Nach der Fastenpredigt: Handschlag mit säuerlichem Lächeln

Haar – Die fünfte Jahreszeit kann ab sofort auch für Haar in den Kalender eingetragen werden. Denn das erste Starkbierfest im Kleinen Theater in Haar war restlos ausverkauft. 300 Karten seien verkauft worden, sagte Theaterleiter Matthias Riedel.

Neben dem traditionellen Anstich sorgte Jürgen Kirner für einen kritischen Blick auf die Politik beim Derblecken, die „Couplet AG“ brachte ein Singspiel auf die Bühne und der „Hopfen-Vierer“ sowie die „Schwuhplattler“ boten unterhaltsame Einlagen.

Das Kleine Theater, die Gemeinde Haar, der Bezirk Oberbayern, das kbo-Sozialpsychiatrische Zentrum und die Privatbrauerei Aying hatten sich zusammengetan, um gemeinsam mit Politikern und Bevölkerung zu feiern und ein besonderes Bier zu trinken. „Das war eine Lücke im Programm des Bezirkstags und des Kleinen Theaters, dass es hier noch nie ein Starkbierfest gab“, sagte der Bezirkstagspräsident Josef Mederer, nachdem er den Wechsel in das erste Holzfass getrieben hatte. Bevor Jürgen Kirner an die Reihe kam, durfte Haars Bürgermeisterin Müller die Gäste begrüßen. „Angesichts der langen Wartezeit wurde mir gesagt, ich soll eine möglichst kurze Rede halten. Also: Schee, dass do seids!“ Kürzer und prägnanter kann das kaum gemacht werden.

Der Frontmann der „Couplet AG“ und Kabarett-Profi Kirner nahm in seiner scharfen Fastenpredigt vor allem den Haarer Gemeinderat ins Visier, der von gegenseitigen Vorwürfen zwischen CSU und SPD geprägt ist. „Als Außenstehender könnte man glauben, Ihr werft permanent was ein, um Euch dann in diesem Zustand gegenseitig zu beschießen. „Dabei“, sagte Bruder Jürgen, „handelt es sich doch um einen banalen Gemeinderat. Da haben parteipolitische Scharmützel nichts zu suchen – wenn man das Wohl des Bürgers wirklich im Visier hat.“ An Müller gerichtet sagte er, er finde es persönlich toll, dass sie in einer sagenhaften „One-Woman-Show“ alles selber reißen wolle. „Aber Sie haben doch Stellvertreter, lassen Sie die ruhig auch mal ran – zum Beispiel ihren Dritten Bürgermeister Reichel von der CSU. Und meinen Sie nicht, dass ein bisschen mehr Gesprächskultur und ein besseres Aufeinander-Eingehen die Weiterentwicklung Eurer Kommune fördern würde?“ In Richtung des CSU-Ortsvorsitzenden Dietrich Keymer sagte er: „Komm, mach‘ uns halt den Horst! Was Horst und Angela geschafft haben, könnt Ihr auch – das geht doch mit der Frau Bürgermeisterin – schauen Sie, wie nett sie lächelt. Wie eine Schlange auf Beutefang.“ Was keiner für möglich hielt, gelang Kirner: Müller und Keymer gaben sich die Hand, beide mit säuerlichem Lächeln.

„Dass diese Geste ausgerechnet bei uns zu sehen ist, das macht mich noch mehr stolz auf den heutigen Abend“, freute sich Veranstalter Riedel über die gelungene Premiere.  bb

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