Entsorger spricht von "Anlaufschwierigkeiten"

Müll-Chaos weitet sich aus

Landkreis - Neapolitanische Zustände? Seit Jahreswechsel sammelt die Firma RMG die gelben Säcke im Landkreis München ein. Oder eben nicht...

Jeden Morgen fährt Ursula Busch (45) mit dem Auto und etlichen Müllsäcken im Kofferraum zu den Depotcontainern für Verpackungen am Ortsschild von Hailafing (Straßlach-Dingharting). Und jedes Mal erwartet sie dasselbe Bild: Die Container quellen über, ringsherum liegen prallgefüllte Müllsäcke, immer wieder fegt der Wind bunte Verpackungen über den Gehweg. „In Straßlach sieht’s nicht besser aus“, berichtet die 45-Jährige. Auf den Containern prangt das Schild der Firma RMG, Rohstoffmanagement GmbH. Diese ist seit Jahreswechsel für die Leerung der gelben Container und die Entsorgung der gelben Säcke zuständig. „Seitdem funktioniert hier gar nichts mehr“, sagt Busch.

Straßlach ist kein Einzelfall: Viele Bürger der 29 Landkreiskommunen, darunter auch Garching (wir berichteten), beklagen sich aktuell in den Rathäusern über die Dienste des neuen Entsorgers. Die Kommunen können nicht viel mehr tun, als die Bürger an die Verantwortlichen von RMG zu verweisen. Denn anders als beim Hausmüll ist die öffentliche Hand nicht zuständig für die Beseitigung des Grünen-Punkt-Abfalls.

Container quellen über

Die Probleme sind neu: Joghurtbecher, Milchkartons und Spülmittelflaschen sammelte im Landkreis München bisher eine Entsorgergemeinschaft unter Federführung der Firma Heinz aus Moosburg ein. Über 20 Jahre lang. Bei der Ausschreibung im vergangenen Jahr unterbot RMG das Angebot von Heinz, erhielt den Zuschlag - und sorgt seitdem für Unmut: In Putzbrunn sollen die gelben Säcke fehlen, in Unterschleißheim einige Tonnen und die Sammelstellen in Garching quellen über vor Müll.

Auch Klaus Baumann (68) ist genervt: Seit Mitte Januar wartet der Hohenbrunner auf seine gelbe Tonne und beklagt außerdem, dass die erste Abholung Anfang Januar zwei Tage zu spät durchgeführt worden sei. „Der Sturm hat die gelben Säcke quer über die Straßen geblasen“, berichtet Baumann. „Es sah schlimm aus hier.“ Als der Rentner bei der Hotline von RMG anrief, um sich zu beschweren, erklärte man die Probleme damit, dass die Siedlung am Grasbrunner Weg im sogenannten Entsorgungskataster, das der Firma vorliegt, fehle. Eine Aussage, bei der Baumann nur den Kopf schütteln kann: „Die haben anscheinend einen Plan aus der Nachkriegszeit.“

Baumann ist nicht der einzige, der sich bei der Hotline des Betreibers beschwert hat. Im Gegenteil: Zeitweise wählten so viele Bürger die Nummer, dass die Leitungen zusammenbrachen und keiner mehr durchkam. „Das tut uns sehr leid“, sagt RMG-Geschäftsführer Klaus Kögel, der auch die anderen Probleme einräumt: „Das sind Anlaufschwierigkeiten, die in einem so komplexen System wie im Landkreis München, vorkommen können.“

Die Firma arbeite mit Hochdruck daran, die Probleme zu lösen. „Wir sind derzeit mit Zusatzkapazitäten unterwegs, um alles in den Griff zu bekommen.“ Den schwarzen Peter will sich der neue Entsorger aber nicht alleine zuschieben lassen: So hätten beispielsweise manche Kommunen fehlerhafte Angaben gemacht bezüglich des Leerungsturnus’, sowie der Tonnenzahl und -größe. Sogar von Tonnen-Diebstahl berichtet der Geschäftsführer. Und auch die früheren Entsorger nimmt Kögel in die Pflicht. „Scheinbar haben nicht alle Altentsorger die letzte Leerung durchgeführt.“ Bis zum nächsten Turnus werde sich der Ablauf einspielt haben, verspricht Kögel.

RMG-Hotline ist dauernd belegt

So lange warten will Georg Wagner nicht. Wagner ist Geschäftsleiter des Zweckverbands München Süd-Ost, der bis zum 1. Januar den Verpackungsmüll in den Gemeinden Aying, Brunnthal, Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Hohenbrunn, Neubiberg und Putzbrunn entsorgt hat.

Seit Januar klingelt bei Wagner ständig das Telefon: in der Leitung erboste Bürger, die sich bei ihm über die Entsorgungsschwierigkeiten beklagen. „Ich fühle mich schon wie die Beschwerdestelle von RMG,“ sagt Wagner. Der Geschäftsleiter hat sich nun schriftlich an das DSD (Duales System Deutschland GmbH) und RMG gewandt. „Wir müssen Druck aufbauen“, erklärt er. „Es kann ja nicht sein, dass wir einem anderen Entsorger den Müll hinterherräumen müssen.“ Der Geschäftsleiter kritisiert aber auch das DSD, das den Entsorgungsauftrag im vergangenen Jahr ausgeschrieben hat. „Dass bei der Vergabe offensichtlich nur der Preis eine Rolle gespielt hat, finde ich bedenklich.“ Übrigens: Die Extratouren für RMG will Wagner der Firma in Rechnung stellen.

Stephanie Dahlem

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