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Prüfungsatmosphäre herrscht im Computerraum der Bundeswehr-Uni beim Geländespiel-Wettbewerb „Capture the flag“ unter den Bewerbern.  

Bundeswehr-Uni Neubiberg sucht Cyber-Spezialisten

Buhlen um die besten Hacker

Es geht um Deutschlands Sicherheit: Dafür braucht die Bundeswehr die besten Hacker. Sie sollen an der Uni in Neubiberg zu Cyber-Experten ausgebildet werden.

Neubiberg – Chips und Cola stehen bereit. „Klar bedienen wir das Klischee absichtlich“, sagt Volker Eiseler, Geschäftsführer des Forschungsinstituts CODE (Cyber Operations Defence), und grinst. Das Ziel: Nachwuchskräfte für die Informatik-Studiengänge an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg zu gewinnen. „Capture the Flag“ heißt der Wettbewerb, bei dem sich Bewerber dafür am Samstag in der Uni vorstellten. Übrigens: „Pizza wird auch noch bestellt.“ Den IT-Spezialisten soll’s gut gehen, sie sollen sich wohlfühlen an der Uni.

Doch Chips, Cola und Pizza können nicht darüber hinwegtäuschen: Es herrscht Prüfungsatmosphäre im Computerraum, wo 27 Teilnehmer versuchen, möglichst viele der 23 Aufgaben zu lösen – und so viele „Flags“ wie möglich zu ergattern. Der jüngste Bewerber ist erst 15 Jahre alt und extra aus Schleswig-Holstein angereist.

„Capture the flag“: jeder für sich

„Capture the Flag“, ursprünglich ein Geländespiel, ist auch im Militär ein Begriff und ein weit verbreitetes Hackerspiel, bei dem konkurrierende Teams ihre Netzwerke verteidigen und in die gegnerischen einzudringen versuchen. Der passende Wettbewerb also, um Nachwuchs zu rekrutieren für den neuen Organisationsbereich „Cyber- und Informationsraum“ der Bundeswehr. Im Unterschied zum klassischen Spiel wird in Neubiberg nicht in Teams gespielt. Jeder ist auf sich allein gestellt.

„So können wir uns ein Bild von den individuellen Fähigkeiten machen“, erklärt Eiseler. „Wir wollen sehen, wie die Teilnehmer mit Unbekanntem umgehen, testen ihre Problemlösungsstrategien und natürlich die Programmierfähigkeiten.“ „Vor allem aber sollen sie spielen, wir wollen Interesse wecken“, ergänzt Professorin Gabi Dreo Rodosek, die CODE-Direktorin und Inhaberin des Lehrstuhls für Kommunikationssysteme und Netzsicherheit.

Bereits am Freitag konnten sich die Teilnehmer ein Bild von der Universität und dem Forschungsinstitut machen und sich mit Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern austauschen.

Börse, Strom- und Wassernetz müssen geschützt werden

„Das Thema Cybersicherheit ist in den vergangenen Jahren zu wenig priorisiert worden“, stellt Dreo fest, „aber es ist dringend. Die Welt, in der wir leben, wird immer vernetzter, immer smarter. Stellen Sie sich nur mal vor, was passiert, wenn die Stromversorgung lahmgelegt wird oder der Algorithmus der Börse gehackt wird.“ Szenarien, die die Hacker der Uni verhindern sollen. Angriffe von innen und von außen. „Der Cyberraum kennt keine Grenzen“, verdeutlicht Dreo.

Bundeswehr hat harte Konkurrenz im Kampf um IT-Spezialisten

Die Bundeswehr konkurriert mit den staatlichen Universitäten um Studierende und mit der freien Wirtschaft um Personal. „Der IT-Fachkräftemangel ist da“, sagt Eiseler, „da tut sich auch die Bundeswehr schwer.“ Doch sie hofft, mit ein paar Vorteilen punkten zu können: Schnelleres Studium durch das Trimestersystem, gute Betreuung bei rund 18 Studierenden auf einen Professor, volles Gehalt für die Offiziersanwärter während des Studiums und eine Campus-Uni, die die Unterkunftssuche in München erspart.

Doch danach wird’s schwer für die Bundeswehr, denn dort ist lange nicht so viel zu verdienen, wie in der freien Wirtschaft. Das ist auch dem CODE-Geschäftsführer klar: „Die Einstiegsgehälter sind vielleicht noch ähnlich, aber nach spätestens zwei Jahren geht die Schere auf.“

Silke Nörenberg

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