Musikalische Bilder wie ein spannender Film

- Die Brüder Kreusch mit ihrem Projekt "Two World`s One"

VON CARSTEN RÖHNERT Oberhaching - Der Einstieg in diese Musik fällt nicht ganz leicht - wie in einen Fluss, dessen Strömungen und Untiefen man nicht kennt. Die Brüder Kreusch tasten sich mit ihrem aktuellen gemeinsamen Musik-Projekt in eine Klangwelt vor, die sie in dieser Form selbst zum erstenmal gemeinsam betreten, begleitet von dem wunderbaren New Yorker Percussionisten Jamey Haddad. Gemeinsam wollen sie die Grenzen zwischen Jazz, Klassik und Weltmusik sprengen. Komposition und Improvisation fließen ineinander. Ein abenteuerliches Unterfangen, an dem die Besucher im Gymnasium Oberhaching zum Auftakt einer Deutschlandtournee jetzt teilhaben konnten.

Der in New York lebende Jazz-Pianist Cornelius Claudio Kreusch und sein Bruder, Gitarrist Johannes Tonio Kreusch, sind beide ausgezeichnete Vertreter ihres Faches. Für ihr gemeinsames Projekt "Two World`s One" haben die beiden aber nicht einfach ihr solistisches Können in einen Topf geschmissen, sondern Elemente ihres Spiels und ihrer Musikauffassung zu etwas Neuem, Eigenen kombiniert. So ist da nicht der Jazz-Pianist Kreusch zu hören, dessen CD "Live! At Steinway Hall/New York" für fünf Grammys nominiert war. Mit virtuosen Ausbrüchen seiner modern-aggressiven Jazz-Spielart hält er sich weitgehend zurück. Er sucht etwas Neues, verfolgt radikal mit seinem Bruder zusammen eine Idee. Der erhält dabei mit seiner Gitarre mehr Spielraum für virtuose Glanztaten. Um sein bestechendes Spiel auf den verschiedenen Gitarren ranken sich immer wieder die Klanggebilde des Trios. Die Einbindung von Haddad liefert der expressiv lyrischen Ausrichtung rhythmischen Rückhalt.

Cornelius Kreusch reduziert sein Spiel immer wieder auf rhythmische Phrasierungen auf einer oder wenigen Tasten. Dabei kreiert er einen harten metallischen Ton, indem er dem Flügel in die Eingeweide greift und die jeweils angeschlagenen Seiten am Schwingen hindert. Aus dem Flügel wird eine Art Schlagzeug. Darauf aufbauend steigert sich das Trio in wiederkehrenden Mustern in hypnotisierende Rhythmen. Rauschhaft: Die Musik trägt sich selbst, trägt ihre Musiker davon, die Zuhörer sowieso. Bis sich dann ganz sachte von der Gitarre her wieder eine einfache Melodie aufbaut. Ruhiges Wasser. Improvisierend fühlt sich tastend der Pianist in diese Melodie ein und trägt sie am Klavier weiter. Das klingt alles wie Erinnerungsreste eines Traums und so produzieren die Klänge, die oft bis zum Geräusch verfremdet werden, Bilder. Diese Musik ist wie ein spannender Film.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Fall nach Abi-Reise: 92 Schüler betroffen - so verteidigt sich der Veranstalter
Nach einer privat organisierten Korfu-Reise von Abiturienten aus Grafing und Vaterstetten wurde ein Schüler positiv auf das Coronavirus getestet. Es folgte eine …
Corona-Fall nach Abi-Reise: 92 Schüler betroffen - so verteidigt sich der Veranstalter
Coronavirus im Landkreis München: Die Zahl der Infizierten bleibt gleich
Das Coronavirus versetzte den Landkreis München in den Ausnahmezustand. Doch die Infektionen werden deutlich weniger. Alle Infos hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis München: Die Zahl der Infizierten bleibt gleich
Obdachloser (37) onaniert bei Spielplatz -Spaziergängerin ruft zweimal Polizei
Ein Obdachloser hat bei einem Spielplatz in Grasbrunn onaniert. Die Polizei nahm ihn noch vor Ort fest.
Obdachloser (37) onaniert bei Spielplatz -Spaziergängerin ruft zweimal Polizei
Einbrecher klauen am Wochenende teuren Schmuck
Schmuck im Wert von mehreren 10.000 Euro haben jetzt Einbrecher in Straßlach erbeutet. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
Einbrecher klauen am Wochenende teuren Schmuck

Kommentare