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Die wirre Welt des Extremisten: Münchner Verschwörungstheoretiker auf den Philippinen festgenommen

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Von: Julian Limmer, Andreas Thieme

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Oliver Janich, als er im Jahr 2014 als Münchner Oberbürgermeister kandidierte
Oliver Janich, als er im Jahr 2014 als Münchner Oberbürgermeister kandidierte © Markus SChlaf

Der Münchner Oliver Janich wurde auf den Philippinen verhaftet – auch die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Verschwörungstheoretiker.

München - Seit Jahren verbreitet der Münchner Oliver Janich ein krudes Weltbild über Politiker oder Corona. Am Mittwoch ist der Verschwörungsideologe auf den Philippinen, wo er seit einiger Zeit lebt, verhaftet worden. Laut der Deutschen Presse-Agentur soll er nun nach Deutschland gebracht werden.

Fakt ist, dass die Staatsanwaltschaft München I wegen des „Verdachts der Beleidigung und der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten“ gegen Janich ermittelt, das teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. So soll er zwischen 2020 und 2021 auf seinem Telegram-Kanal (auf dem Nutzer Nachrichten austauschen können) Personen öffentlich beleidigt und dazu aufgerufen haben, Politiker zu töten und eine „prominente Person“ zu exekutieren. Zu weiteren Vorwürfen wolle sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern.

Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt: Verdacht der Aufforderung zu Straftaten

Konkret schrieb Janich in einem Post auf Telegram, der dem Münchner Merkur vorliegt, dass es geboten sei, Regierungsmitglieder von Bund und Ländern „standrechtlich hinzurichten“. Später behauptete er, der Post sei satirisch gemeint gewesen. Kein Einzelfall: Janich schrieb außerdem am Tag der Amtseinführung von US-Präsident Biden: „Hängt Biden. Hängt Soros. Hängt sie alle, verdammt nochmal.“ Bei Soros handelt es sich um einen jüdischen Milliardär ungarischen Ursprungs, der immer wieder von Verschwörungstheoretikern angefeindet wird.

Das Problem: Janich, der ursprünglich als Journalist arbeitete und für eine eigens mitgegründete Partei 2014 fürs Amt des Münchner Oberbürgermeisters kandierte, ist mittlerweile einer der reichweitenstärksten Akteure der Verschwörungstheoretiker-Szene im deutschsprachigen Raum – allein bei Telegram folgen ihm rund 150 000 Menschen. So soll er auch den Popsänger Xavier Naidoo beeinflusst haben, der in der Vergangenheit häufig durch irre Verschwörungstheorien auffiel. Im Netz gibt es ein Video der beiden, in dem Naidoo bestätigt, dem Kanal von Janich gefolgt zu sein.

Expertin: „Einer der bekanntesten Vertreter der QAnon-Verschwörung in Deutschland“

Dort verbreitet der Münchner sein oft wirres Gedankengut. Neben Falschinformationen zur Corona-Pandemie fällt er auch immer wieder mit anderen Verschwörungsmythen auf: „Janich ist ein einer der bekanntesten Vertreter der QAnon-Verschwörung in Deutschland“, sagt die Autorin Katharina Nocun, die bereits zwei Bücher zu dem Thema veröffentlicht hat, unserer Zeitung.

Die QAnon-Bewegung unterstellt Politikern unter anderem satanistische, pädophile Handlungen und verbreitet rechtsextreme sowie antisemitische Gedanken. Das Weltbild sei brandgefährlich, weil es Gewalt rechtfertige, sagt Nocun. Und es wirke wie ein „massiver Beschleuniger für die Radikalisierung“ einiger Menschen. Dazu trage auch Janich bei, sagt die Autorin.

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