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So wird es aussehen, wenn die 20 Meter hohen Neubauten vor der 30 Meter hohen Reaktor-Kuppel stehen.

Wahrzeichen verschwindet

Neubauten verdecken das Atomei Garching

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Garching - Wie kein anderes Gebäude steht das Atomei für den Aufstieg Garchings vom Dorf im Moos zu einem Forschungszentrum von Weltrang. Nun jedoch sollen zwei Neubauten den Blick auf das Wahrzeichen nahezu komplett verstellen. Schade, finden viele Stadträte.

Das Wappen der Stadt Garching ist fast ein halbes Jahrhundert alt. In seinem oberen Teil stehen zwei Kiefern für die umliegende Heidelandschaft; dazwischen prangt ein rotes Wagenrad – Symbol einerseits für die frühere Poststation im Ort und andererseits für die Heilige Katharina, Patronin der alten Kirche.

Ungleich weltlicher geht es in der unteren Wappenhälfte zu: Sie zeigt die markante Kuppel des Garchinger Atomeis. Der erste Forschungsreaktor in Deutschland, 1957 in Betrieb genommen, ist die Keimzelle jenes Forschungsgeländes, auf dem heute rund 15 000 Studenten und 8000 Beschäftigte verkehren – pro Tag! 

Der Garchinger Campus ist nicht nur der wichtigste Standort der TU München, sondern auch die Heimat zahlreicher Institute von Weltrang; von mehreren Max-Planck-Instituten über die Europäische Südsternwarte bis hin zum Leibniz-Rechenzentrum. Und all das hat dereinst mit dem Atomei begonnen. Fraglos das Gebäude, das die Entwicklung Garchings so stark geprägt hat wie kein anderes. 

Den freien Blick aufs Atomei werden die Garchinger jedoch bald nur noch genießen können, wenn sie auf ihr Wappen schauen. Denn unmittelbar neben dem vor 15 Jahren stillgelegten Reaktor will die TU München zwei neue Gebäude errichten; beide viergeschossig und gut 20 Meter hoch. Auf insgesamt fast 9000 Quadratmetern Geschossfläche sollen Labore, Büros, Werkstätten und Lagerräume entstehen. Der Baubeginn ist laut TU-Angaben für Anfang 2017 anvisiert, die Fertigstellung knapp zwei Jahre später.

Bürgermeister Gruchman findet's schade

Es gibt da nur einen Haken: Die beiden Neubauten werden den Blick auf die aluminiumverkleidete Kuppel des stillgelegten Reaktors nahezu komplett versperren – schließlich ist das denkmalgeschützte Atomei selbst nur 30 Meter hoch. „Ich finde es schade, dass die TU den freien Blick auf unser Wahrzeichen verstellt“, sagte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) im Bauausschuss des Stadtrats, der dem Antrag dennoch mit großer Mehrheit zustimmte.

Grüne Wundrak pocht auf Denkmalschutz

Lediglich die Grünen-Räte Ingrid Wundrak und Hans-Peter Adolf votierten dagegen. Letzterer regte an: „Man könnte wenigstens auf den vierten Stock verzichten, damit man das noch ein bisschen sieht.“ Ingrid Wundrak berief sich derweil auf den Denkmalschutz: Ein solches Gebäude könne doch nicht einfach zugebaut werden.

Die Sichtbarkeit spiele beim Denkmalschutz jedoch keine Rolle, erklärte Bauamtsleiter Klaus Zettl. Überdies wies er darauf hin, dass die Debatte weitgehend müßig sei. Schließlich habe der Stadtrat bei den Planungen zur Neuen Mitte auf dem Campus einer Blockade der Sichtachse bereits zugestimmt. Der Galileo genannte 150-Millionen-Euro-Bau soll Ende 2017 bezugsbereit sein und wird den Blick auf die silbern glänzende Reaktorkuppel von Westen her fast völlig verstellen.

Ohnehin kann der Garchinger Stadtrat bei Bauten auf dem Campus nur bedingt eingreifen. Auch im Fall der nun abgesegneten Gebäude hätte die TU ihre Pläne auch ohne Zustimmung des Bauausschusses weiter verfolgen können. 

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