Eisbude: Das Miethaus an der Geroldstraße. Foto: Michalek

Mieter sauer: Heizkosten explodieren im Gemeindebau an der Geroldstraße

Ismaning - Einige Mieter der Wohnanlage in der Geroldstraße 4-10 haben nach der Gemeinderatssitzung ihrem Unmut Luft gemacht. Sie wundern sich über exorbitante Steigerungen bei den Energiekosten - und fragen sich, ob das mit der im August 2011 erfolgten Umstellung von Gas- auf Fernwärmenutzung zu tun haben könnte.

Hintergrund des Auflaufs war Punkt 2 der Tagesordnung, in dem es um die energetische Sanierung des gemeindlichen Wohngebäudes (Baujahr 1989) Geroldstraße 4-10 gegangen war. Nach einer lebhaften Diskussion beschloss der Gemeinderat, in einem ersten Schritt die Heizungen zu modernisieren, sprich Steuereinheiten einzubauen sowie die Steigleitungen und die Decke im Dachgeschoss zu dämmen. Zudem soll für das Gebäude ein Gesamtkonzept erarbeitet werden, das auch den Umbau der Ventile in den Wohnungen oder die Sanierung der Fenster vorsieht. „Unten ist es in den Häusern zu heiß, oben zu kalt - weil eben nichts mehr ankommt“, brachte es Helgard Aldinger vom Bauamt der Gemeinde auf den Punkt.

Die Kosten für das Paket schätzt die Verwaltung auf rund 213 000 Euro brutto zuzüglich Nebenkosten. „Das Thema ist bekannt, der finanzielle Druck der Mieter groß“, sagte Bürgermeister Alexander Greulich (SPD). Die Verwaltung wolle schnell reagieren: „Was kann man da ad hoc machen?“

Peter Aurnhammer (CSU) sah sehr wohl „gewisse Eile“ geboten, verwahrte sich allerdings gegen Schnellschüsse: „Wir müssen schauen, welche Maßnahmen für die nächsten 30 Jahre Sinn machen.“ Auch Günter Glasner (FWG) sprach sich gegen eine „halbscharige Sache“ und für „ein abgestimmtes Konzept“ aus. Es dauere sicher ein Jahr, bis „eine Baumaßnahme in großem Stil“ laufe, wandte Johanna Hagn (SPD) ein: „Wir können aber mit der kleinen Lösung eine Besserung für die Mieter erzielen, es ist kein rausgeschmissenes Geld.“ Irene Holler (Grüne) stimmte dem zu und hatte dabei vor allem „die nächste Heizperiode“ im Blick.

Den Mietern in der Geroldstraße 4-10 geht das alles nicht schnell genug - sie beschäftigen sich vor allem mit der Frage, warum die Heizkosten so rasant gestiegen sind. Petra J. wohnt seit 2007 im Dachgeschoss von Nummer 10 und hat nach eigenen Angaben zusätzlich einen Radiator aufgestellt, weil’s im Winter so eisig ist in ihrer Wohnung. Am 4. August 2011 sei von Gas- auf Fernwärme umgestellt worden; 2010 habe der Gesamtbetrag fürs Haus bei 14 950 Euro (exklusive Nebenkosten) gelegen, für das Jahr 2012 seien es dann schon 25 201 Euro gewesen. „Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. Warum wurde die Umstellung durch die Gemeinde abgesegnet, ohne vorher zu überprüfen welche enorme Kostensteigerung, circa 80 Prozent, auf uns zukommen wird“, beklagt sich die Mieterin, die im August 2011 erstmals Einspruch einlegte und jetzt mit Unterstützung eines Anwalts in die Offensive geht. Frank G., ein weiterer Mieter und beruflich als Fachplaner für Haustechnik tätig, geht davon aus, dass man die Häuser bereits hätte sanieren müssen, bevor man sie an die Fernwärme anschließt: „Dann hätten wir das Theater nicht.“

Solchen Spekulationen widerspricht Bürgermeister Greulich: „Das Ganze hat nichts mit der Geothermie, nichts mit der WVI (Wärmeversorgung Ismaning GmbH, d.Red.) zu tun. Die Mieterin hat schon immer zum Dach raus geheizt“, stellt der Jurist klar. Das eine Thema mit dem anderen zu verquicken, sei nicht zulässig. „Wie das Haus beheizt wird, ist nicht das Problem“, sieht Greulich die Ursachen allein in den schlechten baulichen Gegebenheiten, die sich unter anderem in den Punkten Einrohr-Heizung und fehlenden Dämmungen zeigen. „Die inzwischen insolvente Baufirma hat da sehr günstig gebaut.“ Man nehme die Sache sehr ernst und sei dabei, „die Anlage zu ertüchtigen“, obwohl kein Anspruch darauf bestehe. „Wir legen keinen Cent auf die Mieter um, und das ist beileibe nicht selbstverständlich.“ Weitere Problematik: Seit dem 1. Januar ist mit der Baugesellschaft München-Land eine neue Hausverwaltung zuständig, mit dem Vorgänger gab es wohl Probleme. Greulich: „Die Gemeinde hat den Vertrag vorzeitig gekündigt, und das hatte seine Gründe.“ So fallen jetzt allen Beteiligten die Altlasten auf die Füße. „Vielleicht hätten wir zeitnäher reagieren müssen“, sagt Hauptamtsleiter und WVI-Geschäftsführer Andreas Hobmeier. guv

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