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Gunnar Wirries hat es schon immer gewusst: Es muss ein 356er-Porsche sein. In schwarz, so wie ihn James Dean gefahren hat. Dieser hier ist Baujahr 1959

Oberschleißheimer Autocorso

Männer mit ihren fahrenden Raritäten

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Oberschleißheim - Die Ausfahrt von Old- und Youngtimern bildet den Höhepunkt im Programm zum Oberschleißheimer Volksfest. Bei Kaiserwetter kurvte Corso von der Flugwerft zum Volksfestplatz.

 Organisiert haben die Veranstaltung die Königlich Bayerischen Oldtimerfreunde Schleißheim. Immer mehr Autos und ein paar Zweiräder reihen sich ein in die Schlange der Oldtimer, die an der Flugwerft darauf warten, dass Rudolf Batzer (74) das Startzeichen gibt.

Rudolf Batzer fährt eher gediegen in seinem schwarz-roten DKW aus dem Jahr 1937.

Traditionell führen er und sein schwarz-roter DKW, Baujahr 1937, den Corso an. „Meisterklasse“ sagt der frühere Gemeinderat gerne, wenn die Blicke auf seinen Oldtimer fallen. Batzer und der noch mit Holztüren ausgestattete DKW mit den rotkarierten Bezügen gehören dazu. Zu sehen gab es aber auch einiges Neues. Den auffälligen schwarzen Porsche etwa, den Gunnar Wirries lenkt. Wirries und sein Wagen, beide Baujahr 1959, sind aus Unterschleißheim. Im Verein der Oldtimerfreunde sieht man sich als Familie. „Ob Auto oder Moped“, skizziert Wirries die Bedingungen einer Mitgliedschaft, so wie er sie interpretiert: „Hauptsache alt und viel Spaß daran.“ Schon als Bub wollte er nur dieses eine Auto fahren. „Ich habe immer gesagt: Wenn ich groß bin, kaufe ich den.“ Was den Wagen betrifft, ist Gunnar Wirries am Ziel seiner Träume angelangt. Und vermutlich deshalb unterlässt er es nicht, jeden darauf hinzuweisen, einen 356er sein Eigen zu nennen. „356 ist wichtig“, findet er: „Das ist ein echter James Dean.“Dass das Idol sein Leben in einem 550 Spyder verlor, ist nicht wirklich von Bedeutung. Immerhin hatte der am 30. September 1955 tödlich verunglückte Dean sein voriges Automobil für den Spyder in Zahlung gegeben – und das war ein 356er.

Und mit 29 Jahren beinahe noch ein Baby unter den Oldtimern, also ein sogenannter Youngtimer, ist der 7er-BMW, den Alexander Lohmann fährt

 Alexander Lohmann (30), ebenfalls neu dabei beim Corso in Oberschleißheim, fasziniert die Aura von jugendlicher Rebellion in einem Oldtimer. Der Ingenieur weiß von Legenden, wonach jeder, der Teile des geschrotteten Dean-Porsches kaufte, ein ähnlich schmerzhaftes Schicksal erlitt. Er selbst ist mit einem 7er-BMW angereist; der ist 29 Jahre alt und damit nicht nur ein Jahr jünger als sein Fahrer. Dem blauen BMW fehlt exakt ein Jahr, um als Oldtimer durchzugehen. Seit dem 20. Geburtstag immerhin gilt der Baby-Oldtimer als Youngtimer, darf sich dem Oberschleißheimer Corso somit anschließen. „Das gilt natürlich bloß für erhaltungswürdige Autos“, sagt Lohmann.

Mit seinem NSU-Roller, gebaut 1959, hat es Max Tieschky immerhin bis nach Schweden geschafft. 

 Max Tieschky (78), ein pensionierter Lehrer, begeistert, dass der Porsche und sein NSU-Roller 1959 vom Band gelaufen sind. Seitdem haben der Oberschleißheimer und sein himmelblauer Feuerstuhl so einiges an Kilometern abgerissen. „Schau her“, ruft der agile Pensionär und deutet auf einen Aufkleber: „Schweden!“ 1960, als junger Spund, ist Max Tieschky mit der NSU von Italien bis rauf nach Schweden gezockelt. Rund zwei Dutzend Old- und Youngtimer haben sich schließlich hinter dem schwarz-roten DKW Meisterklasse eingereiht. Rudolf Batzer schwingt sich auf das rotkarierte Polster hinter der mit Kunststoff bezogenen Tür aus Sperrholz und gibt behutsam Gas. „197“ ruft er noch. So viel – oder so wenig – kostet ein Oldtimer an Kfz-Steuer im Jahr. „Mit einem Fiat muss ich da nicht rummachen“, scherzt er.

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