Unter militärischen Luftfahrtexperten hat der Standort Taufkirchen Ottobrunn einen guten Ruf: Unser Bild aus dem Jahr 2008 zeigt Offiziere aus Russland und von der NATO, die bei IABG im „virtuellen Raum“ des sogenannten Coordination Center trainieren. Foto: Robert Brouczek

Luftfahrt-Uni soll weltweit Aufsehen erregen

Taufkirchen - Das lange Suchen, was aus dem ehemaligen Eurocopter-Gelände von EADS in Taufkirchen wird, kann schon bald ein Ende haben.

Das Bayerische Kabinett hat vor kurzem beschlossen, dass hier für 20 Millionen Euro ein Campus für Luft- und Raumfahrt entstehen soll (wir berichteten). Ein gigantisches Projekt mit weltweitem Potenzial.

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass die CSU-Landtagsabgeordneten Kerstin Schreyer-Stäblein und Markus Blume sowie CSU-Bundestagsabgeordneter Florian Hahn den Gedanken gefasst hatten, auf dem ehemaligen Eurocopter-Gelände ein Zentrum zu schaffen, das Hochschule, Forschung und die bayerische Luft- und Raumfahrtindustrie miteinander verbindet. „Wir haben gesehen, dass EADS, IABG und TU München an vielen ähnlichen Projekten arbeiten, aber untereinander nicht vernetzt sind“, sagt Schreyer Stäblein. Bei ersten Gesprächen seien Unternehmen und Hochschule sofort angetan gewesen von dem Gedanken. Mittlerweile sitzen auch die Bundeswehr-Uni Neubiberg, das Bauhaus Luftfahrt und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt als Partner mit im Boot.

Bei einer Klausurtagung hat das Bayerische Kabinett dem Projekt bereits zugestimmt. „Von Ministerpräsident Horst Seehofer und der Staatskanzlei gab es auch nur positive Rückmeldungen“, bestätigt Schreyer-Stäblein. Staatskanzleiminister Thomas Kreuzer machte das Vorhaben zum „Bavarian International Campus Aerospace und Security“ in der jüngsten Sitzung des Plenums erstmals offiziell. Nun liegt es in den Händen des Landtags, im Dezember die benötigten 20 Millionen Euro im Haushalt zu beschließen. Schreyer-Stäblein ist sich sicher, dass dies nur eine Frage der Formalität ist: „Der Campus wird kommen.“

Vom Millionen-Projekt vor den Toren Ottobrunns erhoffen sich Politiker und Beteiligte europa-, wenn nicht sogar weltweites Aufsehen. Nicht nur in der Forschung sollen hier dank der Vernetzung Spitzenkräfte heranwachsen. „Auch 400 Firmen würden allein bayernweit von diesem Projekt profitieren“, ist sich Schreyer-Stäblein sicher, die von einer „gigantischen Geschichte“ spricht.

Ebenso „riesengroß“ ist die Freude bei Taufkirchens Bürgermeister Jörg Pötke, der schon ungeahnte Möglichkeiten auf seine Gemeinde zukommen sieht. Er selbst habe das Projekt damals mit in die Wege geleitet und Stillschweigen bewahrt: „Erst mussten die Interessenten und konkrete Ideen für die Organisation da sein.“ Eine schnelle Nachfolgenutzung für das Gelände sei das Beste, was der Gemeinde passieren könne: „Wenn das noch zehn Jahre stillliegt, würde sich sicher niemand mehr an Taufkirchen als Technologiestandort erinnern.“ Nirgendwo sind nach Pötkes Ansicht die Voraussetzungen für eine Luftfahrt-Uni so gut wie hier. „Wenn wir schon kein Gymnasium haben, dann bekommen wir jetzt vielleicht eine Uni und ein besseres Nahverkehrsnetz“, frohlockt Pötke und sieht vor seinem geistigen Auge schon die U-Bahn in Taufkirchen einfahren.

Patricia Kania

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