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Die Filmemacherin und Journalistin Kathrina Edinger vor ihrer Installation „Hors Champ“ auf dem Max-Joseph-Platz.

Installation „Hors Champ“

Nehmt die Scheuklappen ab

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Höhenkirchen - Filmemacherin, Künstlerin und Autorin: Das, was Kathrina Edinger aus Höhenkirchen tut, ist facettenreich und passt nicht einfach so in eine Schublade.

Auf den Blickwinkel kommt es an, den Fokus. Momentan ist die 32-Jährige mit einer Dokufilm-Installation in München anzutreffen. „Hors Champ“, so der Titel, wird gefördert vom Kulturreferat der Stadt. Nur wenige Stühle stehen in dem kleinen Stahlcontainer auf dem Max-Joseph-Platz. Ein Ventilator kämpft gegen sommerliche Hitze. Noch bis Donnerstag ist Kathrina Edinger hier anzutreffen, hier zeigt sie ihr Projekt. „Manchmal muss man einfach mutig sein, dann klappt es auch“, sagt sie gut gelaunt und lacht. Noch vor wenigen Monaten hätte sie nie gedacht, „dass das mit der Installation funktioniert“.

Erst im November hatte sie sich für den diesjährigen Wettbewerb „München – dezentral“ bei der Stadt beworben. Er ist Teil des Programms „Kunst im öffentlichen Raum“. Im Februar kam das Okay, ihr Konzept wurde belohnt. Insgesamt fünf Projekte wurden ausgewählt und damit realisierbar gemacht. 15 000 Euro erhielt die Filmemacherin für „Hors Champ“ (französisch für „außerhalb des Feldes“). Drei Monate Recherche und Dreharbeit liegen jetzt hinter ihr. Das Ergebnis: eine 29-minütiger Film-Installation in Dauerschleife, die elf Orte am Rande der Wahrnehmung zeigt. „Dazu gehören Bereiche oder Dinge, von denen wir wissen, dass es sie gibt, aber die wir wie mit Scheuklappen nicht bewusst wahrnehmen“, erklärt Edinger. Etwa ein unterirdischer Bach, das Magazin der Staatsbibliothek, Schlafplätze Obdachloser unter Brücken, ein Arbeiter im nächtlichen U-Bahnhof. In einer Sequenz sitzt ein Greis in einem Hauseingang und spielt Geige. Passanten gehen an ihm vorbei, als wäre er nicht da. Aber auch er nimmt sie nicht wahr. Für ihn sind sie nichts als vorbeieilende Beine. Seine Musik verhallt ungehört in der Luft. 

Belehren will Kathrina Edinger niemanden. Eher dazu ermutigen, ausgetretene Pfade bewusst einmal zu meiden, dem persönlichen Umfeld mit offenem Visier zu begegnen. „Wenn man etwas nicht gerne macht, kann man darin auch nicht gut sein“, ist die Filmemacherin überzeugt. Damit es erst gar nicht dazu kommen konnte, machte sie sich vor zwei Jahren selbstständig und arbeitet als freie Autorin für Radio- und TV-Produktionen. Dem festen Job bei einer Fernsehproduktion kehrte sie den Rücken. Auftraggeber sind heute unter anderem WDR, BR, Arte und EinsPlus. Zwischenzeitlich machte sie den Magister, studierte Geschichte und Germanistik an der LMU München. Sozialkritische Themen liegen ihr besonders am Herzen, in ihren Arbeiten setzt sie sich für Verfolgte ein. Für ihre Reportage mit Amerr, einem Flüchtling aus Pakistan, der in Nördlingen eine Malerausbildung machen darf, erhielt sie den Kausa-Medienpreis in der Kategorie „Video“. Kathrina Edinger lebt mittlerweile in Giesing, die Eltern wohnen noch in Höhenkirchen. Was sind ihre nächsten Pläne? Zunächst fliegt sie am Montag mit einer Freundin in die Staaten, nach Louisiana soll es gehen. Zehn Jahre nach dem Hurrikan Katrina: Natürlich nimmt die 32-Jährige da auch die Kamera mit. Insgeheim träumt sie von einem ganz großen Film, „vielleicht über ein Festival“, sagt die Autorin.

 Ihrem Genre bleibt sie auch zukünftig treu, der klassische Dokumentarfilm ist ihr Ding. Die Installation „Hors Champ“ im Container auf dem Max-Joseph-Platz ist noch bis Donnerstag, 11. August, täglich von 11 bis 17, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Kathrina Edinger ist vor Ort und steht gern für Gespräche bereit. Weitere Informationen: www.kathrinaedinger.de/hors-champ.

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