Meilenstein für die Tiermedizin

- Uni eröffnet Klauentierklinik und Zentrum für Lebensmittelhygiene

Oberschleißheim - Ein Winzling lief den Ehrengästen den Rang ab bei der Einweihung der Klauentierklinik und des Zentrums für Lebensmittelhygiene und Tierernährung (ZLT) in Oberschleißheim: Der eine Woche alte Fridolin wurde von den Besuchern aus seinen Ferkel-Träumen unter der Infrarotlampe gerissen und quiekte, bis Professor Karl Heinritzi (Lehrstuhl Krankheiten des Schweins) die Gäste weiter führte.

Fünf Lehrstühle hat die Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) nach Oberschleißheim verlagert, die haben dort jetzt doppelt soviel Platz als bisher. Ein Meilenstein zu einer Neustrukturierung der Tiermedizin auf einem eigenen Campus. Nach wie vor finden die Vorlesungen in München statt, aber ein Großteil der Klinik ist in Oberschleißheim. Die örtliche getrennte Ausbildung ist laut Professor Wolfgang Klee für die Studenten unbequem, aber es gebe "erstaunlich wenig Klagen". Längerfristig sollen alle klinischen Bereiche und die Pathologie nach Oberschleißheim ziehen

Ehrengast war Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Er betonte, der Freistaat habe mit den neuen Gebäuden gezielt in die Infrastruktur der Uni München für ihren Forschungsschwerpunkt Tiermedizin investiert. Die Staatsregierung sei sich "auch in Zeiten knapper Kassen ihrer Verantwortung für den Wissenschaftsstandort Bayern bewusst".

Im Stalltrakt für Schweine gibt es das deutschlandweit einzige Labor, in dem der Erreger Mykoplasma suis (Immunerkrankung) nachgewiesen wird. Auch im Rindertrakt gibt es Besonderheiten, wie ein aufblasbares Kuhbad und eine Stallbox für bockige Patienten: Schlägt eine Kuh aus, greift Professor Wolfgang Klee (Lehrstuhl Innere Medizin und Chirurgie der Wiederkäuer) zu einem Trick: Das Gatter im Boxenrondell kann so nah an die Kuh heran geschoben werden, dass das Tier zwangsläufig ruhig stehen muss. "Das hab` ich mir an einer Uni in Texas abgeschaut", sagt Klee.

Beim Rundgang bockte niemand: In der Orthopädie lagen die Tiere im Stroh und kauten, was Klee als "gutes Zeichen" wertete; sobald die Patienten wieder kauen, geht`s gesundheitlich bergauf. Die OP-Säle wurden gerade nicht gebraucht. In einem Saal gibt`s sogar eine Kamera für die Übertragung der OP in den mit modernster Technik eingerichteten Hörsaal. Technik und Raumaufteilung ermöglichen einen "One-to-One-Frontalunterricht": Die Studenten können den Dozenten direkt fragen, am PC recherchieren und eine OP verfolgen. Damit wurde laut Professor Ellen Kienzle (ZLT-Lehrstuhl Tierernährung und Diätetik) "eine Pioniervision" realisiert, die in den USA vorgeführt werden soll. Optimale Arbeitssbedingungen hat jetzt auch das ZLT mit Futtermitteluntersuchungen (z.B. BSE), Ernährungsforschung und Projekten mit dem benachbarten Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Verbraucherschutz und der TU München. mf

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