Die Mariensäule in Aying – hier eine Aufnahme von der 150-Jahr-Feier des Veteranenvereins im Jahr 1936. Foto: KN

Mariensäule erinnert die Ayinger an eine Nacht ohne Strom

Aying / Höhenkirchen - Eine nicht einfach zu findende Säule erinnert an einen kurioser Unfall, der sich vor genau 100 Jahren zwischen Dürrnhaar und Höhenkirchen ereignet hat.

Am Pfingstmontag, 5. Juni 1911, feierte der Ayinger Veteranen- und Kriegerverein sein 125-jähriges Bestehen. Zu diesem Jubiläum war auch Prinz Heinrich von Bayern eingeladen und gekommen. Auf der Heimfahrt verunglückte das Fahrzeug mit dem Prinzen auf der damals noch nicht ausgebauten Schotterstraße, der heutigen Staatsstraße 2078. Gegen 17.30 Uhr wollte das prinzliche Automobil ein anderes überholen, das einem Arzt aus Berg am Laim gehörte und vom Sohn des Arztes gelenkt worden ist. Der Chauffeur von Prinz Heinrich gab zwar wiederholt Hupsignale, aber das andere Auto wich nicht aus, sodass der Wagen des Wittelsbachers ganz an den Straßenrand fahren musste. Die Räder glitten in den Straßengraben und das prinzliche Automobil fuhr an den Mast einer Hochspannungsleitung - Aying war damals gerade elektrifiziert worden.

Durch den Zusammenstoß muss wohl der Mast so sehr in Mitleidenschaft gezogen worden sein, dass Aying eine Nacht ohne Strom auskommen musste - gut, wer noch über eine Petroleumlampe verfügte.

Dem Prinzen ist nichts passiert, das Automobil jedoch hatte einen eingedrückten Kühler und eine verbogene Achse. Interessant ist dieser Unfall allein schon deshalb, weil um 1911 sicherlich nicht viele Menschen ein Auto gehabt haben dürfen.

Aus Dankbarkeit ließ Prinz Heinrich an der Unfallstelle einen Votivstein errichten, der noch im selben Jahr - am 18. Oktober - in Gegenwart des Prinzen und seiner Mutter durch den Hohenbrunner Pfarrer Johann Wenk geweiht wurde. Das Flurdenkmal hat eine lichte Höhe von zwei Metern. In der oberen Nische befindet sich das 1983 neu geschaffene Tonrelief Madonna mit dem Kind, darunter der Text „Großer Gott, wir loben dich“ sowie das Datum 5.6.1911. Im Sockel steht in einer weiteren Nische der heilige Christophorus, der Schutzpatron der Reisenden, der noch im Original erhalten ist.

Heutzutage die Mariensäule zu finden, die unter Denkmalschutz steht, ist gar nicht einfach, weil sie vom Straßenbauamt an den unteren Waldrand versetzt worden ist. Hier steht sie seit 1983 unterhalb der Westseite der Staatsstraße, von vielen Vorbeifahrenden unbeachtet.

Übrigens: Eine Tante von Prinz Heinrich war Prinzessin Therese von Bayern, Tochter des Prinzregenten Luitpold. Sie soll Namensgeberin des neuen Gymnasiums in Höhenkirchen-Siegertsbrunn werden. Und der Veteranenjahrtag in Aying steht auch bald an - am Pfingstmontag, 13. Juni.

Wolfgang Rotzsche

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