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Viel zu tun gab‘s am Anfang vor 30 Jahren.

30 Jahre Umweltgarten Neubiberg

Grüne Oase zum Lernen und Staunen

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30 Jahre gibt‘s den Umweltgarten Neubiberg heuer. Er ist zu einem Kleinod von überregionaler Bedeutung geworden. 

Neubiberg – Der 7. Mai 1988 markiert ein wichtiges Datum für Neubiberg. Damals wurde der Umweltgarten aus der Taufe gehoben. Von der Gemeinde intensiv gehegt und geschützt, hat sich die grüne Oase nahe des S-Bahnhofs seitdem prächtig entwickelt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das wird auch an diesem eher tristen Märzmorgen beim Rundgang über das rund 3,2 Hektar große Gelände deutlich. Pony-Oma Tosca streckt ihren ergrauten Kopf anfangs etwas skeptisch durch die Stalltür. Die 30-jährige Stute ist ein echtes Urgestein des Umweltgartens. Neben Ponys wurden freundliche Refugien für Ziegen, Schafe, Hühner, Kaninchen, Enten und Gänse geschaffen. Tosca verliert schnell die Scheu. Sie ist besonders bei den vielen Kindern ein Star, die den Umweltgarten bei Klassenexkursionen oder mit Freunden per Fahrrad regelmäßig besuchen.

Heinrich Wolfensberger streicht dem Pony liebevoll über den Schweif. Er ist auch so ein Urgestein hier. Der gebürtige Südtiroler ist in seiner Heimat auf einem Hof mit üppiger Landwirtschaft aufgewachsen. Fast 30 Jahre ist der heutige Leiter des Umweltgartens in Neubibergs grüner Oase fest verwurzelt. Vom vierköpfigen Stammteam werden die Stallungen in Schuss gehalten, Weiden gepflegt, Zäune repariert und das schmucke Gesamt-Ensemble mit Wirtschaftsgebäuden, Spielplatz, Ökoschule und Kapelle rund um den Marktplatz gehegt. Tatkräftig unterstützt wird das Kernteam von jungen Leuten aus dem ökologischen und dem Bundesfreiwilligendienst sowie von Praktikanten aus Schulen. „Die Praktika sind sehr begehrt. Heuer haben wir wieder tolle junge Leute am Start“, sagt der Chef.

Lisa ist eine von sechs Praktikantinnen aus den Gymnasien der Region, die hier derzeit Dienst tut. „Es macht unglaublich viel Spaß hier“, betont sie beim Stallausmisten. Die anderen nicken beifällig. Mancher Berufswunsch leitet sich aus dieser Arbeit vor Ort ab. „Ich möchte gerne später etwas mit Tieren machen“, ergänzt Lisas Kollegin und Freundin Vanessa. Das Gelände ist in guten, jungen Händen. Gleich ist Fütterungszeit. Die Schülerinnen müssen los. 80 Tiere wollen versorgt sein.

Dass sich der Umweltgarten so prächtig entwickelt hat, liegt auch am großen Engagement des Umweltgartenvereins, der sich vor eineinhalb Jahrzehnten gegründet hat. Dessen Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Umweltgarten behutsam weiterzuentwickeln. Mittlerweile ist dieser überregional bekannt als ein Ort der Bildung, Erholung und des nachhaltigen Wirtschaftens. Das begleitet der Förderverein sensibel.

„Der Umweltgartenverein ist eine Einrichtung von Bürgern für Bürger“, sagt Lothar Bruns. Der Mann muss es als langjähriger Mitstreiter und aktueller Vorsitzender des Fördervereins wissen. Nach dem Umzug der Sportler ins Sportzentrum an der Zwergerstraße habe es „seine Zeit gedauert“, bis das Gelände umgewidmet war. Große Verdienste schreibt Bruns einem Männer-Duo zu: Altbürgermeister Josef Schneider und dem bekannten Anwalt und Tierschützer Andreas Grasmüller. „Anfangs war der Umweltgarten ja ohne Tiere geplant. Heute unvorstellbar“, erzählt Bruns.

Sein Verein werkelt überall dort, wo die Grenzen der gemeindlichen Aufgaben sind. Fördermitglieder, Tierpaten, Sponsoren für Kapelle und Spielplatz haben die emsigen Streiter ins Boot geholt. Bei der Pflege des Teichs und der Wildblumenwiesen, bei den Nisthilfen, im Staudengarten und im Gewächshaus.

Mittendrin liegt die Kapelle „Zum guten Hirten“. Ein Kleinod inmitten emsigen Treibens. 1989 geweiht, beheimatet sie ein Holz-Relief des Neubiberger Künstlers Josef Kneuttinger. Mit der Ruhe ist es aber plötzlich vorbei. „Das gibt’s doch nicht“, entfährt es Wolfensberger. In Sichtweite hat eine Großmutter ihren Enkel ausgerechnet auf einem der Bienenstöcke hingesetzt. Wolfensberger eilt mit fuchtelnden Armen hin. „Der muss ich ein paar Takte erklären“, ruft er. Profunde Erklärungen und nachhaltige Wissensvermittlung werden im Umweltgarten groß geschrieben.

Ein stabiles Holzhaus am Rande des weitläufigen Geländes beheimatet die „Ökoschule“. Multifunktional dient sie als Sitzungsraum für die rund 70 Mitglieder des Vereins und für die Ortsgruppe des Bundes Naturschutzes, darüber hinaus als Vortrags- und Veranstaltungsraum. Kräuterführungen, Brotbacken im großen Ofen und viele Seminare über die Lebenswelten von Tier und Natur gibt es. Viele der über 150 Führungen haben hier ihren Ausgangspunkt. Gleich nebenan, am Marktplatz, ein weiteres Erfolgsprojekt: der wöchentliche Wochenmarkt, immer donnerstags zwischen 14.30 und 18 Uhr. Hier verkaufen seit drei Jahrzehnten ein halbes Dutzend Ehrenamtlicher als „Gmiasweiber und Gmiasmo“ heimische Produkte aus ökologisch-nachhaltigem Anbau.

Wichtige Protagonisten: (v.l.) Leiter Heinrich Wolfensberger und seine Praktikantinnen Lisa, Jasmin, Marie, Susanne, Vanessa und Melanie mit Pony-Dame Tosca.

Ein paar Wünsche gibt’s zum runden Geburtstag, zum Beispiel eine zeitgemäßere Beschilderung der Wege. Wolfensberger deutet nach Südwesten. „Ein Thema ist der Bahnhof. Aufgrund der Besucherströme von dort könnte man den in Bahnhof Umweltgarten umbenennen“, sagt er und lacht. Ernster wird’s bei einem anderen Thema. „Ich hoffe, dass bei einer möglichen Untertunnelung der S-Bahn nicht der Umweltgarten in Mitleidenschaft gezogen wird.“

Aber er und Bruns sind zuversichtlich, dass diese grüne Oase auch in 30 Jahren noch besteht. „Der Flächenbedarf für Wohnen ist ein heißes Thema, aber mit einer Versiegelung des Umweltgartens würde sich niemand beliebt machen“, sagt Bruns. „Wir brauchen auch noch Grün.“ Der Umweltgarten wird sogar erweitert. Östlich des Eingangsbereichs und nahe der Schienen entsteht heuer das „Arboretum“, ein Baumlehrpfad mit heimischen und exotischen Gehölzen. Auch eine Art grüner Lärmschutzwand zur S-Bahn. „Die neuen medialen Welten sind gut und schön“, sagt Wolfensberger. „Aber am Smartphone Tiere zu streicheln und Düfte der Pflanzen zu inhalieren, das wird nicht funktionieren.“

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