Ins Gesicht geschrieben steht Luis Stitzinger (l.) und Alix von Melle die Anstrengung beim Anstieg zum Makalu.

Makalu-Expedition endet mit Teilerfolg am fünfthöchsten Berg der Welt

Höhenkirchen - Letztlich hat nur ein Teilnehmer der elfköpfigen Expeditionsgruppe unter Leitung von Bergführer Luis Stitzinger aus Höhenkirchen des Gipfel des Makalu (8485 Meter) erreicht.

Eine der wichtigsten Grundregeln beim Bergsteigen lautet: Zu einer erfolgreichen Tour gehört nicht nur der Auf-, sondern auch der Abstieg. Das bedeutet, im Zweifel zu erkennen, ob und wann man umkehren muss. Eine Erfahrung, die das Höhenkirchner Bergsteiger-Paar Luis Stitzinger (41) und Alix von Melle (38) am 8485 Meter hohen Makalu in Nepal machten. Nach widrigem Wetter in den ersten Wochen der Expedition (wir berichteten) mussten die meisten Teilnehmer auf Zeitgründen letztlich unverrichteter Dinge abreisen. Nur Stitzinger, von Melle sowie Josef Lunger harrten länger aus und unternahmen zwei Versuche, den fünfthöchsten Berg der Welt zu besteigen. Allein Lunger erreichte am 25. Mai zur Mittagszeit den Gipfel - der Höhenkirchner Expeditionsleiter und seine Lebensgefährtin indes mussten vorher aufgrund von Problemen mit der extremen Kälte (minus 45 Grad beim nächtlichen Aufbruch) und der Atmung in rund 8000 Metern Höhe aufgeben.

Stitzinger wertet dies trotzdem als Teilerfolg: „Wir dürfen dem Berg nicht als Fordernde begegnen, sondern müssen für jede Kleinigkeit dankbar sein, die er uns gewährt. Insofern ist auch das Scheitern nicht die Antithese des Erfolgs, sondern sogar seine Voraussetzung“, so der Höhenkirchner. Nur durch wiederholtes kritisches Infragestellen der eigenen Situationen sei es gelungen, „dieses Abenteuer sicher und erfolgreich zu bestehen“. Und einen neuerlichen Anlauf am Makalu mag er nicht ausschließen: „Es ist ein faszinierender Berg mit klaren Linien, sicherlich mit der formschönste Achttausender überhaupt - er wäre auf jeden Fall einen zweiten Besuch wert!“

Nach einem missglückten Gipfelversuch zwischen dem 13. und 15. Mai zeichnete sich gut eine Woche später nochmals ein Schönwetterfenster ab. In 7800 Metern Höhe errichteten Stitzinger, von Melle und Lunger ihr Lager C 4, brachen am 24. Mai zur Gipfeletappe auf - und den Vorstoß wegen starken Schneefalls wieder ab. Tags darauf: die letzte Chance. Während Lunger, eine halbe Stunde früher aufgebrochen, den Anschluss an eine andere Gruppe schaffte und mit ihr auf den Gipfel gelangte, mussten die beiden Höhenkirchner schweren Herzens umdrehen: ein Sieg der Vernunft.

Lunger musste derweil im Abstieg eine in Not geratene Britin, die besinnungslos am Ausstieg des French Couloirs lag, retten und ins Hochlager geleiten. Ein griechischer Bergsteiger dieser Gruppe war zuvor schon am Gipfelgrat verschwunden - er gilt bis heute als verschollen. Martin Becker

Expeditionstagebuch

www.goclimbamountain.de

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