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Des Mordes angeklagt: Gabriele P. (Mitte) muss sich vor dem Schwurgericht München I verantworten.

Mordprozess von Haar

Mutter des Opfers: „Man hat das Urvertrauen verloren“

Die Adoptiveltern des getöteten und vergrabenen Sebastian H. erleiden schwere Stunden im Mordprozess gegen Gabriele P. Gestern berichtete die Mutter, wie sehr der gewaltsame Tod des Sohnes auf ihr lastet.

Haar - Es ist bereits Nachmittag, als Hedwig H. (69, Name geändert), die Adoptivmutter des getöteten Sebastian H., auf dem Zeugenstuhl Platz nimmt. Den ganzen Vormittag lang musste sie bereits mit anhören, wie die Leiche ihres Sohnes (27) im Garten der Angeklagten Gabriele P. (32) gefunden wurde, wie die Leichenhunde anschlugen, wie sein Leichnam ausgegraben wurde. „Ich habe Sie und Ihren Mann schon bewundert, wie tapfer Sie das durchstehen“, sagt der Vorsitzende Richter Michael Höhne – und fragt, wie es ihr gehe. „Besser als am Vormittag“, sagt die Medizin-Professorin zögerlich und leise, „es geht einigermaßen.“

Es sind schwere, schmerzliche Stunden für die Eltern von Sebastian H., die als Nebenkläger am Mordprozess gegen die frühere Freundin ihres Sohnes teilnehmen. Die Pädagogin Gabriele P. soll den Studenten im Dezember 2008 mit einer Handkreissäge im Bett ihres Hauses in Haar ermordet und die Leiche später mit zwei Komplizen im Garten verscharrt haben. Sieben Jahre lag die Leiche dort unbemerkt. Es hieß, Sebastian H. habe sich mit seiner neuen rumänischen Freundin in ihre Heimat abgesetzt. Die Eltern aber ahnten längst, dass etwas nicht stimmte. „Nach sieben Jahren geht man nicht mehr von einem guten Ende aus“, sagt die Mutter, „die Zeit war schlimm.“ Sie hat sich in diesen Jahren sogar mit Schuldgefühlen gequält: „Man hat sich gefragt, ob man ihn aus dem Haus getrieben hat.“

Doch dem war nicht so. Anfang 2016 kam die Wahrheit ans Licht. Am Bodensee meldete sich eine Frau bei der Polizei, die vermeintlich Unglaubliches berichtete: Im Haus von Gabriele P. gebe es ein dunkles Geheimnis; dort sei eine Leiche verscharrt. Der neue Freund von P., Christian K., habe es im betrunkenen Zustand einem Bekannten erzählt, der früher ebenfalls bei der 32-Jährigen in Haar gewohnt habe. K. habe sogar gesagt: „Wir sind Mörder.“ K., der beim Verscharren der Leiche geholfen haben soll, wurde bereits wegen Strafvereitelung zu einer Haftstrafe verurteilt. Er hat allerdings Berufung eingelegt. Er und Gabriele P. möchten in der Haft heiraten.

Als die Adoptivmutter die Wahrheit im Januar 2016 erfuhr, stürzte sie in ein tiefes Loch. „Ich konnte nicht mehr schlafen, ich hatte nur noch Ängste“, sagt sie. „Man hat das Urvertrauen verloren.“ Seither sorgt sie sich auch ständig um ihre beiden anderen Kinder – dass auch ihnen etwas passiert. Sie sei schon ausgerastet, wenn sich einer nicht gleich gemeldet habe, wenn sie auf den Anrufbeantworter gesprochen habe. Ein bisschen habe sie damals auch Erleichterung verspürt: „Ich wusste, dass ich nicht Schuld war, dass er sich nicht mehr gemeldet hat.“

Der Richter berichtet, dass P. Sebastian H. als dominant und bestimmend beschrieben habe. Das kann die Mutter nicht bestätigen. Laut Richter sprach die Angeklagte auch davon, dass H. „sexuell sehr fordernd“ gewesen sei und sich im SM-Bereich ausleben wollte. „Da traue ich mir kein Urteil zu“, sagt die Mutter. Der Prozess dauert an.

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