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Allein durch ein Prosit wird sich bei der CSU nichts ändern , da sind sich die Christsozialen im Landkreis einig. Beim Keferloher Montag saßen (v.l.) Landrat Christoph Göbel, Horst Seehofer und MdB Florian Hahn noch zuversichtlich am Tisch.

Nach der Bundestagswahl

An CSU-Chef Seehofer scheiden sich die Geister

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Über zehn Prozentpunkte hat die CSU bei der Bundestagswahl in Bayern abgeben müssen. Keine andere Partei hat so stark verloren. Doch welche Konsequenzen sind nun zu ziehen? Darüber gehen die Meinungen an der Landkreis-Basis weit auseinander.

Landkreis – Die CSU-Neubiberg forderte gestern von Angela Merkel eine Kurskorrektur in der Flüchtlingspolitik, „damit die weitere Zusammenarbeit der Schwesterparteien nicht gefährdet ist“. Ortsvorsitzender Thomas Pardeller macht die Obergrenze zur Bedingung: „Wir fordern, dass die CSU nur in eine Koalition eintritt, wenn zentrale Wahlversprechen des Bayernplans, gerade in der Zuwanderungsfrage, eingehalten werden.“

Ganz entgegengesetzte Schlüsse zieht Herbert Mack, CSU-Gemeinderat aus Straßlach. Er hält eine Obergrenze für Blödsinn: „Mir fehlt das Verständnis dafür, dass nach wie vor die CSU-Granden Seehofer, Söder, Dobrindt und andere daran festhalten.“ Schließlich führe an einer Koalition mit den Grünen und der FDP kein Weg vorbei. „Jeder muss irgendwann einmal über das Stöckchen springen – auch die CSU.“ Die politische Zukunft von Horst Seehofer hält Herbert Mack für schwierig. Angesichts solch schlechter Wahlergebnisse seien ja manche Politiker schon in der Wahlnacht zurückgetreten. Mack: „Das ist jetzt vielleicht nicht unbedingt das Erste, was er tun muss. Aber dass er seine politische Zukunft schon hinter sich hat, der Herr Seehofer, das ist klar.“

Mit der Forderung nach einer Obergrenze und seiner Äußerung von einer „Herrschaft des Unrechts“ habe er seine eigene Partei „auf die Bäume gejagt. Da war sie so schnell nicht mehr herunter zu holen.“ Herbert Mack hat die Politik Merkels immer für richtig gehalten, auch wenn sie in Nuancen Fehler gemacht habe. „Ich gebe offen zu: Ich glaube nicht, dass eine Mehrheit in der CSU meine Meinung vertritt. Im Augenblick haben wohl diejenigen das Oberwasser, die noch härter durchgreifen wollen und die rechte Flanke schließen wollen.“ Wenn die CSU weiter nach rechts driften sollte, hätte Herbert Mack allerdings Schwierigkeiten, in der Partei zu bleiben.

In schwierigen Zeiten sieht Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern die CSU. In den vergangenen Tagen hat er quasi Inventur betrieben: Seine Zeit verbrachte er mit dem Lesen und Beantworten von E-Mails. Viele Bürger drückten ihren Unmut aus mit dem Tenor: Merkel habe den bayerischen Ministerpräsidenten vorgeführt. Die Unzufriedenheit hinsichtlich Sicherheit und Zuwanderung sei groß. „Meines Erachtens hat Seehofer an Glaubwürdigkeit verloren, zumal er bei anderen Politikern sehr strenge Maßstäbe setzt bei schlechten Wahlergebnissen.“ Kern erwartet nicht, dass der CSU-Chef heute abtritt, aber beim Parteitag müsse er sich erklären. „Wir brauchen frische Gesichter.“

Peter Benthues (80) hält nichts von Personaldiskussionen: „Im Sturm den Kapitän zu wechseln, das ist strategisch falsch“, sagt der CSU-Gemeinderat aus Oberschleißheim, der auch Vorstandsmitglied der Senioren-Union, Katholik und Flüchtlingshelfer ist. Seehofers Formulierung „Wir müssen die rechte Flanke schließen“ befremdet ihn: „Wenn das heißen soll, dass wir den Rattenfängern hinterherhecheln sollen, dann bin ich total dagegen. Wir müssen unsere Positionen stärker an die Bürger heranbringen.“ Aufgabe der CSU sei es, Angela Merkel zu unterstützen, sagt Benthues: „Auf Neuwahlen hinzusteuern, kann nicht unsere Absicht sein.“

Auch Betina Mäusel, Zweite Bürgermeisterin in Unterföhring, hält Personaldiskussionen für verfrüht. „Jetzt geht es darum, das Ergebnis zu analysieren und zu verstehen, warum ein großer Prozentsatz aus Protest AfD gewählt hat. Diese Wähler gilt es abzuholen.“ Mäusel sieht durchaus eine Chance für „Jamaika“. „Allerdings soll die CSU ihre Positionen hart verhandeln.“ Dass das Wort „Obergrenze“ im Koalitionsvertrag steht, sei nebensächlich: „Akribisch an der Obergrenze festzuhalten, das ist mir zu pauschal“, sagt die 48-Jährige: „Man muss es differenzierter sehen und Themen verhandeln wie Familiennachzug und Wohnraum im Ballungsgebiet. Es gilt, gute Regelungen zu finden.“

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