Nachbar-Bürgermeisters Nachhilfe

- Helmut Dworzak erklärt Feldkirchner SPD moderne Ortsplanung

Feldkirchen - Eine knackige Lehrstunde in Sachen moderne Regional- und Ortsplanung hat die Feldkirchner SPD erhalten. Als Nachhilflehrer hatte der Ortsverein allerdings keinen ortsansässigen Experten engagiert, sondern Haars Bürgermeister Helmut Dworzak (SPD). "Wir wollten einfach mal eine Außenperspektive zu diesem Thema", so die Begründung des SPD-Ortsvorsitzenden Frank Wilhelm-Mauch. Naja, und irgendwie habe man in Feldkirchen auch niemanden mit dem nötigen theoretischen Wissen über derartige Dinge vorzuweisen.

"Das ist aber nur ein Problem der SPD", kontert Feldkirchens Bürgermeister Leonhard Baumann (CSU). Er sehe es nicht als seine Aufgabe an, deren Mitglieder über aktuelle Geschehnisse auf dem Laufenden zu halten.

Dworzak, der im Regionalen Planungsausschuss sitzt, war beim Thema Ortsplanung ganz in seinem Element. Unterhaltsam skizzierte er die internationale Gesamtentwicklung: Vom Hochhausbau in Korea, wo die Menschen wie in vertikalen Dörfern leben, über die Ghettobildung in den USA bis hin zu den Problemen von Feldkirchen und der Region, auf die er nach rund einer Stunde zu sprechen kam. Diese schilderte er sehr anschaulich: "Wenn wir so weiterbauen wie bisher, dann ist Bayern im Jahr 2380 komplett zubetoniert."

Als eine Lösungsmöglichkeit sei die Nachverdichtung innerhalb der Ortschaften in der Diskussion, so Dworzak. "Aber wie können wir nachverdichten, ohne die Ortsmitte mit Neubauten zu verschandeln?", lautete die Frage eines der 13 Mitglieder, die zum Vortrag erschienen waren. Die Antwort: "Ganz einfach, engagiert`s einen gscheiten Architekten, der die Neubauten schön ins Ortsbild einfügt."

Amtskollege Baumann winkt ab

Auch für das Problem, wie man Lebensmittelmärkte in der Ortsmitte hält, hatte Dworzak eine Lösung: "In Haar haben wir festgelegt, dass Einkaufsmärkte nur innerhalb des Ortes und nicht am Rand gebaut werden dürfen." Zack, so einfach geht das, liebe Feldkirchner Genossinnen und Genossen. "Unsere Verwaltung ist nicht einmal in der Lage, einen großen Strukturplan für die künftige Ortsentwicklung aufzustellen", kritisierte SPD-Gemeinderätin Silvia Pahl-Leclerque.

"Stimmt nicht", widerspricht Bürgermeister Baumann auf Nachfrage. Während der starken Bauphase 1996 habe es Strukturpläne gegeben. Man habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass diese zu keinem anderen Ziel kämen als Bebauungspläne und habe sie daher wieder abgeschafft - ohne jeden Protest der SPD. Für den größten Teil der Gemeinde gebe es Bebauungspläne, die die Entwicklung festlegten.

Dworzaks Fazit: Einen Königsweg, wie die Gemeinden im Landkreis ihre Zusammenarbeit in Sachen Regionalplanung verbessern könnten, wisse er auch nicht. "Im Endeffekt macht halt dann doch jeder Bürgermeister sein eigenes Ding." Kerstin Stetter

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