Ein Mann, drei Jobs

- Landkreis - Über eines braucht sich der hiesige CSU-Abgeordnete Ernst Weidenbusch derzeit nicht beklagen: Mangelndes Interesse der Medien. Mit der Schlagzeile "Wirbel um Stoibers Fürsprecher" zielte gestern eine Münchner Boulevardzeitung auf den Haarer: Der Rechtsanwalt nutze angeblich seine Aufwandsentschädigungen als Abgeordneter, um sechs Zimmer in seiner Kanzlei und seine Sekretärin mitzufinanzieren. <BR>

<P>Außerdem wirft das Blatt Weidenbusch Mauschelei vor: Weidenbusch ist er Syndikus der Lotto-Toto-Vertriebsgemeinschaft Bayern, womit er monatlich 3 000 Euro als Nebenjob zur Abgeordnetendiät von 6 092 Euro hinzu verdient.<P><P>Ein Job, den zwei Jahrzehnte zuvor auch Edmund Stoiber innehatte, den Weidenbusch jüngst so heftig gegen innerparteiliche Kritiker verteidigt hat. Hat es hier vielleicht Hilfe bei der Jobsuche von Stoiber gegeben, suggeriert das Blatt zwischen den Zeilen.<P>Weidenbusch stellt gegenüber dem Münchner Merkur klar: "Ich verquicke weder Mandat mit Beruf, noch rechne ich unkorrekt ab. Das ist dieser Boulevardzeitung auch bekannt gewesen."<P>Für Irritationen hatte die im Internetauftritt des Landtages veröffentlichte Telefonnummer des Abgeordneten geführt. Weidenbusch: "Dort ist mit 99 27 56-0 die Nummer der Kanzlei fälschlicherweise veröffentlicht. Das Bürgerbüro hat aber die Nummer 99 27 56-21. Dass die falsche Nummer im Internet steht, wusste ich nicht. Das habe ich sofort ändern lassen."<P>Falsche Nummer: Bürger riefen in der Kanzlei an <P>Die Unterstellung, er nutze seine monatliche Aufwandsentschädigung von 2818 Euro steuerfrei zur Finanzierung seiner Kanzlei, sei falsch: Zum einen zahle er als Anwalt die Mietkosten für die 220 Quadratmeter in Kirchheim. Zum anderen buche sein Steuerberater die anteiligen Miet- und Telefonkosten für das Abgeordnetenbüro als Einnahme am Ende des Jahres dagegen. Für eine Vollzeitsekräterin bekommt jeder Abgeordnete 3194 Euro. Sollte seine Mitarbeiterin Susanne B. außerdem für das Rechtsanwaltsbüro tätig sein, rechne er diese Arbeitsstunden genau mit dem Landtag ab.<P>Das wäre grundsätzlich ein erlaubtes und damit korrektes Verfahren, urteilt Weidenbuschs Kreistagskollegin und ehemalige Grüne Landtagsabgeordnete, Rechtsanwältin Susanna Tausendfreund aus Pullach: "Aber, ob das alles genau verbucht wird, ist halt schwer zu kontrollieren. Deshalb hatte ich damals in meinem Rechtsanwaltsbüro keine Landtagsmitarbeiterin beschäftigt."<P>Fast lachen muss Weidenbusch über den versteckten Vorwurf der Zeitung, Stoiber habe etwas zu tun mit seiner Berufung als Syndikus der Lotto-Toto-Gesellschaft: "Ich bin durch mehrere Berufungsverfahren gegangen. Einmal prüfte mich der fünfköpfige engere Vorstand, dann der wohl um die 20 Personen umfassende Gesamtvorstand. Viele Gespräche wurden mit mir geführt, bevor die Entscheidung für mich fiel. Worüber ich mich sehr gefreut habe. Ich bezweifle, dass Stoiber meinen Namen überhaupt schon kannte, als das damals lief."<P>Ein Problem wäre diese Nebentätigkeit, so Tausendfreund, wenn Weidenbusch die Monatspauschale ohne Gegenleistung erhalte. Wieder lacht der CSUler: "Der Ordner mit den von mir für die Gesellschaft verfassten Schriftsätzen ist gut gefüllt. Es gibt kein Gutachten, keine Vorstandssitzung ohne mich. Um es klar zu sagen: Mein Honorar muss ich, wie bei jedem Mandat durch Arbeit verdienen. Ich werde außerdem nach Arbeitsanfall bezahlt."<P>"Viel arbeiten muss man da schon", Ernst Weidenbusch. <P>Bleibt für Tausendfreund die Frage, wie man als Abgeordneter mit Herzblut noch Zeit findet, eine Kanzlei hauptamtlich zu führen und noch einer Nebentätigkeit als Syndikus nachzugehen: "Ich habe meine Anwaltstätigkeit damals zurückgeschraubt und extra eine Anwältin eingestellt. Wie will man sonst zu 150 Prozent für den Landtag und die Abgeordnetenarbeit da sein?" - "Ja, viel arbeiten muss man dann schon", lautet die knappe Antwort des neuen CSU-"Medienstars" Ernst Weidenbusch.<P>A. Ganssmüller-Maluche <P>

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