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Oft genutzt: Das Haus für Weiterbildung ist der Treffpunkt bei Veranstaltungen in Neubiberg. 

Kosten für Sanierung explodieren

Haus für Weiterbildung spaltet Ausschuss

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4,7 Millionen Euro soll die Rundum-Sanierung des Neubiberger Kulturzentrum kosten. Das passt nicht jedem. Manchem wäre der Abriss der „Betonschachtel“ lieber.

Neubiberg – Ein überzeugendes Votum für die Sanierung des Hauses für Weiterbildung (HfW) sieht anders aus: Der Sonderausschuss Verwaltungsgebäude, den der Gemeinderat für die Planung des Ortszentrums samt Rathaus-Erweiterung und Sanierung des HfW ins Leben gerufen hatte, entschied sich nach rund drei Stunden vorberatender Sitzung mit nur knapper Mehrheit von 6:5 Stimmen lediglich für das „qualitative Ziel, wieder ein uneingeschränkt und komfortabel nutzbares, heutigen und absehbaren künftigen Anforderungen und Nutzungen entsprechendes, zentrales öffentliches Gebäude der Gemeinde für Veranstaltungen und Kultur zu erhalten“.

Kosten nahezu verdoppelt

Vorberaten werden sollte der auf knapp 4,76 Millionen Euro taxierte Vorentwurf der Architektin Ulrike Donner von „bh architekten“. Dieser wurde höchst kontrovers diskutiert. Gegen die Mehrheit von Freien Wählern und SPD stimmte die CSU mit den Grünen gegen die Pläne. Diskutiert wurde über alle Details, jongliert aber vor allem mit den Summen und Zahlen, die manchen Rat erschreckten. Ursprünglich war für die Sanierung des HfW mit rund 2,5 Millionen Euro gerechnet worden. Nun hat sich diese Summe nahezu verdoppelt. Hartmut Lilge (CSU) sprach dem Kulturzentrum zwar „prägenden Charakter“ zu. „Aber wir befinden uns jetzt 50 Prozent über den Vorstellungen des Gemeinderates“. Die Mehrbelastung sei „eklatant“. Er will keinen Schuldenberg anhäufen.

„Unglaublich hässlich“

Kämmerer Fabian Leininger rechnete vor, dass die Gemeinde derzeit auch angesichts üppiger Gewerbesteuerflüsse über Rücklagen von rund 18 Millionen Euro verfügt. Selbst mit Großprojekten wie dem HfW würden diese mindestens bis 2021 reichen. Tobias Heberlein (SPD) überzeugte dies nicht. „Fakt ist doch, dass wir nach den Hochrechnungen 2021 fast keine Rücklagen mehr haben“. Wenn man beim Kulturzentrum und anderen Projekten finanziell in die Vollen gehe, sei man schnell mal im Minus. Heberlein warb wie Kilian Körner (Grüne) für das Nutzen aller Einsparpotenziale. „Ich finde das HfW unglaublich hässlich und wäre für Abriss und Neubau eines einheitlichen Bürgerzentrums“, betonte Heberlein. „Aber das Ganze ist kein Wunschkonzert.“ Körner bezeichnete den Bau als „Betonschachtel“.

Auch Andrea Bernatowicz (Grüne) stellte die Frage nach einem Neubau. „Bis auf die Außenmauern bleibt doch bei der Sanierung nichts, wie es ist.“ Doch ein Neubau lohne sich „eher nicht“, entgegnete Rathauschef Günter Heyland (FW N@U). „Angesichts einer Neubausumme von mindestens elf Millionen Euro“ und der Tatsache, dass bei einem Abriss Fördergelder von rund einer Million Euro für die Teilsanierung 2009 wieder zurückgezahlt werden müssten. „Der hohe Kostenansatz ist dem technischen Zustand des Hauses geschuldet. Jedenfalls nicht der Lust und Laune der Verwaltung“, fügte Bauamtsleiter Christian Einzmann hinzu.

Diskussion nochmal von vorne

Der Gemeinderat diskutiert und entscheidet in der Sitzung am 13. November über die Zukunft des Hauses für Weiterbildung. Der Bürgermeister fürchtet: „Wir fangen dabei angesichts des knappen Ergebnisses wieder von vorne an.“ Mit einem flammenden und emotionalen Plädoyer appellierte Geschäftsleiter Thomas Schinabeck für die Pläne der Architektin. „Es gibt schon Verträge für die Gesamtplanung. Sollte der Gemeinderat nun alles stoppen, dann steht vor allem die Verwaltung im Regen. Dann fallen die Pläne in sich zusammen.“ Einen Stab für die Pläne brachen auch die Nutzer des Hauses. VHS-SüdOst-Geschäftsführer Christof Schulz, Hermann M. Schnabel von der Musikschule Unterhaching sowie Neubibergs Kulturamts-Leiterin Andrea Braun lobten das Vorhaben in vollen Zügen. „Treffpunkt zum Lernen, zum Aufenthalt und für Integration. Dieser Entwurf setzt das alles um“, sagte Schulz.

Nutzer freuen sich

4300 VHS-Teilnehmer pro Jahr in Neubiberg seien ein starkes Argument, in die Zukunft zu investieren. Für Schnabel ist es sogar „ein Traum, nach Jahren der Absenz wieder ins runderneuerte HfW zurückzukommen“. Braun freute sich besonders über die geplante Lernterrasse direkt an der Bibliothek. „Sicher ist diese mit Sicht auf die Kosten streichbar. Aber in Zeiten von Digitalisierung und Amazon muss man den Leuten schon etwas bieten.“

Zudem versprach Architektin Danner dem Gemeinderat und den Nutzern, dass nach einer Sanierung im geplanten Stil in den nächsten 25 Jahren keine weiteren Investitionen nötig seien.

„Das Haus ist doch ein Stück Heimat“, warb Maria Weiß (SPD) für die Sanierung. Und Elisabeth Stettmeier (FW N@U) betonte: „Ich mag dieses Haus.“ Dort komme mit einer besseren Raumaufteilung und einem modernen Energiekonzept „all das zusammen, was zusammengehört“. Jetzt zu investieren heiße, in gut einem Jahr ein runderneuertes „und für die Besucher attraktives Gebäude“ zu bekommen. Überzeugen ließ sich davon nur eine hauchdünne Mehrheit.

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