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VHS-Geschäftsführer Christoph Schulz (r.) aktiviert den QR-Code. Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland (l.) ist die Vorfreude aufs Klangerlebnis bereits anzusehen, und Heinrich Wolfensberger vom Umweltgarten-Team studiert die multimediale Aufbereitung auf der Leinwand-Matrix.

Bildung

Neubiberg hat jetzt eine klingende Landkarte

Neubiberg - Es war eine mühevolle Puzzlearbeit an der richtigen Klangfarbe und am harmonisch abgestimmten, auditiven Mix aus Information und Unterhaltung, der sich einige emsige Neubiberger unterzogen haben. Herausgekommen ist der erste Teil einer klingenden Landkarte – Hörpfade für die Gemeinde.

In Neubiberg fokussierten sich die VHS-Kursteilnehmer auf fünf wichtige Orts-Objekte, machten sie klangvoll erlebbar, vermittelten Historie und ließen Passanten zu Wort kommen: Bahnhof, Grundschule, altes Flughafengelände, Leiberheim und Umweltgarten. Im Haus für Weiterbildung ist heftiges Miauen und Kikeriki zu hören. „Die klingende Landkarte funktioniert“, freut sich Christoph Schulz bei der Übertragung des QR-Codes vom I-Phone auf jene viereckige Platte, die er gerade erst Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland überreicht hat. Der drückte einen Auswahl-Button, und das erste, feine Klangerlebnis ist damit ausgelöst. Die Lauschenden im Saal fühlen sich unwillkürlich in den Umweltgarten verpflanzt. 

Ab jetzt führt Kater Carlo die Zuhörer wortreich durchs Programm. „Miau – Ist das für mich als Kater schön, hier im Umweltgarten geweckt zu werden“, sagt der tierische Conférencier, als er sich zum Rundgang aufmacht. Tierlaute mischen sich hinein. Zu Kikeriki und plökenden Schafen im Hintergrund erklärt Carlo seine Leidenschaft. „Hier ist es nicht so wie in der Stadt, wo alles laut ist.“ Dann ist Heinrich Wolfensberger zu hören. Der Mann ist für den Umweltgarten verantwortlich und hat mit einem ganzen Team das Hörstück erarbeitet. Jetzt ist Wolfensberger selbst auf der Klangspule und bringt Kindern die artgerechte Tierhaltung und das Natur-Erleben nahe. Wolfensberger vermittelt aber auch Hörstück-Realität. „Aus 70 Stunden Material einen dreiminütigen Hörbeitrag zu fertigen, das ist nicht ganz einfach.“ Unter der Leitung von Gemeindearchivarin Barbara Reinicke wurden die Objekte für die Beiträge ausgewählt. Dann legten die Teilnehmer los, führten an den Orten des Geschehnisse Interviews und recherchierten jenes Daten- und Faktenmaterial, das die Beiträge würzen sollte. Die Hintergrundtöne und Interviews zu schneiden, Manuskripte zu straffen, Einspieltöne einzumischen und daraus fertige Beiträge zu konzipieren, dabei half die BR-Journalistin Sonja Kunze. Das Ergebnis ist eine Wonne.

Bei Ute Cox erfahren die Zuhörer, untermalt von Dampflok-Lauten aus der „guaden oiden Zeit“, alles über die Anfänge des Bahnhofs 1904, als Neubiberg von den „Königlich-Bayerischen Staatseisenbahnen“ nach angedrohten Streckenboykotten doch ins Schienennetz integriert wurde. „Zudem sollte die Bahn eigentlich um Neubiberg fahren“, erklärt Ute Cox. Sie echerchiert gerne. Knackige Interviews mit Pendlern und deren Wünschen vom Zehn-Minuten-Takt und der noch besseren nahverkehrlichen Anbindung würzen ihren Beitrag. 

Bei Nikola Eberhorn sind afrikanische Melodien zu hören. Die sonoren Klänge haben an der Grundschule auf vielstimmige Initiative die Pausenklingel ersetzt. Für Eberhorn das Entrée zum Hörstück. Kinder und Schulleitung kommen zu Wort. Die Hörer erfahren von einer Mädchenstimme alles über das Partnerschaftsprojekt der Schule mit einer Lehreinrichtung in Südafrika. „Dort haben die Kinder viel größere Probleme als wir“, weiß die Kleine zu berichten. Es bleibt spannend.

Franziska Kurz hat sich das Leiberheim in Waldperlach vorgenommen. Die Autorin wohnt seit fünf Jahren in Neubbiberg und hat den damaligen Umzugsstress mit der „verdienten Abbkühlung danach“ klangvermischt. Aufeinander prasselnde Bierkrüge heißen den Zuhörer am heißen August-Sonntag im Biergarten willkommen. Man erfährt , dass der Name „Leiberheim“ auf die Leibgarde des Königs in der Wittelsbacher Periode um 1900 zurückgeht, weil das Regiment vorwiegend hier anzutreffen war. Außerdem lässt sich Kurz in die Theaterwelten der Volksbühne Neubiberg-Ottobrunn entführen, die hier seit Jahrzehnten auftritt. „Die Interviews machen sehr viel Spaß, das Schneiden weniger“, fasst Franziska Kurz zusammen. Sie war auch bei einem weiteren Hör-Thema mit von der Partie. 

Im Dialog mit Rüdiger Berger reflektiert sie die wechselvolle Geschichte des Flugplatzareals, der heute als Landschaftspark bekannt ist. Nach Kriegsende hatten die US-Streitkräfte hier Flugzeuge gebaut, später war die Bundeswehr eingezogen. Seit Mitte der 1990er ist das Gelände Heimat für Radler und Funboarder. Berger hat das Mikro an die Rampe der Skater gelegt und Geräuschkonzerte der besonderen Art eingefangen. Auch eines dieser tollen Klang-Puzzle-Stücke. Harald Hettich

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