Was noch gut ist, wirft man nicht weg: Dieses Prinzip eint Sara D’Odorico vom Neubiberger Projekt „Tauschen, Te
+
Robin Hertschek neben einem „Fair-Teiler“. Der Supermarkt-Chef lebt nachhaltig, und will dies auch seinen Kunden vermitteln. Hier mit Sara D’Odorico vom Neubiberger Projekt „Tauschen, Teilen und Fairtrade“.

Serie: Menschen im Landkreis München

Robin Hertschek: „Wo ich helfen kann, helfe ich“

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
    schließen

Robin Hertschek verfolgt ein großes Ziel: die Welt etwas besser machen. Sein Engagement führt ihn nach Neubiberg und nach Kenia.

Neubiberg – Robin Hertschek, 33, ist omnipräsent, nicht nur rund um das Edeka-Areal am Bahnhofsplatz in Neubiberg. Hunderte Male am Tag begrüßt der Inhaber des Supermarkts Kunden mit einem lässigen „Servus“ oder „Läuft bei dir?“. Die allermeisten Kunden duzt er, mit manchen plaudert er ein paar Sätze im Vorbeigehen. Kunden haben das Gefühl: Er kennt jeden einzelnen persönlich. Als „große Familie“ bezeichnet Hertschek seine Edeka-Gemeinschaft. Der Laden trägt seine Handschrift.

Der Supermarkt-Chef, der seine Ausbildung bei Aldi absolvierte, lebt nachhaltig und möchte seine Kunden dazu erziehen, nachhaltiger zu denken. Es gibt Milch aus einem Automaten, Ladenmöbel hat er aus Paletten gebaut, selbst das Deckengrün ist echt. Aus „ultraschlimmen“ Ländern wie Chile bezieht er keine Ware, sagt er. Sein „Hertschek Unpacked“-Laden nebenan ist eine plastikfreie Zone.

Immer an seiner Seite: Sibirian Husky Casper.

Täglich von sechs Uhr morgens bis neun Uhr abends verbringt der 33-Jährige seine Zeit in Neubiberg. Immer an seiner Seite: Sibirian Husky Casper. Dass er sich inmitten seiner großen Familie und seines Markts zuhause fühlt, zeigt sich auf vielen Ebenen. Hertschek läuft meist barfuß, die Rückbank seines Autos ist zum Schlafplatz umgebaut. Seine Bürotür steht für jeden Menschen offen, hier klopfen Kunden an und leihen sich übers Wochenende Wanderstöcke. Auch die Kletterhalle im Lagerbereich des Marktgeländes darf jeder nutzen. „Ich sage halt immer Ja. Wo ich helfen kann, helfe ich“, erzählt Hertschek, während er auf dem Drehstuhl im Büro mit Casper spielerisch rangelt und ihn auf die Schnauze küsst.

Optisch ist er ein Surfertyp: durchtrainiert, braun gebrannt, in der Frauenwelt sicherlich nicht unbeliebt. Obwohl er eine Freundin hat, möchte er selbst keine Familie gründen. „Ich könnte das alles nicht einhalten“, gesteht Robin Hertschek. Er spricht diesen Satz so entwaffnend aufrichtig und rein aus, dass keine Freundin der Welt ihm vorwerfen könnte, er hätte nicht von Anfang an die Karten auf den Tisch gelegt. Keine eigene Familie, zu sehr liebt er Spontanität. Zu sehr braucht er Unabhängigkeit.

„Ich habe ein geiles Leben, weil ich das mache, worauf ich Bock habe“

„Ich habe ein geiles Leben, weil ich das mache, worauf ich Bock habe.“ Er liebt es, unter freiem Himmel in den Bergen zu schlafen. Manchmal springt er samt Kleidung mit dem Hund in den See – und manchmal fliegt er nach Kilifi in Kenia. Der Ort liegt etwa 80 Kilometer nördlich von Mombasa an der Küste des Indischen Ozeans. Hertschek baut für die dort lebenden Menschen ein Selbstversorgerdorf auf. Er baut Häuser, Hochbeete, Wasserleitungen und Hühnerfarmen. Damit soll eine Infrastruktur entstehen, die den Menschen dabei hilft, sich eigenständig versorgen zu können.

Die Idee, etwas Sinnvolles zu tun, entwickelte sich aus einer persönlichen Krise heraus. Eine Beziehung ging zu Bruch – Hertschek wollte etwas neues aufbauen. Er las ein Buch über ein Kenia-Projekt, es war um ihn geschehen.

Zunächst arbeitete er in Kilifi als Lehrer. Die Menschen dort wuchsen ihm so ans Herz, dass er immer wieder kam. Mittlerweile reist der Kaufmann jährlich mehrmals nach Kilifi und verfolgt sein Herzensprojekt. Er finanziert es nicht zuletzt durch Spenden.

Dabei hilft ihm seine große Familie aus Neubiberg: Kunden beteiligen sich rege an Spendenaktionen, für die Hertschek unermüdlich im Edeka-Alltag wirbt. Er wäre aber nicht Hertschek, wenn er nicht nur in die Ferne, sondern auch direkt vor die Haustür schauen würde: Auch lokale Geschäfte und Start-Ups erhalten Zuwendungen.

Hertschek ist ein Helfertyp, ohne nach Resonanz zu heischen

Hertschek ist ein Helfertyp, ohne nach Resonanz zu heischen. Er liebt, was er tut, und er tut, was er liebt. Die Pendelei zwischen den Welten etwa. In Deutschland liebt der gebürtige Stuttgarter Berge, Seen und Schnee. In Afrika die Menschen. Seinen 29. Geburtstag hat er mit 650 Kindern und 40 Lehrern in Kilifi verbracht. „Das war der geilste Geburtstag meines Lebens, wir haben so hart gefeiert“, erzählt Hertschek und packt innerlich bereits wieder seinen Koffer.

Viel wird er nicht mitnehmen, wenn er das nächste Mal nach Afrika aufbricht. Denn seit er zum ersten Mal dort war, weiß er: „Man braucht nicht viel im Leben. Nur Wasser, Nahrung und Schlaf.“

VON VERONIKA JORDAN

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare