16,5 Kilo: Leichte E-Bikes baut Andreas Wolf aus Neubiberg mit seinem Start-up „Light-Ride“.
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16,5 Kilo: Leichte E-Bikes baut Andreas Wolf aus Neubiberg mit seinem Start-up „Light-Ride“.

Seine Zielgruppe sind Trekking- und Tourenfahrer

Weil er kein passendes Rad fand, baute er sich eins: Aus der Not wurde ein Geschäft

  • Martin Becker
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Weil es nirgendwo das für ihn perfekte Fahrrad zu kaufen gab, baute er es sich kurzerhand selbst. Aus der Hobby-Tüftelei wurde eine profitable Geschäftsidee.

Neubiberg – Das erhoffte Glückserlebnis blieb aus. Schlimmer noch, Andreas Wolf beschlich ein ungutes Gefühl. Als der Neubiberger 2018, nach 30 Berufsjahren in einer IT-Firma, in den Ruhestand ging, kaufte er sich ein teures E-Mountainbike. Denn ambitioniert geradelt ist der heute 61-Jährige sein Leben lang, Pässe rauf und runter, auch mal durch ruppiges Terrain. „Aber nach einer Rücken-Operation ging das nicht mehr so gut“, erzählt Andreas Wolf. Das E-Mountainbike sollte den nötigen Komfort bringen. Doch der Neubiberger war enttäuscht.

„Für Waldwege und Forststraßen war mir das E-Mountainbike zu schwer. Deshalb ließ es sich ohne Motorunterstützung kaum fahren. Ich war ziemlich unglücklich damit“, berichtet Andreas Wolf. „Also dachte ich mir, ich baue mir selber eins.“ Das Ergebnis: ein offroadtaugliches E-Bike mit einem vergleichsweise geringen Gewicht von 16,5 Kilo. Die neue Leichtigkeit – daher der Firmen- und Markenname „Light-Ride“.

Freunde rieten ihm: Mach ein Geschäft daraus!

Als studierter Maschinenbauingenieur und Betriebswirt brachte Andreas Wolf das nötige Know-how mit. Technisch fürs Radl-Bauen. Und wirtschaftlich fürs Radl-Verkaufen. Denn der Eigenbau des „Daniel Düsentrieb von Neubiberg“ begeisterte seine Freunde so sehr, dass sie ihm rieten: Mach ein Geschäft daraus!

Seinen ersten Eigenbau aus dem Jahr 2018 verfeinerte Andreas Wolf zusammen mit einem befreundeten Zweiradmechaniker immer mehr – eine technische Herausforderung im heimischen Keller, aus der ein Geschäftsmodell entstand: „Wir haben den Markt untersucht. Derart leichte E-Bikes mit Vollausstattung gibt es praktisch nicht.“ Der 61-Jährige erhielt für sein Start-up ein Gründerdarlehen – und legte los.

Akku hat drei Watt-Stufen

Leicht, robust, individuell, das alles mit hochwertigen Komponenten: So beschreibt Andreas Wolf die Philosophie seiner Eigenbau-Bikes. „Kern des Konzepts ist es, ein hochwertiges Fahrrad mit Elektrounterstützung zu erhalten. Ein vollwertiges E-Bike, das aufgrund seiner Leichtigkeit aber auch ohne Motor fahrbar ist – den muss man nur bei Bedarf zuschalten, zum Beispiel an Steigungen oder bei starkem Gegenwind“, schildert der 61-Jährige die Vorzüge seiner Bikes.

Die Qualität der Räder kann sich sehen lassen. Im Rahmeninneren verlegte Kabelzüge, robuste Elf-Gang-Schaltung und Bremsen aus dem Mountainbikesektor (Shimano XT), dazu der E-Motor eines deutschen Herstellers im Hinterrad; Vordergabelfederung, Schutzbleche und Licht, Gepäckträger und Ständer runden die „Light-Ride“-Bikes ab. Den Akku gibt es in drei Watt-Stufen (250, 370 und 500), der sich, je nach Geometrie, am Rahmen oder unauffällig hinterm Sattel anbringen lässt. „Der 370er Akku reicht für 80 Kilometer, damit bin ich sogar um den Tegernsee hinauf zum Spitzingsattel und weiter zum Schliersee gefahren“, sagt Andreas Wolf.

Schon jetzt liegen Verkaufszahlen über Erwartungen

Seine Zielgruppe sind Trekking- und Tourenfahrer der Altersgruppe „50 plus“, die Wert auf hochwertige Ausstattung bei gleichzeitig geringem Gewicht legen. Heuer im Mai hat der Neubiberger damit begonnen, Kundenaufträge anzunehmen und einen Showroom einzurichten. Ein bisschen funkte die Corona-Pandemie dazwischen, sodass die Webseite nicht pünktlich fertig wurde. Was das Start-up-Unternehmen nicht ausbremste: „Ich habe ein Business Case. 20 Räder im ersten Jahr, im zweiten 40, im dritten 80. Schon jetzt liege ich deutlich darüber.“

Das Procedere ist so: Der Kunde wird vermessen sowie nach der Fahrweise, von sportlich bis bequem, befragt. Anhand der Daten bestimmt sich der Rahmen, anschließend werden Farbe und weitere Sonderwünsche berücksichtigt. Bis zu vier Fahrräder pro Woche können in der noch kleinen Werkstatt gebaut werden, etwa eineinhalb Tage pro E-Bike werden benötigt – von der Bestellung bis zur Lieferung dauert es, wegen individuell zu ordernden Einzelteile, aber rund zehn Wochen.

„Wenn es so weitergeht, möchten wir 2021 im Raum Neubiberg ein Ladengeschäft mit Werkstatt eröffnen“, beschreibt der Firmengründer seine nächsten Ziele und kombiniert diese mit einem Stellenangebot: „Da die Branche irre boomt, brauche ich auch noch einen erfahrenen Radl-Mechaniker.“ Statt Ruhestand also mit 61 nochmal ein beruflicher Neustart. Einer, in dem Andreas Wolf all seine Leidenschaft fürs Radeln einbringen kann.

Weitere Infos zur Radl-Manufaktur gibt es hier.

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