnlich sei es mit dem Verstärker-Bus gewesen. Für Weidenbusch untragbar, zumal die Busse auf ihrem Weg zu den Schulen zwei Kreisel durchfahren müssen. „Da haut’s die Kinder umeinander. Das geht gar nicht.“ Nach einem Gespräch mit Landrat Göbel soll nun ab dem kommenden Montag ein zweiter Verstärker-Bus auf der Linie 242 für Entlastung sorgen, teilte Weidenbusch mit. Eine Woche lang will das Landratsamt dann beobachten, ob das ausreicht. Wenn nicht, sagte Weidenbusch, sei über einen dritten Verstärker-Bus nachzudenken. Für Claudia Herz aus Ottendichl eine gute Nachricht. Sie sagt: „Ich bin Herrn Weidenbusch wirklich dankbar. Er ist der einzige, den das Problem interessiert, der überhaupt zuhört und nicht nur von Fahrgastzahlen spricht.“ Fahrgastzahlen? Die belegen laut MVV, dass es nicht wirklich ein Problem gibt mit dem Bus 242. Der Bus und sein Verstärker seien „gut ausgelastet, aber nicht voll“, teilt eine Sprecherin mit. Eng werde es nur, weil die Kinder ihre Schultaschen auf den Boden werfen würden und an den Türen stehen blieben, anstatt weiterzurücken. Bedarf, etwas zu verändern, bestehe daher nicht. Eine merkwürdige Situation. Und es mag diese unterschiedliche Wahrnehmung der Beteiligten sein, die eine Lösung bisher verhindert hat. Denn dass die Linie 242 morgens überlastet ist, weiß man auch im Rathaus Haar. Beschwerden gibt es schon länger. Richtig schwierig ist es aber seit Beginn des neuen Schuljahres im September. Damals musste der Schulsprengel geändert werden, weil in der Konrad-Schule kein Platz mehr war für die Erstklässler aus Gronsdorf. Sie müssen jetzt in der Jagdfeld-Schule lernen – und fahren ebenfalls mit dem 242er-Bus. Warten, drängeln, quetschen ist seither morgens die erste Lektion der Schulkinder. Ab kommenden Montag soll es anders werden. Eile jedenfalls ist geboten, denn genau an diesem Montag droht auf dem Weg aus den Ortsteilen zu den Schulen neuer Ungemach: Der Bus 285 hält nicht mehr am Gymnasium, sondern am Bahnhof. Wer will, kann von zwar dort umsteigen, um zum Gymnasium gefahren zu werden. Muss aber dafür den Bus 242 nutze.

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