Nette Geste geht nach hinten los

Ottobrunn - FDP-Gemeinderat Axel Keller ist unzufrieden mit einem Geschenk für die Tennisabteilung

Das ging in die Hose. Zum 80-jährigen Bestehen überreichte Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer der TSV-Tennisabteilung eine Spende von mageren 80 Euro. „Peinlich“, wütet FDP-Gemeinderat Axel Keller. Peinlich, findet auch Vereins-Vorsitzender Josef Hasler. Er meint allerdings nicht Loderers Aktion, sondern Kellers Reaktion.

Der Bürgermeister hatte das Sommerfest der Tennisabteilung des TSV Neubiberg/Ottobrunn bereits verlassen, da begannen die ersten Gäste, verdutzt ihre Köpfe zu schütteln. Hatte er das gerade wirklich gemacht? Dieser Abteilung, die - 80-jährig - für Ottobrunner Verhältnisse ein Dino unter den Sportgruppen ist, magere 80 Euro gespendet?

Er hatte. Ein geschlossenes Kuvert in der Hand, hatte Thomas Loderer (CSU) erklärt, für jedes Abteilungs-Jahr einen Euro dort hineingesteckt zu haben. „Das war kein Gag, sondern sein Ernst. Er hat das vollmundig verkauft“, sagt Axel Keller, der für die FDP im Ottobrunner Gemeinderat sitzt. Eine Geste, ja. Vielleicht auch eine nett gemeinte, gut. Aber eine, die nicht wenige Gäste peinlich berührt zurückließ - berichtet zumindest Keller. „Jeder hat gemeint, da kommt noch was.“

Es kam nichts. Und zwar deshalb, weil die Zuschussrichtlinien der Gemeinde eine Spende nach einer genauen Staffelung vorsehen. Für 50 Jahre: ja. Für 75 Jahre: ja. Für 80 Jahre: nein. Ein Blick in die Statuten wirkt Wunder. Schön wär’s trotzdem gewesen, meint Keller, und listet in einer Rundmail Vereine auf, die nach 40 oder 50 Jahren Zuschüsse von bis zu 680 Euro bekamen.

Der Berechnungs-Satz lautet: X0 Jahre = 420 Euro + 0,40 Euro pro Mitglied. Rechnet man das durch, wären das bei 313 aktiven Mitgliedern satte 545,20 Euro gewesen. „Davon hätten wir zum Beispiel ein neues Netz für die Jugendlichen kaufen können“, sagt Keller. „Aber mit 80 Euro können wir nicht viel anfangen.“

Bürgermeister Loderer reagiert empört und hält Kellers Reaktion für eine „Unverschämtheit.“ Immerhin habe er die kleine Spende aus seinen Verfügungsmitteln finanziert. Machen müssen hätte er’s nicht. So sieht das auch der TSV-Vorsitzende Josef Hasler. Kellers Beschwerde-Mail sei eine „große Sauerei“, für die er, also Hasler, sich bei Loderer entschuldigen werde. Schließlich sei er „froh um jede Spende“. Außerdem sei Loderer, im Gegensatz zu seinem - entschuldigten - Kollegen aus Neubiberg, zumindest da gewesen, trotz Sonnwendfeier in Ottobrunn. „Eine Ehre“, wie Hasler meint.

Unterdessen hat auch Keller eingesehen, dass seine Reaktion etwas zu heftig ausgefallen ist. Dass der Abteilung aber laut Richtlinie kein Geld zusteht, möchte er nicht akzeptieren. Er werde anregen, im Kulturausschuss nochmals darüber zu beraten, sagt er entschlossen.

Marcus Mäckler

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