Mörderische Schwestern auf Ismaninger Flur: (Unten v. l.) Inge Löhnig, Janet Clark, Lisa Graf-Riemann, Anna Schneider, Katrin Jacob und Nicole Neubauer. Obere Reihe (v. l.) Ingeborg Struckmeyer, Friedlind Lipsky, Frederika Gers, Sabine Fink, Anette Hinrichs, Ingrid Werner und Ina May. Foto: fkn

Nach sechs Minuten fällt ein Schuss

Ismaning - Mörderische Schwestern in der Seidlmühle fesseln ihre Zuhörer

Ismaning - Gerade mal sechs Minuten Lesung. Da kommt doch keine Spannung auf? Könnte man meinen. Aber wenn die „Mörderischen Schwestern“ am Werk sind, ist der Tod bei der „Ladies Crime Night“ in Sekundenschnelle spürbar.

Fast hört man das Atemlose im Saal, als Nicole Neubauer ihre Kurzgeschichte über das Spiel des Lebens vorträgt. Dieser Mensch, gefangen in der virtuellen Welt, real oder unwirklich, ein Krimi oder das eigene Hirngespinst? Gebannt verfolgen die Besucher in der fast vollbesetzten Seidlmühle die Erzählung, zittern mit, eingesperrt im Raum ohne Tür. Der Schuss, traditionell das Ende der Lesung nach sechs Minuten, lässt alle zusammenzucken. Vereinzelt wird gelacht ob der eigenen Schreckhaftigkeit. Zurück bleibt die Enttäuschung, allein zu bleiben mit dem Beginn der Erzählung, die nun im Nirgendwo endet. Denn diese Kurzgeschichte ist noch nicht auf dem Markt erschienen. Ansonsten aber wird aus Buchwerken gelesen - zum Glück. Man kann es kaufen, wenn die sechs Minuten fesseln.

Mörderische Schwestern nennt sich das nach amerikanischem Vorbild gegründete Netzwerk von Krimiautorinnen und Leserinnen. 13 von ihnen, die alle im Großraum München leben, sind erschienen. Unter ihnen ist auch die Kirchheimer Autorin Friedlind Lipsky. Zusammen mit Ingeborg Struckmeyer hat sie „Manchmal muss es eben Mord sein“, einen humorvollen Krimi über eine liebenswerte Mörderin geschrieben. Das Paar hatte an diesem Abend die Lacher auf ihrer Seite. Denn wenn Elfi am Grab vom Ludwig die Erlaubnis zum Morden holt, ist Schmunzeln angesagt.

Ganz anders bei der Geschichte von Edgar, dem Friseur, dem die komische Schwangere den Tod bringen wird. Anna Schneider braucht nur wenige Sekunden. Schon ist der Zuhörer mitten drin in der düsteren Atmosphäre, gebannt von Edgars letzten Lebensmomenten. Doch soweit kommt es nicht. Der Schuss holt einen in die Realität zurück. Das Buch „Waschen, Föhnen, Umlegen“ erzählt den Rest.

Anna Schneider ist eine typische Mörderische Schwester. Die 47-jährige promovierte Betriebswirtin hat viele Jahre als Personalberaterin bei einer Großbank in Frankfurt gearbeitet. Erst vor wenigen Jahren machte sie das Hobby zum Beruf. 2008 gewann sie den Women’s Edition Kurzkrimi-Preis. Solche Biographien sind an diesem Abend nicht ungewöhnlich.

Janet Clark hat fast einen identischen Lebensweg. Nach dem Studium war die gebürtige Münchnerin Marketing-Leiterin. Erst 2006 kam die heute 46-Jährige zum Schreiben. Ihr Prolog aus „Rachekind“ fesselt, denn sie lässt den Ermordeten sprechen: „Erde auf Mund und Nase, ich sehe klar, so klar wie nie zuvor.“ Der Knall ertönt - und die Zuhörer sehen gar nicht klar, wollen aber das „Rachekind“ lesen. agm

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