Die „Menlo Towers“ am Edison-Park in der Computersimulation.

Bei Bürgerversammlung: Massiver Widerstand gegen Hochhausprojekte

Unterschleißheim - Die Unterschleißheimer lehnen die geplanten Hochhäuser im Gewerbegebiet ab. Massiv protestierten die Besucher der Bürgerversammlung gegen die „Menlo Towers" und das „Munich Metro Hotel". Es läuft wohl auf einen Bürgerentscheid hinaus.

Birgit Annecke-Patsch will einen Bürgerentscheid.

Birgit Annecke-Patsch stellte schließlich den Antrag, dass der Stadtrat mit einem Ratsbegehren die Bürger entscheiden lassen soll über eine Begrenzung der Bauhöhen auf 45 Meter. Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit und tosendem Applaus verabschiedet.

Bürgermeister Rolf Zeitler hatte vorher in seinem Vortrag für die „Menlo Towers“ von Investor Manfred Graf neben dem Edison Park geworben. Er erklärte, dass der bestehende Büropark „eine kleine Brutstätte größerer Firmen“ sei. So konnte Microsoft schrittweise wachsen und nun passiere Ähnliches bei der Firma Baxter. Erweiterungsflächen einen nötig - die könnten in den beiden Türmen, 98 und 53 Meter hoch, entstehen.

Dirk Obry findet Hochhäuser nicht markant.

Planer Johannes Dragomir widmete sich dem Hotelprojekt beim S-Bahnhof Lohhof. Dort an der Carl-von-Linde-Straße will ein japanischer Investor für 130 Millionen Euro zwei mindestens 75 Meter hohe Hoteltürme mit 868 Zimmern bauen (wir berichteten). Das bisher höchste Gebäude in Unterschleißheim steht an der Siriusstraße, ein 41 Meter hoher Wohnblock. Dragomir beschrieb die bisherige Situation im Gewerbegebiet als „ein Arbeitsumfeld mit geringer Qualität“. Dies könne geändert werden mit der Nachverdichtung und die sollte auch durch begrenzte Flächen mit Hochhäusern erfolgen. Derartige Türme, von der Autobahn aus zu sehen, seien ein Erkennungsmerkmal und positiv für den Standort. Er legte unter großem Raunen der rund 200 Besucher einen Plan vor mit vier Hochhäusern entlang der S-Bahn, die eine Linie durch die Stadt bilden sollten.

Johanna Lipus spricht von „Wahnsinn“.

Ulrich Starke rechnete der Stadt und den Planern vor, dass das Hotelhochhaus 205 Prozent größer werden soll, als es der Bebauungsplan vorsieht. Bürgermeister Zeitler entgegnete darauf: „Wenn wir vier Türme mit je 40 Metern bauen, haben wir den gleichen Verkehr, aber keinen Investor.“ Heide Kraus-Preiss wünschte, dass die Bauherren mit einem Kran und einem Ballon zeigen, welche Dimensionen die Hochhäuser haben. Martin Kluge fragte nach den Auswirkungen auf Ballhausforum und Dolce-Hotel. Zeitler erwiderte, dass die Auslastung des Ballhausforums besser sei als ursprünglich gedacht. Er verspricht sich von einem Konkurrenzkampf großer Hotels die Belebung des Geschäftes und vor allem eine Aufwertung des Standortes.

Ulrich Starke stört sich an der Baudichte.

Johanna Lipus fragte ganz direkt: „Herr Zeitler, warum halten Sie an dem Wahnsinn fest, obwohl alle Bürger dagegen sind?“ Sie sprach damit dem Großteil der Besucher der Bürgerversammlung aus dem Herzen. Zeitler entgegnete, dass der Wohlstand in der Stadt auch seinen Preis habe. „Microsoft und Baxter sind nicht von Gott gegeben“, sagte er. Nur über gute Strukturen sei es gelungen, Microsoft dauerhaft nördlich von München zu halten.

Modell des 886-Zimmer-Hotels am Bahnhof Lohhof. Ein japanischer Investor will 130 Millionen Euro hineinstecken.

Dirk Obry fand die Argumente der Planer, die großen Gebäude gäben Unterschleißheim ein Gesicht, schlichtweg: „Lächerlich: Ich bin schon an Millionen Gewerbegebieten vorbei gefahren und sagte nie, dass das mit den Hochhäusern eine supergeile Stadt ist.“

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