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Eine unter wenigen ist Regine Zille (l.) aus Garching. Denn sie hat für ihr Engagement von Sozialministerin Emilia Müller die bayerische Sozialmedaille bekommen. Diese Auszeichnung haben seit ihrer Einführung im Jahr 1970 nur rund 1000 Menschen erhalten. 

Auszeichnung aus dem Sozialministerium 

Medaille für Regine Zille

Sie selbst ist hörgeschädigt und hat ein Leben lang mit ihrem Handicap gekämpft. Und doch hat Regine Zille aus Garching Kraft genug, um auch für andere Hörgeschädigte da zu sein.

Garching – Es ist mal laut, mal ganz still in Regine Zilles Welt. Denn die 58-Jährige ist hörgeschädigt und lebt seit Jahren mit einem Cochlea-Hörimplantat. Das besteht aus einem fest eingesetzten Teil in der Hörschnecke und einem anderen, den sie abnehmen kann. So hört sie mal mehr, mal weniger. Regine Zille lebt seit vielen Jahren in Garching. Sie hat eine Selbsthilfegruppe gegründet. Und es sich zur Aufgabe gemacht, anderen Hörgeschädigten zu helfen. Für ihr ehrenamtliches Engagement hat sie jetzt die bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste erhalten.

Geboren in Hof, wohnt Regine Zille seit ihrem 20. Lebensjahr in Garching. Unter gut Hörenden aufgewachsen, verdrängte sie den Hörschaden, den sie bereits als kleines Kind hatte. Niemand bemerkte, dass sie immer schlechter hören konnte. Mit Tricks und Hilfsmitteln schummelte sie sich durch ihre Kindheit und die Schule. Sie begann von den Lippen abzulesen und lernte vieles auswendig.

Doch sie fühlte sich auch einsam, kapselte sich oft ab, da sie in Gesprächen mit anderen nichts mehr verstand. Sie lebte in ihrer eigenen, stillen Welt und nahm nur wenig Kontakt zu anderen Menschen auf. Zu unangenehm war ihr das Eingeständnis, nichts mehr zu verstehen.

Erst mit dem Implantat verbesserte sich die Situation. Das Hören musste Regine Zille zwar wieder neu lernen. Doch heute versteht sie unter den richtigen Bedingungen fast alles. Ein lautes Umfeld und störende Nebengeräusche erschweren ihr das Hören aber weiterhin. Oft verlässt sich Regine Zille daher auf ihre Fähigkeit, das Gesagte von den Lippen abzulesen. Doch auch das funktioniert nicht immer, wenn der Sprechende sich etwa wegdreht, nach unten sieht oder undeutlich spricht. Dann gerät sie in unangenehme Situationen. Und muss sich „outen“, wie sie es nennt, um sich verständigen zu können.

Mit der Selbsthilfegruppe „Münchner Cochlea Implantat Selbsthilfegruppe“ will sie anderen Betroffenen Hilfe anbieten. Sie arbeitet unter dem Dach des bayerischen Cochlea-Implantat-Verbandes kurz „BayCIV“. Er bietet zahlreiche Selbsthilfegruppen an, Kontakte zu Kliniken, Informationsmaterial und Beratungsgespräche. Seit sieben Jahren ist Regine Zille die Vorsitzende des Verbandes. Auch das „Netzwerk Hörbehinderung Bayern“ hat sie mit gegründet. Das Netzwerk ermöglicht Gruppen und Verbänden, an Institutionen und Politik heranzutreten und ihre Interessen vorzustellen.

Regine Zille ist positiv eingestellt: „Es wird schon sehr viel mehr Aufmerksamkeit auf die Thematik gelegt, als noch vor ein paar Jahren.“ Für die Zukunft und ihre Arbeit wünscht sich Regine Zille vor allem eins: Rücksicht und Verständnis. „Ich würde mir wünschen, dass Pflegepersonal, aber auch Erzieher und Lehrer besser geschult und aufgeklärt werden.“ Linda Rowold

Informationen

über den bayerischen Cochlea-Implantat-Verband gibt es unter www.bayciv.de, per E-Mail an info@bayciv.de oder unter Tel. 089/32 92 89 26.

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