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Hoch über den Dächern von Höhenkirchen-Siegertsbrunn findet die Kreiskonferenz des fiktiven Landkreises Energetingen statt. Die 150 Zehntklässler des Gymnasiums Neubiberg repräsentieren die Vertreter verschiedener Gemeinden.

Planspiel

Frischer Wind für die Energievision

Neubiberg - Der Atomreaktor des fiktiven Landkreises Energetingen wird abgestellt. Wie erhalten die fünf Gemeinden zukünftig dann Strom? Daran arbeiteten 150 Zehntklässler des Gymnasiums Neubiberg im Rahmen eines Planspiels der TU München.

Die Ergebnisse ihres Planspiels präsentierten die Schüler im Rahmen einer Kreiskonferenz hoch über den Dächern von Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Photovoltaik, Geothermie oder doch eher Windkraft? Fünf zehnte Klassen, entsprechend fünf Gemeinden und damit fünf mögliche Energievisionen. Die 15- bis 16-Jährigen legten sich für die Sache ordentlich ins Zeug.

 Jeder übernahm dabei eine Rolle, war Bürgermeister, Gemeinderat oder Pressevertreter. Auch Bürgerinitiativen oder Bauunternehmer kamen im Rahmen der Diskussionen zu Wort. Seit Anfang des Jahres arbeiteten sich die jungen Leute in die Thematik ein. Was sichert die Energieversorgung des Landkreises Energetingen? Die finale Entscheidung fiel in der Kreiskonferenz im Arcone-Center Höhenkirchen-Siegertsbrunn. „Ich kannte vorher viele der Energiemöglichkeiten nicht“, sagt Richard Sernetz aus der 10c. Er vertritt die Rolle eines Gemeinderats aus Erdach. Dort ist die Geothermie Trumpf. „Das interessiert mich wirklich, ich bin auch nach Holzkirchen gefahren und habe vor Ort recherchiert“, erzählt der 16-Jährige. Dort soll tatsächlich bis Ende 2017 das Kraftwerk in Betrieb gehen. Die Gestaltung der Zukunft ist für ihn reizvoll. „Aber freiwillig hätte ich mich privat wohl nicht so intensiv damit befasst“, räumt er ein.

 Als Umweltschützerin ist Anna-Lena Wiedmann (16) heute dabei. Sie findet es sehr spannend, von der Vielfalt regenerativer Energien zu hören. „Wie man den Strom dann aber kauft, weiß ich noch nicht“, sagt sie lachend.

 Von Haus aus im Thema ist Alexander Friedrich aus der 10e. „Mein Vater ist in einer Bürgerinitiative engagiert“, erzählt der 16-Jährige. Seine Klasse untersuchte den Einsatz eines Pumpspeicherkraftwerks für das fiktive Schönbrunn. In der Rolle als Umweltschützer sprach sich Alexander dagegen aus. Grund: zu hohe Betriebskosten und ein riesiger ökologischer Fußabdruck. Auch die vergleichsweise lange Bauzeit sei ein Ausschlusskriterium. Eine Alternative stelle das Power-to-Gas-Verfahren da, da das Gasleitsystem schon vorhanden sei. 

Recherchieren, präsentieren, diskutieren: Mehrere tausend Schüler haben bereits beim Planspiel teilgenommen. Das Gymnasium Neubiberg ist zum fünften Mal dabei. Auch Mittel- und Realschulen machen mit. Alltag, Schule und Berufsleben werden dabei spielerisch verknüpft. Einer von vielen Aspekten, weshalb Benjamin Schallenberger das Planspiel nach Neubiberg holte. Der 37-jährige Pädagoge stellte den Kontakt zu Maximilian Knogler (34) von der TU München her. 

Knogler ist Motivationsforscher an der School of Education, Dozent und Doktor am Fachgebiet Gymnasialpädagogik. Er wie auch der Miesbacher Gymnasiallehrer Klaus Masch sind die Gründerväter Energetingens. Wichtig war ihnen, Lernumgebungen zu schaffen, die die Lernmotivation fördern und stärken, und das in Zusammenarbeit mit den Schulen. Gemeinde für Gemeinde präsentierte ihre Energieversion, alle Fakten kamen dabei auf den Tisch. Dann die Abstimmung auf der Kreiskonferenz. Die Schüler bewerteten das Gesamtpaket aus Präsentation und Argumentation. Am Ende setzten sich Windkraft und Geothermie durch, jeweils zu einem Drittel. Ähnlich wie im Vorjahr. Dort verwies allerdings der Einsatz eines Pumpspeicherkraftwerks die beiden erneuerbaren Energien auf die Plätze.

Kathrin Kohnke

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