Macht seit der ersten Stunde mit: Cornelia Schlund, Geschäftsführerin der „Tagwerk Arkade“ in Ottobrunn. 
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Macht seit der ersten Stunde mit: Cornelia Schlund, Geschäftsführerin der „Tagwerk Arkade“ in Ottobrunn. 

Einmal ohne, bitte

Initiative kämpft für verpackungsfreien Einkauf im Landkreis

Der lokale Lebensmittelhandel soll revolutioniert werden, zumindest wenn es nach der Initiative „Einmal ohne, bitte“ geht. Für den verpackungsfreien Einkauf im Landkreis München-Südost werben die zwei Botschafterinnen Katrin Rolle und Ulrike Zörntlein.

Landkreis - Rund 40 Läden und Marktstände im gesamten Landkreis schmücken sich schon mit dem bunten „Einmal ohne, bitte“-Label (EOB) des Münchner Vereins „rehab republic“, der die Kampagne 2019 startete. Darunter auch große Lebensmittelketten, wie Hofpfisterei, Vinzenzmurr und einige Edeka-Filialen. Für Katrin Rolle und Ulrike Zörntlein, die eine aus Neubiberg, die andere aus Riemerling, ist das nicht genug, sie wollen speziell für den südöstlichen Landkreis noch mehr Händler ins Boot holen. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren, mussten aber wegen Corona immer wieder verschoben werden. „Jetzt ist es endlich so weit, im April wollen wir richtig loslegen“, sagt Rolle.

18,9 Millionen Tonnen Verpackungsmüll

Zahlen des Bundesumweltamtes bestärken die beiden Frauen in ihrem Engagement. Allein im Jahr 2018 fielen insgesamt 18,9 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an. Das sind pro Kopf mehr als 227 Kilogramm. Wer das ändern möchte, muss einfach nur nach dem EOB-Sticker Ausschau halten. Wo immer der runde Aufkleber mit gelbem Becher, blauer Tasche und roter Box auf grauem Grund auftaucht, wissen die Kunden: Hier können sie Backwaren, Wurst, Käse und andere Lebensmittel in selbst mitgebrachte Mehrwegbehältnisse packen. Und natürlich auch Körper-, Wasch- und Reinigungsmittel. Das spart unnötige Einwegverpackungen.

„Im April wollen wir richtig loslegen“, sagt Kampagnen-Botschafterin Katrin Rolle aus Neubiberg. 

Ladeninhaber verunsichert

Allerdings braucht der verpackungsfreie Einkauf gerade am Anfang etwas Zeit, bis sich alles eingespielt hat. Und: Den Einkauf mit kundeneigenen Dosen, Stoffsäckchen oder Schraubgläsern zu fördern, ist angesichts der besonderen Hygiene-Anforderungen während der Pandemie kein leichtes Unterfangen. „So manche Ladeninhaber äußern Bedenken und zögern, auch wenn sie den müllfreien Einkauf grundsätzlich unterstützen“, sagt Katrin Rolle. Denn es gibt klare Hygieneregeln, besonders im Bereich der Frischetheke. Laut Rolle sind die Vorschriften aber einfach umzusetzen und gelten unabhängig von Corona. Sprich, es gibt keine zusätzlichen Hygiene-Vorgaben in der Pandemie. Sauberkeit ist oberstes Gebot. Das funktioniert etwa durch die Nutzung eines Theken-Tabletts, das regelmäßig desinfiziert wird.

Sauberkeit ist beim Unverpackt-Einkauf oberstes Gebot, versichert Ulrike Zörntlein aus Riemerling. 

Kontaktlos und keimfrei

Cornelia Schlund, Geschäftsführerin „Tagwerk Arkade“ in Ottobrunn und begeisterte Aktionsteilnehmerin der ersten Stunde, erklärt, wie es geht: „Die Käufer stellen ihren mitgebrachten Behälter geöffnet auf ein Tablett und schieben es zum Verkaufspersonal hinüber. Das Gefäß wird dann samt Tablett gewogen, befüllt, ausgepreist und wieder zurückgereicht.“ Brot und Semmeln ließen sich berührungsfrei direkt in den am Tresen aufgehaltenen Kundenbeutel legen. All dies geschieht in Corona-Zeiten geschützt hinter Plexiglasscheiben. Für die Sauberkeit der mitgebrachten Behälter sind die Kunden selbst verantwortlich.

Ein Merkblatt, das der deutsche Lebensmittelverband erstellt und mit den amtlichen Lebensmittelüberwachungen der Bundesländer abgestimmt hat, informiert ausführlich darüber, was es beim verpackungsfreien Einkauf zu beachten gibt.

Die richtige Vorbereitung

Am Ende liegt es aber an den Kunden, die über den Erfolg von „Einmal ohne, bitte“ entscheiden. Nur wenn sie aktiv Händler nach dem Unverpackt-Angebot fragen, wird sich der Trend zur Vermeidung überflüssiger Verpackungsabfälle schneller durchsetzen, sind sich Zörntlein und Rolle sicher. „Es geht darum, neue Gewohnheiten zu entwickeln. Dabei ist die richtige Vorbereitung wichtig“, betont Ulrike Zörntlein. Sie empfiehlt, eine Auswahl geeigneter Behälter immer parat zu haben: „Zum Beispiel direkt im Einkaufskorb oder in der Fahrradtasche.“

Cornelia Schönhardt

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