100 Meter hohe Wohntürme für die neue Ortsmitte

Kirchheim - Da schlagen Andreas Mayr und Florian Schöllhorn vor, mitten in die grüne Landschaft nördlich des Ortsteils Hausen drei kompakte Hochhäuser mit 100 Meter Höhe zu pflanzen - und erhalten Beifall auch von jenen, die in der Ortsmitte schon sieben Vollgeschosse als städtebauliche Sünde bezeichnen.

Bei den beiden jungen Männern handelt es sich auch nicht um Planer einer konkret umzusetzenden Architektur, sondern um Studenten. Professorin Sophie Wolfrum vom Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung ist mit einigen ihrer 22 Architekturstudenten in die Aula der Hauptschule gekommen, um elf städtebaulichen Ideen für ein Kirchheim-Heimstetten der Zukunft vorstellzustellen. Natürlich sind es Phantasieplanungen, die wohl so nie umgesetzt werden. Fast schade. Denn diese Seenlandschaft, die größer als der Feringasee Kirchheim und Heimstetten zu einer im „Seenland“ gelegenen Gemeinde vereint, erscheint auf dem Plan plötzlich gar nicht mehr utopisch. Auch hier haben die Studenten Hochhäuser eingeplant.

Denn, so erklärt Sophie Wolfrum auf Nachfrage von SPD-Gemeinderat Stephan Keck später: „Nein, die Hochhaussiedlungen sind nicht tot. Im Gegenteil. Die Idee Wohnen im Hochhaus auf dem Acker kommt wieder.“ Überhaupt seien Planer inzwischen frei von Tabus: „Man verachtet nicht generell eine bestimmte Bau-Typologie. Wir brauchen in Zukunft mehr Innovation und zur Befriedigung individueller Wohnqualitäten mehr Vielfalt in den Typologien.“

Der Vorteil der Hochbauten sei der wundervolle Landschaftsblick und ein geringen Landschaftsverbrauch. Jeder dieser Hochhauskomplexe biete soviel Wohnfläche wie 100 Einfamilienhäuser, versiegele aber im Vergleich dazu nur fünf Prozent der Fläche, betonen die Studenten.

Susanne Merten-Wente (CSU) sah das „Gespenst Geschosswohnungsbau“ vertrieben. Sie gibt auch zu, dass sie „ohne große Erwartungen“ gekommen sei. Sie hatte im Gemeinderat auch gegen die Mitarbeit der Technischen Universität (TU) gestimmt. Nun bedauert sie das gegenüber den Studenten: „Wir können aus allen Konzepten eine Idee rausholen. Sie haben uns ganz andere Wohnformen aufgezeigt. Dafür hat unsere Phantasie bisher nicht gereicht.“

Am Ende rief die Professorin die Kirchheimer auf, Freude am Planungsdruck zu entwickeln: „Sie werden dem ständigen Wohnungszuwachs in der Region München nicht auskommen. Aber ich hätte lieber ihre Probleme als die des Vogtlands, bei denen ein Drittel der Wohnungen leer stehen und die tot geschrumpft werden. Sie können etwas mit ihrer Gemeinde machen.“ Bürgermeister Heinz Hilger (VFW) kündigte an, dass auf der Grundlage der Ideen des Ortsbeirats und der Studenten-Entwürfe mehrere Sondersitzungen folgen. agm

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