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Viele Waldwege wurden bereits am Montag wegen Sturmbruchs abgeriegelt. Die Gefahr besteht nach wie vor, warnen Förster.

Im Forst geht die Arbeit jetzt erst richtig los

Nach „Sabine“: Sturmschäden im Wald - Förster warnen vor Lebensgefahr

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Orkan „Sabine“ hat sich verzogen, aber nicht ohne den Landkreis vorher nochmal ordentlich durchzuwirbeln. In den Wäldern hat sie ihre Spur hinterlassen. Förster warnen vor lebensgefährlichen Sturmschäden.

Landkreis – Das Sturmtief „Sabine“ hielt die Einsatzkräfte der Feuerwehren im Landkreis auch Montagnacht und am Dienstag noch auf Trab. Noch einmal 40 Einsätze verzeichnete die Feuerwehreinsatzzentrale. Damit liegt die Gesamtzahl bei rund 430 Unwetter-Einsätzen. Einen örtlichen Schwerpunkt, wo der Sturm am meisten gewütet hat, ist dabei nicht auszumachen. Die Feuerwehren waren flächendeckend gefordert. Eine offizielle abschließende Bilanz liegt allerdings noch nicht vor, da bis gestern Abend noch mit Sturmschäden zu rechnen war.

Die Feuerwehr Pullach etwa wurde gegen 3 Uhr zu einem Haus an der Johann-Bader-Straße alarmiert. Hier drohte ein Schornstein abzustürzen. „Wir haben den Bereich gesichert, abgesperrt und den Eigentümer an eine Fachfirma verwiesen“, sagt Thomas Maranelli, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Pullach. Auf dem Rückweg räumten die Einsatzkräfte noch einen umgefallenen Baum aus den Weg.

Unterhachinger Maibaum muss gestutzt werden

In Unterhaching hat der Sturm den Maibaum an der Hauptstraße in Mitleidenschaft gezogen. Die Windböen hatten den Baum nach links gedreht und in Schieflage gebracht. Die Sicherheit war nicht mehr gewährleistet. Deshalb stutzte die Feuerwehr den Maibaum Stück für Stück. In zwei Wochen wäre der Baum sowieso turnusgemäß umgelegt worden. Für diese traditionelle Veranstaltung bleibt ein Stück des Maibaums noch stehen.

Auch den Maibaum in Unterhaching hat der Sturm erwischt. Die Feuerwehr musste in stutzen.

Mit viel Wind und Regen im Gepäck fegte „Sabine“ zwei Tage lang auch durch die Wälder im Landkreis. Die schweren Schäden werden in den nächsten Tagen noch analysiert. Noch hat das Amt für Landwirtschaft und Forsten keinen Überblick. Aber klar ist: Es steht viel Arbeit bevor. „Viele Forstwege sind durch umgeknickte Stämme versperrt. Manche Bäume wurden samt Wurzelteller aus dem Boden gerissen, andere erlitten Stammbruch und stehen unter Spannung“, sagt Förster Gerit Hinner. In seinem Revier zwischen Planegg und Pullach seien etwa 1000 Festmeter Sturmholz angefallen. „Betroffen sind vor allem Fichten und Eschen, aber auch Buchen und Kiefern.“

„Es herrscht Lebensgefahr in den Wäldern“

Die Förster raten dringend, sich vom Wald fernzuhalten. „Es hängen schwere Äste in den Kronen. Ein leichter Wind reicht, und sie können runterfallen und Menschen erschlagen“, warnt Hinner. Auch Radfahrer müssen auf den frequentierten Forststraßen mit querliegenden Bäumen und erhöhtem Unfallrisiko rechnen. „Ihr Blick sollte oft nach oben und zur Seite gehen.“ Bis das Bruchholz am Boden liege und sich der Wald selbst gereinigt habe, vergehe noch Zeit. Sobald sich der Wind gelegt hat, geht für die Förster die Arbeit erst richtig los. Dann beginnen in den Wäldern die Kontroll- und Aufräumarbeiten. Es gelte, umgestürzte und angebrochene Bäume zu finden und von Waldarbeitern wegschaffen zu lassen, sagt Hinner: „Es muss alles raus, wir dürfen nichts für den Borkenkäfer liegen lassen.“

Einen Baum entwurzelt hat der Sturm am Feringasee. Die Flur- und Waldschäden sind erheblich

Erste Eindrücke von ihrem Revier zwischen München und Moosburg hat auch Maria Reuther gewonnen: „Wir haben noch einmal Glück gehabt“, stellt die Försterin aus Ismaning fest: „Sabine war nicht so schlimm wie Niklas 2015 oder Orkan Kyrill 2007.“ Damals waren auch Menschen ums Leben gekommen. Trotzdem warnt sie ausdrücklich: „Es herrscht Lebensgefahr in den Wäldern.“ Jogger, Spaziergänger mit kleinen Kindern und Radfahrer hat Reuther am Montag und Dienstag im Wald angetroffen und energisch nach Hause geschickt. „Es ist äußerst unvernünftig, in den Wald zu gehen.“ Olaf Rahm aus dem Forsthaus Sauerlach bittet auch die privaten Waldbesitzer um Geduld: „Ruhe bewahren und nicht in den Wald gehen. Viele Bäume sind angeschoben und können noch umstürzen. Wer vernünftig ist, wartet noch ab.“ Ob der Holzpreis fällt, ist unklar, weil das Ausmaß der Waldschäden noch nicht analysiert ist.

Sturmtief „Sabine“ wütet auch im Landkreis München. Die Ereignisse der letzten Tage können Sie in unserem Ticker noch mal nachlesen.

Sturmtief Sabine zog Anfang der Woche über Bayern und brachte Böen bis zu 120 km/h mit. Ein Mann wurde von einer Böe erfasst - er starb. Es handelt sich um einen Ex-Bürgermeister.

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