Prävention bei potenziellen Gewalttätern

Bevor Männer zu Tätern werden: Gewaltprävention im Landkreis München

  • vonAndreas Sachse
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Die Männerberatung im Landkreis München (MILK) zählt zu den erfolgreichsten und meistnachgefragten Beratungsangeboten im Landkreis.

Landkreis – Die Anlaufstelle für männliche Gewalttäter steht unter Trägerschaft der Brücke Erding. Der Landkreis München finanziert die Einrichtung. Die Beratung in den Büros der Nebenstelle des Landratsamts in der Frankenthaler Straße 2 ist kostenlos, vertraulich und unabhängig von Konfession und Weltanschauung.

Wie sehr die MILK den Nerv der Zeit traf, spürten die Mitarbeiter schon in den ersten sechs Monaten nach der Eröffnung im Januar 2016. Zeitweise stießen die Gewaltberater an die Grenzen der Belastung. Das Angebot richtet sich an Männer, die ihrem Partner körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt androhen oder bereits gewalttätig geworden sind. Die MILK kooperiert mit dem Kreisjugendamt und ergänzt die Opferberatung in der Interventionsstelle Landkreis München (ILM) um eine Täterberatung.

Mangel an Beratern hemmt die Reichweite

48 Männer nutzten im vergangenen Jahr das Angebot der Gewaltberatung. Aufgrund akuter Personalknappheit, die im Landratsamt grassiert, erreichte man heuer nur noch 18 potenzielle Gewalttäter. „Der Fachkräftemangel hat uns eingeholt“, resümierte Sarah Stadler, Fachstelle häusliche Gewalt und frühe Hilfen im Landratsamt. Nachdem ein Gewaltberater im Dezember 2018 gekündigt hatte, fiel der Ersatzmann ebenfalls aus. Inzwischen habe man die Beratungskapazitäten von 2018 wieder herstellen können. Stadler ließ jedoch erkennen, dass mit noch mehr Personal auch noch mehr Fälle bearbeitet werden könnten. Ein beachtlicher Teil der Männer sucht die MILK auf, weil ihr Verhalten juristisch auffällig geworden ist. Im Rahmen des so genannten Sonderleitfadens (Münchner Modell) würden Beratungen zunehmend nach häuslicher Gewalt im Zusammenhang mit familiengerichtlichen Verfahren durchgeführt. Zunächst im Einzelgespräch, später die Lebenspartner – und Eltern – gemeinsam, etwa mit dem Ziel eines einvernehmlichen Umgangs nach Trennung oder Scheidung.

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Kindswohl und Opferschutz haben Vorrang

Der Sonderleitfaden zum Münchener Modell ist eine Empfehlung an das Familiengericht zu Fragen des Kindsaufenthalts, das Umgangsrechts und der Herausgabe des Kindes. Kindswohl und Opferschutz genießen absoluten Vorrang.

Im Landratsamt sähe man es gern, wenn mehr Familienrichter in München den Sonderleitfaden zur Anwendung brächten. Die MILK wäre dann bereits in familiengerichtlichen Verfahren präsent. Dass sich immer mehr „Selbstmelder“ frühzeitig an die MILK wenden, wertet Stadler als Erfolg. In der Frankenthaler Straße arbeitet man daraufhin, Männer zu bewegen, präventiv vorzusprechen. „Das ist unser großes Ziel“, sagte Stadler. Doch auch dafür, so mahnt er, brauche die Beratungsstelle mehr Personal.

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Kontakt zur MILK:

Frankenthaler Straße 2; 81539 München, Telefon: (089)6221-1586. E-Mail: maennerberatung.lkr.muc@bruecke-erding.de www.landkreis-muenchen.de Termine nur nach Vereinbarung.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa / Maurizio Gambarini

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