Aktiv in der Bürgerinitiative „Saubere Luft“: BI-Sprecher Oliver Hellmund aus Neubiberg (Mitte) mit Hartmut Trede und Stefanie Nytsch aus Waldperlach.
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Aktiv in der Bürgerinitiative „Saubere Luft“: BI-Sprecher Oliver Hellmund aus Neubiberg (Mitte) mit Hartmut Trede und Stefanie Nytsch aus Waldperlach.

Lärmauswirkung auf Neubiberger Wohngebiete befürchtet

Vor Neubibergs Haustür: Große Sorge U-Bahn-Betriebshof

  • VonHarald Hettich
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Beim Streit um den Bau eines U-Bahnbetriebshofs in Neuperlach ist jetzt endgültig auch die Gemeinde Neubiberg mit involviert.

Neubiberg – In einem Brief an den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) formuliert Neubibergs Rathauschef Thomas Pardeller (CSU) die Sorgen der Neubiberger Bevölkerung. Der Brief fußt auch auf einem Dialog mit der Initiative „Saubere Luft für Waldperlach und Neubiberg“.Deren Neubiberger Sprecher Oliver Hellmund kündigte jetzt gegenüber unserer Zeitung eine Ausweitung der Proteste gegen die aktuellen Planungen an.

Eine Auswirkung auf die Politik in München gibt es bereits: Denn im Planungsausschuss des Münchner Stadtrates war das Projekt jetzt vertagt worden. Die notwendige Flächennutzungsplanänderung für das Gelände zwischen Lise-Meitner-Weg, Arnold-Sommerfeld-Straße und einer weiter südöstlich gelegenen Kleingartensiedlung soll am 7. Juli erörtert werden.

Bremsgleis könnte zum lärmfaktor werden

Grundlage für den Brief Pardellers an den Münchner Rathauschef ist die Befürchtung der Gemeinde, dass womöglich „ohne weitere Information oder Abstimmung mit uns – unter Umständen in Neubiberg belastender Weise – durch die Stadtwerke abgewichen werden könnte.“ Pardeller kritisierte, „besonders das bis an die Stadtgrenze reichende Brems- und Abnahmegleis mit Lärmauswirkungen auf reine Wohngebiete Neubibergs.

„Wir fühlen uns verschaukelt“

Der Sprecher der Initiative „Saubere Luft für Waldperlach und Neubiberg“ erklärt, vor allem das Brems- und Abnahmegleis für die U-Bahnzüge direkt an der Neubiberger Gemeindegrenze beunruhige die Anwohner: „Wir fühlen uns wirklich verschaukelt.“ Anders als in frühen Planungen, die einen lärmintensiven Betrieb der Anlage nur wochentags und ohne Nachtbetrieb vorsahen, sei jetzt „von ganz anderen Dimensionen die Rede“. Hellmund: „Es geht aber nicht an, dass hier ein 24-Stunden-Betrieb an sieben Tagen der Woche etabliert wird, der mit allein 120 lärmintensiven Bremsvorgängen in den Nachstunden die Anwohner über Gebühr belastet“.

Verfehlte Informationspolitik?

Bei der Initiative ist man besonders sauer über die „verfehlte Informationspolitik der MVG. Hellmund und seine Initiative bleiben bei ihrer Forderung einer kompletten Einhausung des gesamten, geplanten Areals – insbesondere der Bremsteststrecke. Auch landschaftsplanerisch müsse die Bebauung für die angestammten Wohnareale im Umfeld verträglich ausgestaltet werden. Eine aktuelle Unterschriftenaktion gegen die Projektausmaße ist laut Hellmund „schon von weit über 1000 Bürgern unterzeichnet worden“. Man strebe aber auf Sicht mindestens 5000 Unterschriften an.

Veranstaltung geplant

Ferner plant die Initiative „Saubere Luft“ für den 3. Juli ab 15 Uhr eine Öffentlichkeitsveranstaltung mit Initiative, Anwohnern und Vertretern aus der Politik (die Örtlichkeit wird erst noch bekannt gegeben). „Da werden die Leute die Dimensionen und die genaue Lage des Projektes besichtigen können“, verspricht der Initiativ-Sprecher.

Viel Sachkenntnis bei Initiative

Hellmund verweist auf Sachkenntnis in den eigenen Reihen. „Wir werden mit Fachleuten weiter proaktiv tätig sein“. Auch eine eigene Webseite sowie eine „breitere Aufstellung der Initiative insgesamt“ sei in Planung und bisher durch Corona etwas ausgebremst worden. Der Sprecher der Initiative hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass der Landkreis als wichtiger „Player“ auftreten könnte. Gegen den damaligen Kreisantrag, den Betriebshof im Landkreis zu situieren, habe sich die Stadt mit ihrer jetzt forcierten, umstrittenen Standortwahl zwar entschieden. Aber auch hier spreche die aktuelle Entwicklung für ein Umdenken. „Die Betriebshöfe sollen ja möglichst im Bereich der Endhaltestellen der U-Bahnen situiert werden.“ Das sei zwar jetzt noch Neuperlach Süd. Aber über eine Verlängerung der U-Bahnstrecken in den Speckgürtel Landkreis werde längst vielstimmig diskutiert. Damit stelle sich auch die Frage einer Betriebshofsituierung womöglich ganz neu.

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