Die Gastgeber: Der Gebirgstrachtenerhaltungsverein „Schloßbergler Harmating“ veranstaltet heuer das 86. Loisachgaufest. Insgesamt werden 3000 Trachtler erwartet. foto: fkn

Loisachgaufest: Klein, gemütlich, rauschend

Landkreis/Egling - Es ist eines der größten Trachtenfeste Bayerns: Der Gebirgstrachtenerhaltungsverein „Schloßbergler Harmating" richtet vom 6. bis zum 14. Juli das 86. Loisachgaufest aus. Mit dabei sind auch eine Reihe Trachtenvereine aus dem Landkreis München.

Das Gaufest der oberbayerischen Gebirgstrachtenerhaltungsvereine zählt zu den größten Trachtenfesten in Bayern. Im vergangenen Jahr hatten es die Tölzer richtig krachen lassen: Mit eigenem Plattler und extra komponierter Musik zogen sie die Massen an und setzten ein dickes Ausreufezeichen unter die Tradition hierzulande. Beim diesjährigen Loisachgaufest wird es anders: Kleiner, vielleicht gemütlicher, aber trotzdem mit allen Zutaten für eine rauschende Festwoche.

Den Zuschlag für das diesjährige, 86. Loisachgaufest haben die Harmatinger Trachtler bekommen. Gefeiert wird allerdings in Moosham. Aus gutem Grund: Zwar ist Harmating ein äußerst schöner, aber eben auch sehr kleiner Weiler in der Gemeinde Egling. Und weil die meisten der rund 220 Mitglieder ohnehin im benachbarten Moosham wohnen, werden die Feierlichkeiten einfach dort abgehalten.

Schätzungsweise 3000 Trachtler aus 36 Vereinen werden dazu erwartet, drei bis vier Dutzend Blaskapellen dazu und Tausende von Zuschauern. Für die Massen hat der Trachtenverein ein 75 Meter langes Festzelt geordert, das an der Verbindungsstraße zwischen Moosham und Feldkirchen stehen wird. Das Gaufest ist den Trachtlern auch deshalb so wichtig, weil es eine der wichtigsten Aufgaben der Trachtenvereine ist, Werte, Traditionen und Brauchtum an die Jugend weiterzugeben.

Die meisten Trachtenvereine sind einst aus Burschenvereinen hervorgegangen. So war es auch mit dem Gebirgstrachtenerhaltungsverein „Schloßbergler“ Harmating. Schon in den Jahren 1919 bis 1921 wollten einige Knechte einen Trachtenverein mit dem Namen „Trockentaler Reichertshausen“ ins Leben rufen. Damals scheiterte das Vorhaben aber noch am Geld. Dann, 1930, taten sich schließlich etliche Burschen zusammen, um im Feldkirchner Gasthaus das Plattln zu lernen.

Doch schnell kam es zu Auseinandersetzungen mit dem Motorsportverein „Frei Weg“, der ebenfalls in Feldkirchen sein Vereinslokal hatte. Um den Querelen ein Ende zu setzen, trafen sich die Burschen schließlich am 27. September 1930 lieber in Harmating und gründeten dort die „Schuhplattlergruppe Moosham“. In der ersten Quartalsversammlung wurde wiederum der Name geändert. Somit war die „Plattlergruppe Schloßbergler Harmating“ geboren, und am 12. April 1932 wurde schließlich aus der Plattlergruppe ein Trachtenverein.

Um die Vereinskasse aufzubessern, begannen die aktiven Mitglieder, Theater zu spielen. Dazu kauften sie die alte Thanninger Bühne, und der alte Weihermüller richtete sie wieder her. 1933 einigten sich die Mitglieder darauf, eine Fahne anzuschaffen. Allerdings hielt der damalige Pfarrer von Thanning nichts von der Trachtensache und lehnte die Weihe ab. Zum Glück war in Harmating ein Benifiziat, das im Ordinariat in München eine Genehmigung einholte.

Die Chronik berichtet zur Fahnenweihe: „Den ganzen Mai regnete es fast jeden Tag. Trotzdem wurde mit großem Eifer für die Fahnenweihe gerüstet. Am Samstag lüftete sich der Wolkenhimmel. Am Sonntag krachten die Böllerschüsse unter blauem Himmel und die Besucher strömten in großer Zahl herbei.“

Der Zweite Weltkrieg allerdings brachte ein jähes Ende. Sechs Mitglieder verloren die Schloßbergler im Krieg. Erst 1945 holte Franz Thalhammer die Genehmigung der Militärregierung ein und die Schloßbergler erwachten wieder zu neuem Leben.

Doch interne Auseinandersetzungen und geburtenschwache Jahrgänge belasteten den Verein. Der große Aufschwung kam erst wieder mit dem Gaufest 1963. Mit dem Fest begann auch die Blütezeit der Schloßbergler, die bis heute anhält: Seither sammelten sie zahlreiche Meistpreise.

Das heurige Gaufest findet genau 50 Jahre nach dem ersten, so erfolgreichen Gaufest stattfindet. Mit einem bunten und vielseitigen Programm für Jedermann wecken die „Schloßbergler“ die Neugier auf das Fest im Sommer.

von Claudia Koestler

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