+
Neugestaltung am Rathausplatz: Oliver Leibrock wollte wissen, ob die Parkplätze am Maibaum künftig wegfallen.

Bürgerversammlung Neubiberg

Gräbermiete „eine Abzocke“

  • schließen

Die Planung für eine Bahnunterführung an der Hauptstraße in Neubiberg ist ein Dauerbrenner. Er kam jetzt bei der Bürgerversammlung zur Sprache: „Ein solches Projekt macht nur Sinn, wenn die Bürger auch dahinter stehen“, erklärte Bürgermeister Günter Heyland. Daneben sorgten die Friedhofsgebühren für Aufregung.

Neubiberg– Es ist ein Dilemma: Einerseits dürfte der Tunnel unter der S-Bahn unumgänglich sein, wenn eine Taktverdichtung und Zweigleisigkeit der S-Bahnstrecke die Wartezeiten an der Schranke noch erhöhen würde. „Dieser Ausbau im öffentlichen Nahverkehr muss kommen, da sonst das Verkehrssystem in Stadt und Landkreis kollabiert“, sagte Heyland. Der Zeitplan eines zweigleisigen Ausbaus (bis 2035) müsse geändert und gestrafft werden. Andererseits bringe eine Tunnelverbindung mehr Verkehr in die Hauptstraße. Es werde „Sieger und Verlierer geben“. Klar ist bisher, dass nur eine Variante mit Verschwenkung weiter verfolgt wird – allein aus Kosten- und Zeitgründen.

„Warum wird die Tunnelunterquerung nicht gerade längs der Hauptstraße gebaut?“, wollte ein Bürger wissen. „Weil die Rampenausläufe dann weit in die Hauptstraße hineinreichen und man die Umgebung tiefer legen müsste“, gab Heyland zu verstehen. Die Bauzeit sei bei 24 Monaten erheblich länger als bei einer geschwungenen Variante (17 Monate).

Nicht nur in dieser Frage bewegte die Hauptstraße die Gemüter: Rüdiger Berger bereitet die gegenwärtige Verkehrslage Sorge, die künftige noch mehr. „Wir brauchen an der Hauptstraße mehr Ampeln und geschützte Übergänge, dann wird auch mehr gebremst.“ Tatsächlich werden einige Schnittpunkte an der Hauptstraße dahingehend überprüft. Man stehe aber bei den Planungen, abhängig auch vom Unterführungsbau, am Anfang.

Nicht nur der fließende Verkehr war Thema. Wie berichtet, plant die Gemeinde eine Neugestaltung und Erweiterung rund ums Rathaus – neue Tiefgarage inklusive. „Fallen die Parkplätze am bisherigen Maibaum weg“, wollte Oliver Leibrock wissen. Ja und nein. Von derzeit 45 auf 110 Parkplätze werde inklusive einer neuen Tiefgarage am Rathausplatz die Parkkapazität ausgeweitet. Der Rathausvorplatz zur Hauptstraße hin soll in der Tat entsiegelt und begrünt werden. „Wir befinden uns derzeit mit den Lindenburschen in intensivem Dialog über den künftigen Maibaum-Standort“, verriet Heyland. Noch sei man in der Planungsvorstufe. Angesichts des avisierten Projektabschlusses für Rathaus-Erweiterung und Sanierung des Hauses für Weiterbildung 2022 aber „auf einem gutem Weg“.

Erbost zeigte sich Rudolf Kagerer mit Blick auf die Friedhofsgebühren. „1700 Euro zahlt man hier nach der jüngsten Gebührenerhöhung, mehr als Dreifache als im Durchschnitt der Gemeinden“, sagte Kagerer. 490 Euro etwa in Oberhaching. „Das ist Abzocke“, lautete sein Urteil über „Architekten, deren Fantasien wir bezahlen.“ Man leiste sich „den Luxus eines Meditationsgartens in praller Sonne mit Betonklötzen, auf denen nie jemand sitzt.“ Viele Bürger, „die lange hier gearbeitet haben, werden abgezockt und über die Maßen zur Kasse gebeten“. Für viele, so habe Kagerer recherchiert, komme Neubiberg als Grabstandort „nicht mehr in Frage“. Rathauschef Günter Heyland versuchte zu relativeren. „Die Gestaltungsentscheidung für den Neubiberger Friedhof ist viel früher gefallen“. Man sei hier auch an Verträge gebunden. Schließlich verfügten jene Architekten, die einst den Zuschlag für den Bau erhalten hätten, auch über die weiteren Gestaltungsrechte. „Wenn wir Urheberrechte abkaufen wollen und dann einen neuen Architekten engagieren, haben wir doch nur zusätzliche Kosten“, so Heyland. Angesichts eines weiter nur 90-prozentigen Kostendeckungsgrades sei die Gebührenerhöhung keinesfalls willkürlich erfolgt. „Abzocke ist hier die falsche Vokabel“. Es gebe keine Gewinner. Applaus bekam eine Bürgerin für den Anstoß, basierend auf den Erfahrungen am Friedhof sich als Gemeinde bei der Überplanung des Hauses für Weiterbildung (HFW) nicht wieder „in die reine Abhängigkeit von einem Architekten zu begeben“. Heyland stimmte zu: „Ein guter Hinweis“. Insgesamt habe man ja in der Ausschreibung 19 Büros vereint. Friedhof, ein weiteres Mal: Immer mehr, gerade wertvolle Blumengestecke würden hier entwendet. Ein betroffener Bürger forderte mehr Kontrollen gerade jener, die den Gottesacker verließen. „Wenig Handhabe“ sah der stellvertretende Dienststellenleiter der Ottobrunner Polizei, Robert Fritsch. Lediglich Anzeigen könnten den Tatbestand als solchen verdeutlichen. „Die Dreistigkeit wird immer größer“, teilte Fritsch rein menschlich die Sorge des Bürgers.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Exhibitionist belästigt Joggerin – Polizei sucht Zeugen
Ein Exhibitionist hat sich in Hochbrück vor einer Joggerin entblößt und an seinem Geschlechtsteil gespielt. Die Polizei sucht den Täter und Zeugen.
Exhibitionist belästigt Joggerin – Polizei sucht Zeugen
Wieder keine englische Durchsage in S8 am Flughafen – ahnungslose Fahrgäste bleiben sitzen
Vor dem großen S-Bahn-Gipfel in unserem Münchner Pressehaus hatten wir unsere Leser gefragt: Was sollte die S-Bahn verbessern? Unbedingt ihre Durchsagen, antworteten …
Wieder keine englische Durchsage in S8 am Flughafen – ahnungslose Fahrgäste bleiben sitzen
Angeblich bewaffneter Mann löst Polizei-Großeinsatz aus
Im Gleisbereich in Sauerlach ist ein angeblich bewaffneter Mann gemeldet worden. Die Polizei ist deshalb mit rund 20 Streifen angerückt.
Angeblich bewaffneter Mann löst Polizei-Großeinsatz aus
Bub (6) von Auto erfasst
In Ottobrunn ist ein sechsjähriger Bub auf die Straße gelaufen, weil er seinen Fußball holen wollte. Dabei ist er von einem Auto erfasst worden.
Bub (6) von Auto erfasst

Kommentare