Serie: Auch das ist Bundeswehr

Kopftuch statt Kratzbürste

Neubiberg – Rainer Sontheimer (39) liebt gute Rock- und Metalmusik, hängt sich zu Weihnachten Christbaumkugeln in den Bart und ist ein Fan von Ludwig II. Als Dozent im Institut für Journalistik der Universität der Bundeswehr in Neubiberg zeigt er, dass Mann auch im Rock Vorlesungen halten kann.

- Bandana und Rock-T-Shirt entsprechen ja nicht gerade dem Klischee eines wissenschaftlichen Mitarbeiters. Wie reagieren die Leute auf Ihren Stil?

Ich kenne viele, die einen solchen Kleidungsstil haben. Beispiel LMU: Der Studiengang Soziologie, das ist ein alternatives Völkchen. Hier ist es natürlich etwas anderes. Klar hat man diese Stereotype: Promoviert und seriös kann nicht so aussehen. Dementsprechend gibt es natürlich Reaktionen. Den meisten Studierenden ist es aber eigentlich egal. Die sind zwar überrascht, freuen sich aber vielleicht auch, wenn der Dozent nicht so distanziert wirkt. Es hat natürlich auch etwas mit Stil und Selbstausdruck zu tun. Eine gezielte Irritation, um mit Vorurteilen und Stereotypen zu brechen.

- Stimmt es, dass Sie eine Vorlesung im Rock gehalten haben?

Ja, das Lustige ist, dass es genau einen Tag vor dem Diversity Day war (Anm. d. Red.: Der Diversity Day ist eine Initiative der Charta der Vielfalt für eine vorurteilsfreie und vielfältige Gesellschaft). Auch sonst habe ich öfter mal so einen langen Metal-Rock an. Die Studierenden fanden es ganz ok, und man muss so etwas auch mal humorig nehmen. Wenn man dann noch versucht, es didaktisch einzubauen, um so auch Diversity zu erklären, hat das durchaus Sinn. Die letzte Vorlesung vor Weihnachten habe ich mit Christbaumkugeln im Bart gehalten. Sieht zwar echt lächerlich aus, und man kann kaum richtig reden, aber der Effekt war es wert. Nach wochenlangen Vorlesungen kann man gegen Ende auch mal ein bisschen albern sein.

-Sie sind ein Teil des X-media Campus der Universität. Was kann man sich darunter vorstellen?

Das ist eine unglaublich spannende Plattform, auf der die Studierenden aus unserem Studiengang ihre Video-, Audio- und Schriftbeiträge öffentlich präsentieren können. Die Beiträge sind teilweise so gut, dass man sie auch auf YouTube stellen könnte. Einmal jährlich werden im Rahmen eines Sommerfestes die besten Beiträge der Studierenden bei den X-media Campus Awards prämiert. Bei der Preisverleihung spielen wir immer die Oscarmelodie. Es gibt hier zwar nicht die großen Preisgelder, aber das ist auch nicht Sinn und Zweck.

-Welcher Beitrag hat Sie besonders beeindruckt?

Definitiv die Stadtvierteldarstellung von Neuperlach. Diese Multimediastory war wirklich großartig. Ich fand sie faszinierend, weil die Bilder von Neuperlach so sensationell schön gemacht worden sind. Für mich, grafisch gesehen, ein absoluter Meilenstein.

-Im Internet gibt es Videos in denen Studenten die verrücktesten Sachen während einer Vorlesung machen. Haben Sie so etwas auch schon erlebt?

In meinen Vorlesungen läuft eigentlich alles normal. Im Rahmen eines Rockmusikseminars habe ich den Studierenden den Auftrag gegeben, den Lebensstil eines Rockers nachzuempfinden. Das haben sie ein bisschen zu ernst genommen und der Selbstversuch ist etwas eskaliert. Im Seminar, am nächsten Morgen konnte man das noch deutlich sehen. Ein bisschen gebe ich mir selbst die Schuld, weil ich sie eigentlich zum Feiern animiert habe. Aber ansonsten geht es relativ brav zu.

-Sie sind ein Fan von Ludwig II., König von Bayern. Wie kam das?

Ich bin gebürtiger Allgäuer und bin 20 Kilometer Luftlinie von Schloss Neuschwanstein aufgewachsen. Er wird ja gerne unterschätzt, unser Ludwig II. Er war ein Visionär und ein Technikfreak. Mit Sicherheit sozial ein bisschen schwierig, aber er hat für unglaublich viel Innovation gesorgt. Wir brauchen wieder mehr Romantik in der Gesellschaft, im Stadtbild, im Landschaftsbild. Mehr Spinnerei, mehr Innovation und mehr Kreativität. Da kann man an König Ludwig II. als gutes Beispiel nehmen, mal quer zu denken.

Das Gespräch führte
Denise Bernhard.

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