„Das ist eine tickende Zeitbombe“

Straßlacher Nachbarn fürchten sich vor Dobermann

Straßlach - Die Straßlacher haben Angst vor einem Hund. Eine 52-jährige Anwohnerin wurde von dem Dobermann auf offener Straße bedroht. Der 75 Jahre alte Hundebesitzer dagegen fühlt sich zu Unrecht beschuldigt.

In Straßlach vermeiden sie es, den Bürgersteig in der Urspringer Straße zu benutzen. Aus Angst. Es geht um mehrere Familien aus dem Ort, die sich nach zwei Zwischenfällen mit einem aggressiven Hund eines dort wohnenden 75-Jährigen Hundebesitzers nicht mehr sicher fühlen. Die betroffenen Personen sind so verängstigt, dass sie ihren Namen auch nicht in der Zeitung lesen möchten.

„Ich war wie geschockt“, erzählt eine 52-jährige Straßlacherin von jenem Tag, an dem sie von einem zähnefletschenden Dobermann bedroht wurde. Heuer, am 28. August, war der Hund mit braunem Fell aus dem Grundstück in der Urspringer Straße ausgebüchst, rannte auf die mit dem Fahrrad vorbeifahrende Frau zu und zwang sie, von ihrem Rad abzusteigen. Die Frau, die selbst mit Schäferhunden aufwuchs, vermied den Blickkontakt mit dem Hund und behielt die Nerven, bis der Hundebesitzer hinzukam. Ihr Glück. „Hätte ich versucht abzuhauen, dann hätte er mich zerlegt“, ist sich die Frau sicher. Nicht so überlegt wie die Straßlacherin hätte sich da womöglich ein Kind verhalten. „Ein Kind hat da keine Chancen.“

Es war bereits der zweite Zwischenfall dieser Art: Im März 2011 gab es ein ähnliches Szenario mit demselben Hund. Damals war eine 39-Jährige Frau aus der näheren Nachbarschaft betroffen.

In der Nachbarschaft, unweit einer Kindertagesstätte, herrscht große Beunruhigung. „Das ist eine tickende Zeitbombe“, ist die Anwohnerin empört. Sie will zudem beobachtet haben, dass der Dobermann am 14. September ohne Leine und Maulkorb aus dem offenen Tor gerannt sei. Und dass, obwohl der Hund seit dem Vorfall im Jahr 2011 von der Gemeinde bereits eine Leinen- und Maulkorbpflicht außerhalb des eigenen Grundstückes auferlegt bekommen habe. „Ich gehe an dieser Stelle gar nicht mehr vorbei“, sagt ein 80-Jähriger Nachbar, der seit über 40 Jahren in der Gemeinde wohnt.

Der Hundebesitzer, der mit seiner Lebensgefährtin seit den frühen 80er-Jahren in dem Haus in Straßlach wohnt, sieht seinen Vierbeiner hingegen nicht als Bedrohung. „Da braucht man keine Angst haben“, sagt der Rentner, der seinen Hund beim Gespräch mit unserer Zeitung auf seinem Grundstück nicht präsentieren wollte. Auch die Vorwürfe der verantwortungslosen Haltung des Hundes, dessen Bellen kurzzeitig aus dem Haus zu hören war, sieht der grauhaarige Mann nicht. „Ich halte den Hund verantwortungsvoll und ordnungsgemäß. Ich stachele ihn auch nicht an. Das ist nicht der Wahrheit entsprechend. Ich habe keinen Grund, den Hund auf jemand anderen loszulassen.“ Vielmehr sieht sich der Bürger von der Nachbarschaft bedroht. Aus Sicherheitsgründen halte er den Dobermann. „Wir fürchten uns um unser Leib und Leben“, sagt der 75-Jährige mit ernster Stimme.

Die Angst des älteren Herrn kann Straßlachs Bürgermeister Hans Sienerth nicht teilen. „Ich halte das für vorgeschobene Gründe. Dort wohnen Familien mit Kindern. Ich kann dort keine Nachbarn erkennen, die ihn bedrohen.“

Sienerth habe selbst mit dem 75-Jährigen gesprochen. Bei seinem Besuch habe er einen anderen Eindruck gewonnen. Er bat den Hundebesitzer darum, den zu diesem Zeitpunkt aufgebrachten Hund zu beruhigen. Dazu sei der Mann laut Sienerth aber nicht in der Lage gewesen.

„Wir sehen eine potenzielle Gefahr und beim Besitzer nicht die Ernsthaftigkeit, diese Gefahr zu erkennen“, so Sienerth. Nach dem rechtskräftigen Bescheid zur Leinen- und Maulkorbpflicht habe man dem Mann für den Fall der Unterlassung ein Zwangsgeld von 500 Euro auferlegt und dies nach dem jüngsten Vorfall auf 1000 Euro erhöht. Mittlerweile wurde ein Verfahren zur Haltungsuntersagung eingeleitet, gegen das der Hundebesitzer Widerspruch eingelegt hat.

Die im August betroffene Frau möchte mit dem Vermerk bei der Polizeiinspektion in Grünwald Schlimmeres verhindern. „Ich möchte reagieren, bevor etwas passiert. Ich wünsche mir zudem, dass der Besitzer zur Besinnung kommt.“

Das dürfte im Moment eher schwierig werden. Der Dobermann-Halter kündigte bereits rechtliche Schritte gegen das Haltungsverbot an und bleibt stur: „Der Hund wird unter keinen Umständen abgeschafft.“

Robert M. Frank

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