Eltern verzweifeln am Regel-Wirrwarr

„So Leid es uns tut“: Grundschüler während Ferien komplett in Quarantäne - trotz negativem Corona-Test

  • Katharina Haase
    vonKatharina Haase
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Weil einer von drei PCR-Tests eines Mitschülers schwach positiv ausfiel, müssen dutzende Grundschulkinder ihre Osterferien in Quarantäne verbringen. Die Regelungen sind undurchsichtig.

Neubiberg - Am Dienstagvormittag packt Peter Aschenbrenner (52) das neue, ferngesteuerte Spielzeugauto von Sohn Benedikt aus. Der Achtjährige hat seit Montag Osterferien und tobt bei schönstem Frühlingswetter durch den Garten. Dennoch ist die Stimmung getrübt, denn Benedikt unterliegt noch bis Donnerstag nach Ostern (8. April) einer Quarantänepflicht. Er muss somit die kompletten Ferien und Feiertage zu Hause verbringen. Grund ist ein positiver Corona-PCR-Tests eines Mitschülers.

Neubiberg bei München: Grundschüler müssen Osterferien in Quarantäne verbringen - Eltern empört

„Eigentlich steht auf dem Schreiben des Gesundheitsamts ja drauf, dass man das Kind auf ein Zimmer isolieren soll. Aber das ist doch mit einem Achtjährigen unmöglich umzusetzen“, sagt Peter Aschenbrenner. Der Bankangestellte, der mit Frau und Sohn in Neubiberg bei München lebt, ist selbst seit über einem Jahr im Homeoffice. Benedikt ist das jüngste seiner Kinder und besucht derzeit die Klasse 2a der Grundschule Neubiberg. Dort ist seit dem 8. März wieder Präsenzunterricht erlaubt. Die Klasse wurde dafür in zwei Gruppen unterteilt. In Benedikts Gruppe sind noch 12 weitere Kinder, die nun ebenfalls von der Quarantäne betroffen sind.

Trotz negativem PCR-Test: Landratsamt schickt Grundschüler 14 Tage in Quarantäne - „Alle Kontaktperson 1“

Da für den Besuch der Ferienbetreuung ein Negativ-Test vorgewiesen werden muss, hatte sich einer von Benedikts Mitschülern am Samstag, 27. März, einem PCR-Test unterzogen. Wie die Eltern des Kindes mitteilten, bewegte sich das Testergebnis am untersten Rand dessen, was vom Labor als „positiv“ ausgewiesen wird. Die Eltern ließen das Kind am Sonntag, 28. März, deshalb erneut testen. Dieser PCR-Test wiederum fiel negativ aus, ebenso ein Test, der am vorhergehenden Dienstag, 23. März, vorgenommen worden war. Dennoch wurden alle Kinder aus Benedikts Gruppe vom Gesundheitsamt als Kontaktperson 1 eingestuft - und müssen ihre Ferien in Quarantäne verbringen.

Unter den Eltern der betroffenen Kinder, herrscht nun großer Unmut, zumal das Landratsamt und das Gesundheitsministerium unterschiedliche Anweisungen gegeben haben. Ein Großteil der Eltern blickt durch das Regel-Wirrwarr kaum noch durch. Peter Aschenbrenner, Klassenelternsprecher der 2a, hat versucht, das Landratsamt im Namen aller Eltern zu einer Aufhebung der Qurantäne zu bewegen oder zumindest ein Freitesten zu ermöglichen, jedoch ohne Erfolg. „Das Fatale ist ja, dass man null Transparenz hat. Man weiß nicht, wie das Ergebnis zustande kommt, das Amt verweist lediglich auf das Ministerium.“

Mutter verweist auf Aussagen von Gesundheitsminister Holetschek zu Quarantäneregeln - doch die scheinen hinfällig

Auch Vanessa Weihbrecht ist empört. Ihr Kind ist ebenfalls betroffen. Weihbrecht verweist auf ein Interview von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) mit dem BR vom 26. Februar. Seit diesem Tag gelten in Bayern neue Quarantäneregeln für Schulklassen. Statt einer zehntägigen Quarantäne für alle, mit der Möglichkeit, sich nach fünf Tagen „freitesten“ zu können, sollten nun seit Ende Februar auch in den Schulen jeder Fall einzeln geprüft werden. Doch dies wird nicht umgesetzt. „Die Ärztin vom Gesundheitsamt sagte mir, dass sie eine gegenteilige Anweisung vom Gesundheitsministerium erhalten haben.“ Nun würden pauschal alle möglichen Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt. Die Auswahl hierbei obliegt der Schule. Grund sei, so habe es die Ärztin ihr erklärt, die Überlastung der Ämter, die eine Einzelfallüberprüfung an den Schulen unmöglich mache. Lediglich bei Fällen im privaten Umfeld setze man auf die Einzelfallnachverfolgung.

„So Leid es mir tut“ - Landratsamt bleibt hart - Kinder müssen Quarantäne aussitzen

Mittlerweile haben sich mehrere betroffene Eltern direkt ans Landratsamt gewandt - erfolglos. Ein Sprecherin des Landratsamts erklärte auf Anfrage der Redaktion, dass es zwei Möglichkeiten gäbe, die Kinder frühzeitig aus der Quarantäne entlassen zu können. „Entweder das Labor gesteht einen Fehler ein. Oder die Politik ändert ihre Maßstäbe.“ Ein negativer PCR-Test könne einen positiven PCR-Test nicht per se aufheben. Deshalb gelte nach wie vor die Anweisung, alle Kontaktpersonen der Kategorie 1 für 14 Tage in Quarantäne zu schicken.

Dass die Schulen dabei nicht auf die Nachverfolgung jedes Einzelnen setzen, liege im Ermessensspielraum des Gesundheitsamts. „Vor allem bei kleineren Kindern kann man nicht sagen, ob wirklich alle Abstände eingehalten und alle Masken korrekt getragen wurde. Da muss man dann auf Nummer sicher gehen“, heißt es aus dem Landratsamt. Allerdings werde dies von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich gehandhabt. So hätten die Kinder, gingen sie im Stadtgebiet München zur Schule, durchaus die Möglichkeit, sich freitesten zu lassen. Im Landkreis sei dies jedoch nicht möglich. Deshalb, so die Sprecherin, müssen Benedikt und seine Klassenkameraden die 14-tägige Quarantäne wohl komplett aussitzen - „so Leid es uns tut“. kah

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