Nette Nervensägen

Schäftlarn - Abschied von den Abiturienten im Kloster Schäftlarn

Schäftlarn - Der Abiturjahrgang 2015 am Kloster Schäftlarn war etwas Besonderes: Humorvoll, über Gebühr fleißig und herzlich. Oder, wie Tagesheim- und Internatsleiter Stefan Günzel in seiner Rede zusammenfasste: „Ihr wart die nettesten Nervensägen, die man sich vorstellen kann.“

Nun wurden die Abiturienten ins Leben entlassen. „Liebe und Vertrauen ins Leben, Humor und Selbstannahme“ wünschte Abt Petrus Höhensteiger seinen ehemaligen Schülern. Er selbst war, als die Buben und Mädchen 2007 als Fünftklässler in die Klosterschule kamen, ihr damaliger Präfekt. „Im Jahr darauf sollte ich Abt werden, aber Ihr habt mich gebeten, die Wahl nicht anzunehmen“, erinnert sich Höhensteiger. Der Grund: „Ich hätte meine Präfektur aufgeben müssen.“

Als Abt Petrus diesem Wunsch nicht entsprach und sich von „seiner Fünften“ verabschiedete, war dies mit „größeren Turbulenzen“ verbunden. „Man erzählte mir, dass bei der nachfolgenden Lateinschulaufgabe die Konzentration schwer gelitten hat.“ Der Abt atmet tief durch. „Anders gesagt: Mir wurden Eure Fünfer und Sechser in die Schuhe geschoben.“ Höhensteigers Nachfolger als Präfekt wurde Günzel. Er bat die ehemaligen Schülerinnen und Schüler in seiner Abschiedsrede, in einer Zeit „wo das Smartphone die engsten Lebenspartner geworden sind“, eine eigene Weltsicht zu entwickeln. „Nutzen Sie die Möglichkeiten, sich zu informieren, aber vergessen Sie das Menschsein nicht.“

Ähnliche Worte fand Schulleiter Wolfgang Sagmeister. „Das Wichtigste Element in der Schule ist großherzig zu sein“, zitierte er Papst Franziskus. Dass diese Großherzigkeit bei den diesjährigen Schulabgängern mehr als nur Vorhanden ist, haben die Schüler durch ihre begeisterte Mitarbeit im Chor, der Theatergruppe, der Big Band oder der Akrobatikgruppe bewiesen. „Ihr wart mit ganzem Herzen dabei.“

Einen humorvollen Rückblick auf die Schuljahre aus Schülersicht gaben Georg Sibbel und Julius März. Neben Gedichtzitaten („Was soll damit eigentlich gesagt werden?“) großer Meister und eigenen Werken („Hoffentlich müssen unsere Nachfolger diese Zeilen nie auf Stilmittel untersuchen“) erinnerten sie daran, „dass eine Schulstunde von 45 Minuten endlos sein kann - außer, wenn man gerade über einer Ex sitzt.“ Ebenso war der Kampf um den Sitzplatz im Bus eröffnet, „sobald die winkenden Eltern außer Sichtweite waren“ und die Erfahrung, dass das „Essen oft besser schmeckt als es aussieht, aber auch umgekehrt“, unbezahlbar ist. Dennoch gilt die Zeit in der Klosterschule nur als Etappenziel, aber „sie hat Euch vorbereitet zu meistern, was nun kommt“, fasste Elternbeiratsvorsitzender Oliver Fritz zusammen. Doch eines wird man den Schülern nie wieder nehmen können. Sagmeister: „Ihr seit Schäftlarner und werdet dies ein Leben lang bleiben.“

Sabine Hermsdorf

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