Nachbarin schaltet die Polizei ein

Haar - Im Prozess um zwei Kindstötungen in Neuried (1995) und Haar (2009) hat die 39-jährige Angeklagte am vierten Verhandlungstag beide Fälle eingeräumt.

Im Laufe der Vernehmung von weiteren Zeugen versuchte sie jedoch, von ihrem Geständnis wieder abzurücken.

Auf Nachfrage des Gerichts, ob sie – gemäß der Anklage – 2009 das Kind nach der Geburt in der Badewanne unter Wasser gehalten hätte, erwiderte sie: „Nein, ich habe es nicht unter Wasser gedrückt.“ Für die 1. Strafkammer am Landgericht München I war dieses ständige Hin- und Herwechseln zwischen den vorgebrachten Versionen nichts Neues.

Auch die Zeuginnen aus der Nachbarschaft bestätigten diese wirren und ziellosen Angaben. Demnach hatte keine der Frauen die Angeklagte ernst genommen, als sie 2008 am Spielplatz erzählte, sie sei schwanger, könne das Kind aber nicht abtreiben, da sie sich aufgrund ihrer Brustkrebserkrankung einer Chemotherapie unterziehen müsste. Das Kind müsste deshalb ausgetragen und dann zum Sterben hingelegt werden, habe die Angeklagte den anwesenden Müttern erzählt.

Als eine der Frauen, die 35-jährige Melanie N., am Ostersonntag vergangenen Jahres vom Fund der Babyleiche auf dem Balkon erfuhr, hielt sie ihre Informantin an, sofort die Polizei einzuschalten. „Du musst das melden, sonst machst Du Dich straffällig. Es geht nicht um ein geklautes Radl, sondern um ein totes Kind“, erinnerte sich die 35-Jährige. Als sich die Bekannte zierte, schaltete sie selbst die Polizei in Haar ein.

Unter Tränen berichtete später eine andere Nachbarin über den Fund der Leiche. Mit ihrer Tochter hatte sie den Balkon der Angeklagten aufgeräumt, von dem ein so übler Geruch ausging, dass es die Angeklagte in der eigenen Wohnung nicht mehr ausgehalten hatte. Dann fanden die Frauen das Baby. „Es sah ganz normal aus, wie ein Baby, das gerade auf die Welt gekommen ist“, erinnerte sich die Zeugin. Der Prozess dauert an.

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