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Ehrenamtlich am Mobbing-Telefon: Otto Berg.

Mobbing-Beratung München

Idealismus reicht nicht mehr

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Landkreis - Zuhören, informieren, vermitteln: Pro Jahr hilft die Mobbing-Beratung München etwa 1200 Menschen. In Anbetracht zunehmender Herausforderungen stößt der 1993 gegründete Verein mit seinem Modell, dies alles ehrenamtlich zu leisten, jetzt aber an Grenzen.

Man muss“, sinniert Otto Berg, „unglaublich viel Idealismus mitbringen.“ Soviel, dass es ihn manchmal innerlich fast zerreißt. Der 75-Jährige, einst nach einer Augenoperation selbst Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz, ist für Betroffene die erste Anlaufstelle: Seit 23 Jahren sitzt er zwei pro Woche am Mobbing-Telefon, jeweils drei Stunden lang. Bekommt die Nöte von Menschen aus der Region – davon über die Hälfte aus dem Landkreis – zu hören.

 Ihm werden Dinge anvertraut, die ihn nicht kalt lassen, an denen der bisweilen tagelang knabbert: „Teilweise ist das schon sehr belastend.“ Trotzdem sondiert das Gründungs- und Vorstandsmitglied der Mobbing-Beratung die Anliegen. Vermittelt, Rechtsanwälte, Psychologen, eine Mediation – je nach Sachlage. Was den 75-Jährigen antreibt: der Idealismus, mit seiner Erfahrung als ehemals Betroffener anderen zu helfen. Im Alleingang funktioniert das nicht. Mit dem Diplom-Psychologen Ludwig Gunkel und dem Rechtsanwalt stehen Otto Berg zwei Fachleute tatkräftig zur Seite. Doch mittlerweile, bei der Flut der Mobbingprobleme, genügt auch das nicht mehr. Deshalb gibt es jetzt die Paten. 

„Diese Paten“, strahlt Otto Berg, „sind der absolut Renner.“ Meist handelt es sich um Experten, überwiegend Frauen, aus Sozialberufen. Pädagoginnen sind darunter, Psychologinnen ebenfalls. Sie kümmern sich um Mobbingopfer. Indem sie mit ihnen spazieren gehen, einen Kaffee trinken oder einfach bloß telefonieren. 15 solcher Paten arbeiten aktuell für die Mobbing-Beratung. Obwohl, „arbeiten“: „Sie helfen auf der Basis ihres beruflichen Fachwissens ehrenamtlich“, sagt Otto Berg. Pro Patenschaftsdienst gibt es – für Fahrt- und Telefonkosten – eine kleine Aufwandsentschädigung. Zehn Euro. Und genau darin liegt die Crux. Zehn Euro sind, gemessen am sozial wertvollen Dienst für die Allgemeinheit, ein eher läppischer Betrag. Also würden die treibenden Kräfte des Vereins, der Vorsitzende Ludwig Gunkel und Vize Otto Berg, als Anerkennung gern mal einen Biergartenbesuch spendieren oder einen gemeinsamen Ausflug. Doch wovon? 260 Euro flossen dem Verein vergangenes Jahr an Spendengeldern zu. Dazu kommen Eintrittsgelder von Veranstaltungen, zum Beispiel öffentlichen Rechtsberatungen. Doch im Zweifel spendiert Otto Berg einem der Paten selbst eine Brotzeit. Aus Idealismus.

Vor langer Zeit, erinnert sich der 75-Jährige, hat der Landkreis München als Anschubfinanzierung einmal 12 000 Euro zur Verfügung gestellt, in der Ära des mittlerweile verstorbenen Altlandrats Heiner Janik war das. Und heute? „Mit 5000 Euro“, überlegt Otto Berg, „wäre uns schon viel geholfen.“ Beispielsweise schwebt ihm vor, die Sprechzeiten des Mobbing-Telefons zu verdoppeln. Selbst würde der 75-Jährige das aber kaum schaffen, und auch anderweitig besteht dringend Bedarf an bezahlten Spezialisten. „Zunehmend beobachten wir starke gesundheitliche, insbesondere psychische Probleme und Erkrankungen in Folge der Arbeitsplatzsituation“, erläutert Ludwig Gunkel. „Mit solchen Situationen ist das ehrenamtliche Engagement überfordert. Eine fachkundige und zielgerichtete Unterstützung wäre unbedingt notwendig. Unser Team hat nach 23 Jahren die entsprechende Erfahrung, doch ohne Geld für qualifizierte Honorarkräfte ist diese Aufgabe nicht zu leisten.“ Ein Hilferuf an öffentliche Stellen und Sozialpartner. Die Bitte um Unterstützung. Wurzelnd auf der Überzeugung, dass sie sich auszahlt: „Dies dient der Gesundheit der betroffenen Beschäftigten, spart dem Sozialsystem enorme Kosten und unterstützt die Leistungsfähigkeit der Betriebe“, betonen Gunkel und Berg.

Weitere Informationen Die Mobbing-Beratung München ist im Verein „Konsens“ organisiert; der Name steht für das Programm. „Unser Anliegen ist es, Konflikte im Einvernehmen aller Beteiligten zu lösen“, beschreibt Ludwig Gunkel, Diplom-Psychologe und Vereinsvorsitzender, die Philosophie. Otto Berg ist am Mobbing-Telefon zweimal pro Woche erste Anlaufstation (dienstags von 15 bis 18 Uhr und donnerstags von 9 bis 12 Uhr unter Tel. 089 / 60 60 00 70). Sein umfangreiches Angebot präsentiert der Verein auf der Internetseite www.mobbing-consulting.de.

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