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Neue Tarifzonen gelten ab Mitte Dezember: Dauerhaft umsteigen, soll sich lohnen, daher sind Monatskarten und Jahresabos günstiger als bisher. Der Landkreis München unterstützt Jahresabos zusätzlich mit einem Zuschuss. Der Preis für die Einzelfahrkarte steigt dagegen auf 3,30 Euro. 

System soll verständlicher werden

MVV-Tarifreform: Das soll sich im Landkreis München ändern

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Am 15. Dezember tritt die große MVV-Tarifreform in Kraft. Dabei sollen fundamentale Änderungen geschehen. Das verändert sich im Landkreis München.

Landkreis – Am 15. Dezember greift die große MVV-Tarifreform und macht das MVV-System verständlicher und im Durchschnitt sieben Prozent günstiger. Aus den alten 16 Ringen werden sieben neue Zonen. „Bus und Bahn werden vor allem für die Leute günstiger, die häufig fahren“, sagt Norbert Specht, der beim MVV für den Tarif verantwortlich ist, im Pressegespräch mit dem Münchner Merkur. „Die IsarCard kostet in der Zone M dann nur noch sensationelle 55,20 Euro monatlich, statt bisher 66,60 Euro und im Jahresabo 43, 50 Euro.“ Das Jahresabo gibt es für 522 Euro. Wer in der M1 Zone wohnt, zahlt künftig 88,90 Euro im Monat.

M-Zone

Die M-Zone umfasst die komplette Landeshauptstadt München. Dazu zählen auch die 15 S-Bahnhöfe, die sich im Landkreis München befinden. Die M-Zone wurde zusätzlich um die Haltepunkte Aschheim, Deisenhofen, Karlsfeld, Ottendichl, Oberhaching, Stockdorf und Putzbrunn erweitert.

Großzügige Einteilung

Nahezu alle Städte und Gemeinden im Landkreis München liegen in der neuen Tarifzonen-Logik so, dass die Haltestellen zwei benachbarten Tarifzonen zugerechnet werden können. Das heißt, die Haltestellen gehören zu zwei Tarifzonen, „was optimal ist“, sagt Norbert Specht: Wer von Unterföhring nach München fährt, löst die Zone M. Fährt er zum Flughafen, muss er Zone M nicht mit kaufen, sondern die Zonen 1 bis 5. Wer von Sauerlach zum Marienplatz fahren will, löst Zone 1 und Zone M. Wer von Sauerlach nach Holzkirchen möchte, löst Zone 2 bis 3.

Kreis zahlt Differenz

Eine Sonderregelung gilt nur im Landkreis München: Pendlern aus den Zonen M1 und M2 erstattet der Landkreis München die Differenz zum Preis eines Jahresabos für die M-Zone (522 Euro). Wer aus M1, aus Ismaning oder Unterschleißheim, nach München will, zahlt 843 Euro. 1077 Euro kostet ein Jahresabo für Pendler, die in Aying (M2) wohnen und in München arbeiten. „Man rechnet mit 15 000 Erstattungsanträgen“, sagt Norbert Specht, „das könnte eventuell einen Schub ausmachen.“ Allerdings warnt er: „Erstattungsanträge sind ein bürokratisches Monster, die Mitarbeiter der Rathäuser müssen sich exzellent auskennen.“

Einzelfahrt teurer

Die Einzelfahrkarte wird mit 3,30 Euro deutlich teurer (bisher: 2,80). Die Streifenkarte bleibt auf ihrem Preisniveau von 14 Euro, was bei zehn Streifen einen Preis von 1,40 Euro pro Streifen ausmacht. 

Das neue U21 Angebot

Neu ist die U21-Streifenkarte, die 45 Prozent weniger kostet als die reguläre Streifenkarte: Für alle Fahrgäste von 15 bis 20 Jahren gibt es diese extra Streifenkarte am Automaten für 7,70 Euro. Entwertet wird sie wie die reguläre Streifenkarte. Kinder unter sechs Jahre fahren weiterhin kostenlos und für Sechs- bis 14-Jährige gilt wie bisher der Kindertarif, sie zahlen nur einen Streifen pro Fahrt oder eine Einzelfahrkarte.

Sozial-Ticket etabliert

Das Sozial-Ticket IsarCardS, das der Landkreis München längst eingeführt hat, wird nun in allen acht MVV-Verbundlandkreisen und in München etabliert. Es soll Mobilität für Hilfsberechtigte ermöglichen und ist mit einer Monatskarte für 30 Euro rund 20 Euro günstiger. Die Mindereinnahmen, die dem MVV entstehen, gleichen die Landkreise aus. Die Sozial-Tickets können Empfänger von Arbeitslosengeld, Grundsicherung und Hilfe zum Lebensunterhalt am Automaten lösen, wenn sie zuvor den Landkreis-Pass im jeweiligen Landratsamt erhalten haben. Im Landkreis München bekommen den blauen Landkreis-Pass nach wie vor zwei weitere Personengruppen: Träger der Ehrenamtskarte und Personen, die einen Bundesfreiwilligendienst leisten.

Senior ist man ab 65

Das neue Senioren-Ticket kostet in der M-Zone 46,40 Euro monatlich (bisher 48,10). Es ist ganztägig gültig. Es gilt keine Sperrzeit mehr zwischen 6 und 9 Uhr. Allerdings wird die Altersgrenze auf 65 Jahre angehoben. Kunden, die schon die bisherige IsarCard60 abgeschlossen haben, können im Abo bleiben. Wer dieses Abo noch schnell abschließen will, hat dazu bis zum 1. Dezember Gelegenheit, für Personen von 60 bis 64 gilt aber die Sperrzeitregelung.

Protest hatte Wirkung

Mit dieser Tarifreform hat der MVV hat im Vergleich zum ersten Reformkonzept deutlich nachgebessert. Das wurde nötig, weil drei Landkreise – darunter der Landkreis München – in ihren Kreisgremien die Zustimmung verweigert hatten.

Vor allem die Bürgermeister in Oberschleißheim, Unterschleißheim und Garching hatten protestiert, weil ihre Bürger die großen Verlierer der Reform gewesen wären. Dieser Protest hat viel bewirkt. Im September 2018 kam – vor der Landtagswahl – Bewegung in die Sache: Ministerpräsident Söder regte das 365-Euro-Ticket an und sicherte dem ÖPNV einen Zuschuss von 35 Millionen Euro zu. „So wurde ein Schuh draus“, sagt Norbert Specht und stellt fest: „Ein solches Zugeständnis der Politik habe ich in 25 Jahren beim MVV noch nicht erlebt.“

Ebenfalls 35 Millionen Euro werden die acht Verbundlandkreise gemeinsam mit der Landeshauptstadt München jährlich zahlen. Damit ist der Spielraum für Mindereinnahmen beim MVV größer geworden, was den Weg für die weitreichendere Reform frei machte. „Unser Ziel ist es, mehr Fahrgäste zu gewinnen und zu binden“, so Specht. Langfristig würde das auch die Mindereinnahmen schmälern.

365-Euro-Ticket

Ob das 365-Euro-Ticket im September 2020 eingeführt wird, entscheidet die MVG-Gesellschafterversammlung am 6. Dezember. „Allerdings müsste das Votum einstimmig sein“, sagt Specht. „Der MVV würde für die Einführung rund 30 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich benötigen.“ In den neuen Tarif ließe sich das 365-Euro-Ticket jedenfalls noch leicht einbauen. Ob sich die Politik zu dieser Investition entschließen kann, ist offen.

Tarife berechnen

Im Internet unter www.mvv-muenchen.de/tarifreform können Fahrgäste den MVV-TarifCheck nutzen. Bis gestern wurde die Seite 79 800 Mal aufgerufen.

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