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Abgeschnitten vom Netz: Sieben Wochen lang kann Anita Keller ihre Vorstellungen nicht bewerben

Sieben Wochen ohne Internet

„Es ist ein Skandal“

Es schien ein Routinevorgang zu sein, doch daraus wurde eine Odyssee: Sieben Wochen lang war der DSL-Anschluss einer Schauspielerin lahm gelegt.

Ebenhausen - Anita Keller ist freie Schauspielerin. Ihre Vorstellungen bewirbt sie natürlich per Mail, sie schreibt Redaktionen an und Freunde. Nur leider, heuer konnte sie das nicht tun. Internet und Telefon standen still.

Weil Anita Keller und ihr Mann, der Physiotherapeut Ulrik-Bernhard Elsasser, leichtsinnigerweise „nach einem telefonischen Akquisitionsgespräch“ zustimmten, ihren Internet-Anschluss upgraden zu lassen. Seit vier Jahren sind sie bei Vodafone, die Kabel gehören der Telekom. Jetzt wollten sie von DSL auf VDSL zu wechseln.

Zum 1. Januar sollte die Umstellung erfolgen. Es erfolgte auch eine Umstellung – aber die sah anders aus als gedacht. Die Leitungen waren ab Neujahr nämlich alle tot. Die alten Anschlüsse gingen nicht mehr, die neuen noch nicht. Dabei blieb es. Sieben Wochen.

 „Wir fühlen uns hingehalten von Vodafone“, wandte sich die 78-jährige Schauspielerin, die seit Jahren mit ihrem Eine-Frau-Stück „Oskar und die Dame in Rosa“ durch den deutschsprachigen Raum tourt, dann letzten Donnerstag entnervt an den Münchner Merkur. Immer wieder, acht Mal genau, hatte sie auf einen Techniker der Telekom gewartet in den vergangenen Wochen, nie war einer, obwohl es jeweils Terminvereinbarungen gab (8 bis 14 beziehungsweise 14 bis 20 Uhr), erschienen.

 „Es ist ein Skandal“, meinte die Ebenhausenerin, als sie am 25. Januar wieder ihr Stück zeigte im Stemmerhof in München und dort grade mal 22 Leute im Publikum saßen. Die letzten Vorstellungen dort waren ausverkauft gewesen mit jeweils über 70 Zuschauern. „Ich konnte nicht wie gewohnt Werbung machen“, sagte sie.

Besonders ärgerlich war, dass der erste Termin mit einem Techniker, ausgemacht für den 9. Januar zwischen 8 und 14 Uhr, nur knapp nicht geklappt hatte. Frau Keller saß die sechs Stunden brav ab in der Wohnung, griffbereit das Handy, auf dem der Techniker, sobald er losfuhr, sich melden wollte. Es meldete sich aber keiner. Um 14.20 Uhr musste sie dringend los, zur Probe. Als sie zurückkam, lag ein Zettel im Briefkasten – von der Telekom. „Um 14.24 Uhr niemand angetroffen“, stand darauf.

Seither wartete die Schauspielerin, die, wenn sie Mails verschicken oder empfangen wollte, jetzt immer zu den Nachbarn gehen musste, jeweils länger als nur während des vereinbarten Zeitfensters. Um ja nichts mehr zu verpassen. Umsonst. Ebenso wirkungslos war der Brief, den ihr Mann am 2. Februar an Vodafone schickte, ein Einschreiben mit Rückschein, in dem er drohte zu kündigen, sollte binnen zwei Wochen nichts passieren.

 Eine Sache passierte dann tatsächlich – er bekam zwei Briefe. Vom Provider. In denen es hieß: „Dass Sie so lange warten müssen, tut uns sehr leid“, und: „Wir möchten Ihnen eine Antwort geben, mit der Sie zufrieden sind. Dafür brauchen wir noch etwas Zeit.“

Inzwischen ist, man ahnt es, die Sache behoben. Nachdem der Münchner Merkur die Pressestelle von Vodafone kontaktiert hatte, ging alles recht schnell. Tags darauf stand der Techniker bei Keller/Elsasser auf der Matte. Er brauchte, sagt Anita Keller, 35 Minuten – dann lief der VDSL-Anschluss.

Derweil teilte die Vodafone-Pressestelle unserer Redaktion mit: Die „Festnetzstörung bei Ihrer Leserin Anita Keller“ sei „deutlich schwieriger als gewohnt“ zu beheben gewesen. „Wir haben Frau Keller um Entschuldigung für ihre Unannehmlichkeiten gebeten und unterstreichen unser Bedauern mit einer Gutschrift im dreistelligen Euro-Bereich. Diese wird noch bin dieser Woche auf das Konto von Frau Keller überwiesen“.

Anita Keller bekam 240 Euro. Sie sagt: „Der Betrag kompensiert meine Verluste nicht einmal zu einem Drittel.“

Andrea Kästle

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