Die nächste teure Panne

TU muss alle Neubau-Fenster rausreißen

Garching - Die Pannenserie beim Neubau des 57 Millionen Euro teuren Katalysezentrums der Technischen Universität München auf dem Campus Garching reißt nicht ab.

Garching - Wolfgang Herrmann und die Sonne strahlten an jenem Julitag im Jahr 2009 um die Wette. „Ich bin wirklich kein Kind von Traurigkeit, aber selten war ich so gut aufgelegt wie heute“, bekannte der TU-Präsident. Anlass war die Grundsteinlegung für das neue Katalysezentrum auf dem Garchinger Forschungscampus - ein Prestigebau, der den Standort laut Herrmann „an die Weltspitze“ bringe. Inzwischen jedoch ist dem TU-Präsidenten das Lachen wohl vergangen. Denn das 57 Millionen Euro teure Gebäude steht unter keinem guten Stern. Nachdem Pfusch am Bau den ursprünglich im Jahr 2012 geplanten Einzug verzögerte (wir berichteten), folgt nun die nächste Hiobsbotschaft: Nahezu alle Fenster des 6500 Quadratmeter großen Katalysezentrums müssen ausgetauscht werden. „Das betrifft etwa fünf Sechstel der Verglasung“, sagt Gero Hoffmann, Baudirektor beim Staatlichen Bauamt München II, dem zuständigen Bauherrn.

Die Maßnahme wird rund 700 000 Euro kosten, die zunächst mal das Baumamt bezahlt. „Wir sind gerade dabei zu prüfen, wie und wem wir das in Rechnung stellen können“, sagt Hoffmann. „Dem Freistaat soll kein finanzieller Schaden entstehen.“ Weit schlimmer ist die erneute Verzögerung des Einzugs. „Wir hatten schon einen Übergabetermin mit der TU vereinbart“, sagt Hoffmann. „Doch der Austausch der Fenster wird jetzt noch mal ein halbes Jahr dauern.“ Ende Januar sollen die Physiker und Chemiker der TU die ersten Labore beziehen, bei denen die Scheiben bereits erneuert wurden. Der komplette Umzug wird erst im Sommer 2015 über die Bühne gehen.

„Für uns ist das sehr ärgerlich und belastend“, sagt TU-Pressesprecher Ulrich Marsch. Die TU leide unter großer Raumnot. Überdies sei es unter diesen Umständen sehr schwierig, neue Professoren zu gewinnen. Denn die defekten Fenster sind nur das i-Tüpfelchen in einer Reihe von Pleiten und Pannen beim größten Bauprojekt der TU München. So musste nach Baufehlern in sämtlichen Fluren der Estrich wieder herausgerissen und neu verlegt werden. Zudem schlug eine Entsalzungsanlage leck, und an der Fassade gab es Probleme: Weil die Carbon-Composit-Platten den Brandschutztest nicht bestanden, musste ein Vertrag aufgelöst werden; stattdessen ziert nun Aluminium die Außenwände.

„In meinem Berufsleben ist es mir noch nicht passiert, dass es bei einer Baumaßnahme so viele Sachen hintereinander gab“, sagt Hoffmann. „Es wäre falsch, wenn ich sagen würde, dass ich nicht froh bin, wenn dieses Katalysezentrum endlich fertig ist.“

ps

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