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Natascha Kohnen ist die Spitzenkandidatin der SPD für die Landtagswahl. 

Interview mit Bayerns SPD-Spitzenkandidatin aus Neubiberg

Kohnen: „Ich kann auch austeilen“

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Kohnen macht‘s: Die Abgeordnete aus Neubiberg ist die Spitzenkandidatin der Bayern-SPD für die Landtagswahl. Zur Politik kam sie wegen der Kita.

Neubiberg –  Frau Kohnen, Sie sind erst mit 33 zur SPD gestoßen. Wie kam das?

Natascha Kohnen: Ende 1999 war ich aus Paris nach Neubiberg gezogen und suchte für meine Kinder – Paul war drei Jahre alt, Hanna sechs Wochen – eine Kita. Im Rathaus sagte man mir: ,Sowas hamma ned‘. Zwei Tage später bin ich auf einem Parkplatz der damaligen Bürgermeister-Kandidatin Johanna Rumschöttel über den Weg gelaufen, Hanna auf dem einen Arm und eine Schüssel Salat auf dem anderen. Wir kamen ins Gespräch, sie hat mich in ihr Wahlkampfteam geholt, wurde im Jahr 2000 Bürgermeisterin. Und die Taufpatin meiner Tochter. So kam ich zur SPD und in die Kommunalpolitik, in der ich unglaublich viel gelernt habe.

Was denn genau?

Kohnen: Sachorientiert zu arbeiten, Dinge auf Augenhöhe zu lösen, und wenn es die Farbe eines Bushäuschens ist. In höheren Parlamenten hat sich die Tonlage leider sehr verändert, zu vieles ist Show, und das wollen die Leute nicht. Genau das lernt man in der Kommunalpolitik: Viele Probleme sind zu komplex, als dass eine Parole sie lösen würde.

Sie haben eine sanfte Stimme, formulieren bisweilen aber auch bissig. Der CSU haben Sie heuer mal vorgeworfen, sie würde „mit populistischem Rausgeplärre dem ganzen Land auf die Nerven gehen“...

Kohnen: Ja, da ging es um die Flüchtlingspolitik. Mein Credo ist: Anpacken statt Hetze! Die zerreißt uns sonst. Wir müssen persönliche Humanität voranstellen und die Debatte in sauberem Ton führen.

Über Sie war zu lesen, Sie seien eine Art „Anti-Söder“.

Kohnen: (lacht) Ich bin ruhig, ernsthaft und sachlich. Aber ich kann auch austeilen, wenn die Sachlichkeit verloren geht.

Söder oder Seehofer oder Aigner: Wen hätten Sie bei der CSU lieber als Hauptwidersacher?

Kohnen: Das ist nicht unser Ding, nicht unsere Sache. Diese Frage müssen die anderen lösen.

Beim Bundesparteitag im Dezember sollen Sie auch Aydan Özoguz als SPD-Vizepräsidentin ablösen. Zieht es Sie womöglich gar in den Bundestag?

Kohnen: Nein, ich bin aus Bayern, lebe hier wahnsinnig gern, will nicht weg aus Neubiberg. Und politisch ist auf Landesebene eine Menge zu tun – innerhalb der SPD braucht Bayern eine starke Stimme in Berlin.

Ihre Meinung zur Jamaika-Sondierung?

Kohnen: Die verkommt leider zu einem Showkampf. Normalerweise müsste es so laufen: reingehen, Türen schließen, mit einem Ergebnis rauskommen. Punkt, fertig. Stattdessen wird dauernd getwittert.

Wie ist Ihr Politikstil?

Kohnen: Zielgerichtet. Und ich bin sehr humorvoll. Meine Tochter findet übrigens, ich hätte ein zu großes Herz.

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