Bundesvorsitzender will Ausbildung von Lehrern verbessern

„Mathematik ist Philosophie“

Neubiberg - Der Neubiberger Professor Karlhorst Meyer hält das Abiturfach "Mathematik" in den Gymnasien für unzureichend vermittelt.

Seitdem alle Gymnasiasten im Fach Mathematik Abitur schreiben müssen, hagelt es Proteste: Das Fach sei zu schwer, zu trocken, für manche Schüler einfach nicht zu verstehen. Karlhorst Meyer aus Neubiberg widerspricht dem. Er ist Bundesvorsitzender des Vereins für Mathematikbegabte und sagt: Dass viele Schüler Mathe nicht mögen, liegt nicht an ihnen selbst und auch nicht am Fach – sondern an der Lehre.

„Mathematik ist Philosophie und weltumspannende Sprache zugleich“, schwärmt Meyer, der wusste, dass er Mathematiker werden will, seitdem er 13 war. „Es gibt nichts in unserer realen Welt, was man nicht durch Mathematik ausdrücken könnte“, fährt er fort, und seine blauen Augen funkeln aufgeregt hinter der silbernen Brillenfassung. Meyer ist so von Mathematik begeistert, dass er vor 30 Jahren mit anderen Gymnasiallehrerin und Uni-Professoren einen Verein zur Förderung von Mathematikbegabten gegründet hat. Mission ist es, die Ausbildung von Gymnasiallehrern zu verbessern und so zu erreichen, dass bayerische Gymnasiasten mehr von Mathe verstehen. Denn: „Für unsere heutige Berufswelt brauchen wir 30 Prozent eines Jahrgangs, der fit darin ist.“

Der ehemalige Universitätsprofessor gerät ins Schwärmen, wenn er von Zahlen und Gleichungen spricht, von Logarithmen und Geometrie. So einer muss sich die Frage gefallen lassen: Wenn Mathe so einzigartig und spannend ist – warum finden so viele Schüler das Fach langweilig und weltfremd? „Die Lehrer sind schuld!“, ruft der Pensionär, der selbst über 25 Jahre in Starnberg und München unterrichtete. Lehrer, die seit 15 Jahren die gleichen Folien verwenden. Die sich privat nie mit einer kniffligen mathematischen Aufgabe beschäftigen.

Das Geheimnis guten Mathematikunterrichts ist laut Meyer dagegen: null Vorbereitung. So handhabte es damals sein eigener Mathelehrer – sein großes Vorbild –, und so hielt es auch er selbst, als er noch Lehrer war. „Wenn man nicht vorbereitet ist, ist man gezwungen, es immer wieder neu und anders zu erklären“, erklärt er. Mit Beispielen aus Praxis und Industrie – bis es auch der Allerletzte verstanden hat.

Damit sich die Lehre an Gymnasien verbessert, trifft er sich mit Ministerialbeamten und Bildungspolitikern, organisiert unermüdlich Fachtagungen und Lehrerfortbildungen und publiziert die Zeitschrift „Mathematikinformation“. Manches hat er schon mit angestoßen, zum Beispiel dass der Unterricht teils nach guten und schlechteren Schülern differenziert wird.

Eigentlich will Karlhorst Meyer aber nur eines: aufhören. Vorletztes Jahr gab er den Vereinsvorsitz schon einmal ab, kehrte dann aber mangels Nachfolger wieder zurück. 2011 soll aber endgültig Schluss sein. „Es gibt nichts, was ich mir mehr wünsche“, sagt Meyer voller Inbrunst. „Denn ich habe noch einige Probleme zu lösen. “ Mathematische natürlich.

VHS-Kurs

Ab dem kommenden Sommersemester bietet Karlhorst Mayer an der Vhs Südost einen Kurs an, der sich an Gymnasiasten ab der zehnten Klasse wendet, die Interesse an Mathematik haben. Das Pilotprojekt soll wöchentlich stattfinden und keine Nachhilfe, sondern eine Ergänzung des schulischen Mathematikunterrichts darstellen.

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