Vier für Magda Roos: Ulrich K. Wendt (l.) spielt bei der Vernissage, Charlotte Schwab (Mitte) liest. Andreas Modlinger (r.) ist der Sohn von Magda Roos, hier mit seiner Frau Christine. Er hat Arbeiten aus dem Nachlass seiner Mutter für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Foto: MIc

Aus dem Nachlass einer selbstkritischen Künstlerin

Unterföhring - Im Bürgerhaus Unterföhring sind bis zum 11. Mai „wunderbare Bilder einer ebenso wunderbaren Frau" zu sehen, wie Thomas Weingärtner, der zweite Bürgermeister von Unterföhring, bei der Vernissage zur Aussstellung von Magda Roos sagte.

Gewürdigt wird das Schaffenswerk der Malerin, Zeichnerin und Autorin Magda Roos, die 1920 in Cuxhaven geboren wurde, viele Jahre in Unterföhring lebte und 1976 in ihrer Heimat Cuxhaven nach schwerer Krankheit starb. Ihr Sohn Andreas Modlinger und dessen Frau Christine stellten aus einem Fundus von mehr als 400 Ölgemälden und Zeichnungen zahlreiche Exponate zur Verfügung, die zum Lebensmotto der Künstlerin und zum Titel der Ausstellung „Die Kunst, mein Leben“ passen.

Umrahmt wurde die Vernissage von einer Diaschau mit einführenden Worten von Christine Modlinger, Bandoneon-Musik von Ulrich K. Wendt und einer Lesung mit Charlotte Schwab, die aus Magda Roos’ Buch „Feloma“ vorlas. Das Buch enthält die Kindheitserinnerungen von Magda Roos und dazu gehörte die Erinnerung an das, womit das künstlerische Schaffen begann: Ein Bleistift, den Magda Roos als Kind von ihrem Vater geschenkt bekommen hatte und „der oft viel Geduld aufbringen musste, um ihn neu zu spitzen“. Schon im Gymnasium fiel das Talent der Magda Roos auf und mit nur 17 Jahren trat sie in die Kunsthochschule Hamburg ein. Ihr Studium schloss sie in München ab, arbeitete dann als Technische Zeichnerin bei BMW und heiratete 1944 den Ingenieur Richard Modlinger. 1945 wurde Sohn Andreas geboren und die Familie zog nach Unterföhring in die Gartenstraße. Doch in der Ehe kriselte es und 1956 folgte die Scheidung. Mitte der 1960er-Jahre zog es Magda Roos nach Cuxhaven, wo sie Zeichnungen für eine Zeitung anfertigte. 1976 starb sie nach schwerer Krankheit und hinterließ einen beachtlich großen Nachlass. Beachtlich ist er, weil Magda Roos „sehr selbstkritisch war und viele ihrer Arbeiten selbst vernichtete, wenn sie nicht zufrieden war“, erzählte Christine Modlinger.

Die Ausstellung gibt einen breiten Einblick in das Schaffen der Künstlerin: Farben und Formen führen die Stimmungen vor Augen, wie etwa das satte Grün eines Waldes, in dem sowohl runde als auch gezackte Blätter an den Bäumen zu entdecken sind. Mit genauem Blick und spitzem Pinsel knöpfte sie sich eine Partygesellschaft mit ausgelassenen Tanzpaaren und lüsternen Blicken an der Bar vor. Der Widerstreit zwischen Gefallen und Missfallen scheint aus dem Aktgemälde mit Katze zu sprechen: Eine nackte Blondine sitzt am Boden und die Katze sucht über den Arm gleitend das Weite - die Frau lächelt, die Katze schaut mürrisch. Es gibt viel zu entdecken bei dieser sehenswerten Ausstellung.

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